{"id":66162,"date":"2024-02-01T18:19:37","date_gmt":"2024-02-01T16:19:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=66162"},"modified":"2024-02-01T18:19:37","modified_gmt":"2024-02-01T16:19:37","slug":"hellofresh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/hellofresh\/","title":{"rendered":"Lieferdienst HelloFresh darf sich nicht klimaneutral nennen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_66165\" aria-describedby=\"caption-attachment-66165\" style=\"width: 465px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-66165\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Lieferdienst-HelloFresh-darf-sich-nicht-klimaneutral-nennen-621x414.jpeg\" alt=\"HelloFresh\" width=\"465\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Lieferdienst-HelloFresh-darf-sich-nicht-klimaneutral-nennen-621x414.jpeg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Lieferdienst-HelloFresh-darf-sich-nicht-klimaneutral-nennen-620x413.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Lieferdienst-HelloFresh-darf-sich-nicht-klimaneutral-nennen-310x207.jpeg 310w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Lieferdienst-HelloFresh-darf-sich-nicht-klimaneutral-nennen-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Lieferdienst-HelloFresh-darf-sich-nicht-klimaneutral-nennen-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Lieferdienst-HelloFresh-darf-sich-nicht-klimaneutral-nennen-2048x1366.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-66165\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Daria Nipot &#8211; Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Klimaneutralit\u00e4t wird immer wichtiger. Zum einen f\u00fcr Konsumenten, zum anderen f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/\">Wettbewerber<\/a>, die mit der Bezeichnung \u201eklimaneutral\u201c werben. Besonders bei CO\u2082-Kompensationsprojekten auf der anderen Seite der Weltkugel liegt schnell Greenwashing-Verdacht auf der Hand. Das Landgericht Berlin hat entschieden, dass der Lieferdienst HelloFresh sich nicht als klimaneutrales Unternehmen bezeichnen darf (LG Berlin, Urteil vom 10.10.2023, Az. <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/fileadmin\/user_upload\/download\/Urteile\/2023-10-11_Urteil_HelloFresh.pdf\">102 O 15\/23<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>Der Lieferdienst wurde von der Deutschen Umwelthilfe gerichtlich in Anspruch genommen <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/\">wegen einer Werbung<\/a> auf der HelloFresh-Internetseite mit den Aussagen \u201eDas erste globale klimaneutrale Kochbox-Unternehmen\u201c, \u201eWir kompensieren 100% unserer direkten CO-Emissionen\u201c und einer Grafik mit den Worten \u201eCO\u2082 neutral\u201c. HelloFresh gab zudem auf einer Seite \u201eKlimaneutralit\u00e4t\u201c an, CO\u2082-Emissionen durch Investitionen in \u201eGr\u00fcne Initiativen\u201c \u00fcber \u201ePartner\u201c zu kompensieren.<\/p>\n<p>Die Deutsche Umwelthilfe war der Auffassung, dass die Werbung irref\u00fchrend im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5.html\" title=\"&sect; 5 UWG: Irref&uuml;hrende gesch&auml;ftliche Handlungen\">\u00a7 5<\/a> des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ist. Denn eine n\u00e4here Betrachtung der Kompensationsprojekte f\u00fchre zu dem Ergebnis, dass die behauptete Klimaneutralit\u00e4t nicht auf die dargestellte Weise erreicht werden k\u00f6nne. So habe ein Waldprojekt in Kenia eine viel zu kurze Laufzeit und nach Ablauf der Projektfrist k\u00f6nnten angeblich gesch\u00fctzte B\u00e4ume gerodet werden. Bei einem Projekt in den Niederlanden bleibe f\u00fcr den Verbraucher offen, worum genau es sich bei dem \u201eVerified Carbon Standard\u201c handele und wie die Emissionsreduktionen durch HelloFresh berechnet wurden.<\/p>\n<h2>Klimaneutralit\u00e4t: Unlautere Werbung mit CO\u2082-Kompensation<\/h2>\n<p>Was den \u201eVerified Carbon Standard\u201c betrifft, ist das LG Berlin der Auffassung, dass beim Verbraucher hierzu keine Kenntnisse erwartet werden k\u00f6nnten. So bestehe die Gefahr, dass auch interessierte Verbraucher durch derartige \u201eSchlagworte\u201c beeindruckt zu der Auffassung gelangen, dass die von HelloFresh behauptete Klimaneutralit\u00e4t auf allgemein anerkannten objektiven Grundlagen festgestellt wurde. Und nicht lediglich auf eigenen Berechnungen und einem rein privatwirtschaftlich organisierten Handel mit CO\u2082-Zertifikaten beruht.<\/p>\n<p>Das LG Berlin befand die Werbung als unlauter im Sinne des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5.html\" title=\"&sect; 5 UWG: Irref&uuml;hrende gesch&auml;ftliche Handlungen\">\u00a7 5 Abs. 1 UWG<\/a>, soweit HelloFresh behaupte, eine (teilweise) CO\u2082-Kompensation durch den Kauf von Zertifikaten eines Waldschutzprojekts in Kenia erreichen zu k\u00f6nnen. Die Deutsche Umwelthilfe habe hinreichend substantiiert dargelegt, dass eine Klimaneutralit\u00e4t durch den Erwerb der Zertifikate nicht erzielt werden k\u00f6nne.<\/p>\n<h2>LG Berlin: CO\u2082-Kompensation hat hohes \u201aGreenwashing\u2018-Potenzial<\/h2>\n<p>Der Durchschnittsverbraucher verstehe den Begriff \u201eklimaneutral\u201c im Sinne einer ausgeglichenen Bilanz der CO\u2082-Emissionen. Dabei w\u00fcssten Verbraucher, dass die Neutralit\u00e4t sowohl durch Vermeidung als auch durch Kompensationen erreicht werden kann. Emissionsreduktion besitze nur in geringem, Emissionskompensation aber in hohem Ma\u00dfe \u201eGreenwashing\u201c-Potential.<\/p>\n<h2>Verbraucher erwarten mehr als nur Zertifikate<\/h2>\n<p>Soweit HelloFresh konkrete Kompensationsprojekte vorstelle, erwarteten Verbraucher, dass diese tats\u00e4chlich einen positiven Effekt auf die Klimabilanz besitzen und HelloFresh nicht lediglich Zertifikate erworben hat.<\/p>\n<p>Die Werbung mit dem Claim \u201eklimaneutrales Unternehmen\u201c sei irref\u00fchrend, so das LG Berlin in seinem Urteil. Dabei komme es nicht auf eine etwaige subjektive Absicht der Irref\u00fchrung an. Der Claim von HelloFresh wecke bei den angesprochenen Verkehrskreisen ein Verst\u00e4ndnis, das nicht der Realit\u00e4t entspreche.<\/p>\n<h2>Irref\u00fchrung durch unterlassene Information<\/h2>\n<p>HelloFresh habe dar\u00fcber hinaus auch gegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a7 5a UWG<\/a> versto\u00dfen, da die zur Verf\u00fcgung gestellten Informationen nicht ausreichten, um Verbrauchern mit Blick auf die behauptete Klimaneutralit\u00e4t eine ausreichende Entscheidungsgrundlage zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>HelloFresh wirbt auf seiner Internetseite aktuell mit \u201e-22% CO2e im Vergleich zum Supermarkt\u201c. Dies ergebe sich aus einer \u201e\u00d6kobilanzanalyse\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klimaneutralit\u00e4t wird immer wichtiger. Zum einen f\u00fcr Konsumenten, zum anderen f\u00fcr Wettbewerber, die mit der Bezeichnung \u201eklimaneutral\u201c werben. Besonders bei CO\u2082-Kompensationsprojekten auf der anderen Seite der Weltkugel liegt schnell Greenwashing-Verdacht auf der Hand. Das Landgericht Berlin hat entschieden, dass der Lieferdienst HelloFresh sich nicht als klimaneutrales Unternehmen bezeichnen darf (LG Berlin, Urteil vom 10.10.2023, Az. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":86,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[17962,15],"tags":[19683,19882,20026,20027,20028],"class_list":["post-66162","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lebensmittelrecht-arzneimittelrecht","category-wettbewerbsrecht-kartellrecht","tag-greenwashing","tag-klimaneutral","tag-hellofresh","tag-klimaneutralitaet","tag-co-kompensation","topic_category-wettbewerbsrecht-kartellrecht","topic_category-lebensmittelrecht-arzneimittelrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/86"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66162"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66162\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":66350,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66162\/revisions\/66350"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}