{"id":66058,"date":"2024-01-16T08:32:52","date_gmt":"2024-01-16T06:32:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=66058"},"modified":"2024-01-17T12:57:38","modified_gmt":"2024-01-17T10:57:38","slug":"ghostwriterin-fordert-schadenersatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/ghostwriterin-fordert-schadenersatz\/","title":{"rendered":"Ghostwriting: LG K\u00f6ln zu Schadenersatz bei unterbliebener Urhebernennung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_66060\" aria-describedby=\"caption-attachment-66060\" style=\"width: 452px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-66060\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Landgericht-Koeln-14.-Zivilkammer-des-Landgerichts-Koeln-621x414.jpeg\" alt=\"Ghostwriterin fordert Schadenersatz\" width=\"452\" height=\"301\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Landgericht-Koeln-14.-Zivilkammer-des-Landgerichts-Koeln-621x414.jpeg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Landgericht-Koeln-14.-Zivilkammer-des-Landgerichts-Koeln-620x413.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Landgericht-Koeln-14.-Zivilkammer-des-Landgerichts-Koeln-310x207.jpeg 310w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Landgericht-Koeln-14.-Zivilkammer-des-Landgerichts-Koeln-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Landgericht-Koeln-14.-Zivilkammer-des-Landgerichts-Koeln-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Landgericht-Koeln-14.-Zivilkammer-des-Landgerichts-Koeln-2048x1366.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 452px) 100vw, 452px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-66060\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Andrey Popov &#8211; Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Das Landgericht K\u00f6ln hat sich mit der Miturhebereigenschaft einer Ghostwriterin auseinandergesetzt, die bei einem autobiographischen Sachbuch mitwirkte. Es urteilte zur H\u00f6he des Schadensersatzes bei unterbliebener <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheberrecht-2\/\">Urheberbenennung<\/a> (LG K\u00f6ln, Urteil vom 13.07.2023, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/lgs\/koeln\/lg_koeln\/j2023\/14_O_237_22_Urteil_20230713.html\">Az. 14 O 237\/22<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>Geklagt hatte eine professionelle Ghostwriterin gegen einen Psychotherapeuten. Die Ghostwriterin wirkte bei der Produktion eines Buchs mit, wobei alle Einzelheiten streitig waren. Das Buch erschien unter dem Namen des Psychotherapeuten als Autor und behandelt dessen siebenj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Psychotherapeut. Im Rahmen der Produktion des Buchs schrieb die Ghostwriterin Erz\u00e4hlungen des Psychotherapeuten, die auf dessen gesprochenen und aufgenommenen Wort beruhen, als schriftlichen Text auf. F\u00fcr ihre Leistungen erhielt die Ghostwriterin insgesamt 11.984 Euro.<\/p>\n<p>Nachdem die Ghostwriterin ein Exemplar des Buchs in die Finger bekam, forderte sie den Psychotherapeuten auf, es zu unterlassen, das Buch ohne Hinweis auf die Kl\u00e4gerin zu vertreiben und verlangte Zahlung. Der Psychotherapeut gab eine Unterlassungserkl\u00e4rung ab, erf\u00fcllte aber keine Zahlungsanspr\u00fcche und bot eine Zahlung \u00fcber 500 Euro an.<\/p>\n<h2>Konzeption und redaktionelle Beratung durch Ghostwriterin<\/h2>\n<p>Der Psychotherapeut lie\u00df im Nachgang die gedruckten Exemplare mit einem Aufkleber und dem Vermerk \u201e\u201aRedaktionelle Beratung: Y. T.; \u201aLink entf.\u2018\u201c im Impressum versehen. Die Ghostwriterin behauptete, sie habe das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheberrecht\/\">urheberrechtlich gesch\u00fctzte Werk<\/a> geschaffen und sei die kreative und redaktionelle Verfasserin des Gesamtwerks. Sowohl das Konzept des Buchs als auch dessen Titel als auch der Aufbau inklusive Zwischen\u00fcberschriften sei auf sie zur\u00fcckzuf\u00fchren. Es sei ihre Nennung im Impressum des Buchs wie folgt vereinbart gewesen: \u201e\u201aRedaktionelle Beratung: Y. T.; \u201aLink entf.\u2018\u201c. Au\u00dferdem habe sie in der Danksagung genannt werden sollen.<\/p>\n<p>Die Ghostwriterin forderte von dem Psychotherapeuten Schadensersatz wegen unterbliebener Urheberbenennung auf Grundlage von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/97.html\" title=\"&sect; 97 UrhG: Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz\">\u00a7 97 Abs. 2<\/a> Urhebergesetz (UrhG), hilfsweise aus den <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/812.html\" title=\"&sect; 812 BGB: Herausgabeanspruch\">\u00a7\u00a7 812<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/818.html\" title=\"&sect; 818 BGB: Umfang des Bereicherungsanspruchs\">818<\/a> B\u00fcrgerliches Gesetzbuch, weiter hilfsweise auf vertraglicher Grundlage. Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/13.html\" title=\"&sect; 13 UrhG: Anerkennung der Urheberschaft\">\u00a7 13 UrhG<\/a> hat der Urheber \u201edas Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk. Er kann bestimmen, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen und welche Bezeichnung zu verwenden ist\u201c. Die Ghostwriterin forderte au\u00dferdem den Ersatz von Testkaufkosten.<\/p>\n<h2>Schadenersatz wegen unterbliebener Urhebernennung<\/h2>\n<p>Das LG K\u00f6ln verurteilte den Psychotherapeuten, das Honorar sowie 46 Euro f\u00fcr den Kauf eines Testexemplars des Buchs zuz\u00fcglich Zinsen an die Ghostwriterin zu zahlen. Die Ghostwriterin sei durch die Darstellung im Impressum des Buchs \u2013 nach Ansicht des Gerichts ein Sprachwerk in Form eines Schriftwerks gem. den <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/97.html\" title=\"&sect; 97 UrhG: Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz\">\u00a7\u00a7 97 Abs. 2<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/13.html\" title=\"&sect; 13 UrhG: Anerkennung der Urheberschaft\">13<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">2 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UrhG: Miturheber\">8 Abs. 1 UrhG<\/a> \u2013 ohne Nennung ihrer Person in ihrem Recht aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/13.html\" title=\"&sect; 13 UrhG: Anerkennung der Urheberschaft\">\u00a7 13 UrhG<\/a> verletzt.<\/p>\n<p>Nach Ansicht des LG K\u00f6ln kann es dahinstehen, ob Ghostwriter-Vereinbarungen au\u00dferhalb des Bereichs aktueller politischer Themen insgesamt als sittenwidrig anzusehen sind und deshalb eine Urheberbenennung der Ghostwriterin nicht vertraglich eingeschr\u00e4nkt ist. Im konkreten Fall liege kein wirksamer Verzicht der Ghostwriterin auf ihr Benennungsrecht aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/13.html\" title=\"&sect; 13 UrhG: Anerkennung der Urheberschaft\">\u00a7 13 Satz 2 UrhG<\/a> in der geforderten Art und Weise vor. Strittig sei nicht, ob eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Parteien bestehe, sondern nur, ob eine Vereinbarung dahingehend bestehe, dass die Ghostwriterin im Buch genannt werden soll. Auf die Rechte aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/13.html\" title=\"&sect; 13 UrhG: Anerkennung der Urheberschaft\">\u00a7 13 UrhG<\/a> als Ausfluss des Urheberpers\u00f6nlichkeitsrechts k\u00f6nne jedoch nicht dinglich verf\u00fcgt werden. Selbst wenn die Ghostwriterin also eine Vereinbarung dahingehend, dass sie im Impressum in der gew\u00fcnschten Weise benannt wird, nicht beweisen k\u00f6nnte, w\u00fcrde damit nicht ihr Recht nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/13.html\" title=\"&sect; 13 UrhG: Anerkennung der Urheberschaft\">\u00a7 13 Satz 2 UrhG<\/a> wegfallen, so das LG K\u00f6ln.<\/p>\n<h2>Ghostwriter-Vereinbarung hebelt Recht auf Urhebernennung nicht aus<\/h2>\n<p>Auch das blo\u00dfe Vorliegen einer Ghostwriter-Vereinbarung f\u00fchre nicht zu der Annahme eines stillschweigenden oder konkludenten Verzichts durch die Ghostwriterin. Verkehrsgewohnheiten oder allgemeine Branchen\u00fcbungen, die das Recht zur Urheberbenennung einschr\u00e4nken k\u00f6nnten, seien f\u00fcr den Bereich der Ghostwriter-Vereinbarungen nicht erkennbar.<\/p>\n<h2>Zuschlag von 100 Prozent auf (fiktive) Lizenzgeb\u00fchr<\/h2>\n<p>Zum Ausgleich des f\u00fcr die fehlende Urhebernennung verursachten Verm\u00f6gensschadens schulde der Psychotherapeut eine fiktive Lizenzgeb\u00fchr. Diese k\u00f6nne in Form eines Zuschlags auf die (fiktive) Lizenzgeb\u00fchr bemessen werden, die f\u00fcr die jeweilige Nutzung zu zahlen w\u00e4re. Wegen der fehlenden Urheberbenennung sei regelm\u00e4\u00dfig ein Zuschlag von 100 Prozent auf die Lizenzgeb\u00fchr anzusetzen. Zudem sei es st\u00e4ndige Rechtsprechung der Kammer in Urheberrechtsstreitsachen, dass beim blo\u00dfen Weglassen der Urheberbenennung schon regelm\u00e4\u00dfig ein Zuschlag von 100 Prozent anzunehmen ist. Bei Auftragsarbeiten sei nicht zwischen Lizenzkosten und Werklohn zu unterscheiden, sondern das gesamte Honorar sei als Lizenzgeb\u00fchr anzusehen.<\/p>\n<p>Der Psychotherapeut, der einen Hungerstreik anl\u00e4sslich des Verfahrens inzwischen beendet hat, muss nun die Kosten des Rechtsstreits tragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Landgericht K\u00f6ln hat sich mit der Miturhebereigenschaft einer Ghostwriterin auseinandergesetzt, die bei einem autobiographischen Sachbuch mitwirkte. Es urteilte zur H\u00f6he des Schadensersatzes bei unterbliebener Urheberbenennung (LG K\u00f6ln, Urteil vom 13.07.2023, Az. 14 O 237\/22). Geklagt hatte eine professionelle Ghostwriterin gegen einen Psychotherapeuten. 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