{"id":66037,"date":"2024-01-11T19:14:06","date_gmt":"2024-01-11T17:14:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=66037"},"modified":"2024-01-17T12:39:33","modified_gmt":"2024-01-17T10:39:33","slug":"superliga-urteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/superliga-urteil\/","title":{"rendered":"EuGH-Superleague-Urteil: UEFA missbraucht marktbeherrschende Stellung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_66039\" aria-describedby=\"caption-attachment-66039\" style=\"width: 503px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-66039\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Artikel-EuGH-Urteil-UEFA-Superleague-621x414.jpg\" alt=\"Superliga-Urteil\" width=\"503\" height=\"335\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Artikel-EuGH-Urteil-UEFA-Superleague-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Artikel-EuGH-Urteil-UEFA-Superleague-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Artikel-EuGH-Urteil-UEFA-Superleague-310x207.jpg 310w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Artikel-EuGH-Urteil-UEFA-Superleague-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Artikel-EuGH-Urteil-UEFA-Superleague-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Artikel-EuGH-Urteil-UEFA-Superleague-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 503px) 100vw, 503px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-66039\" class=\"wp-caption-text\">Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@viennachanges?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\">Vienna Reyes<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/fussballstadion-tagsuber-Zs_o1IjVPt4?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat dem Ansinnen von UEFA und FIFA, eine europ\u00e4ische Superleague zu verhindern, einen Riegel vorgeschoben. Mit ihren Statuten missbrauchten die Fu\u00dfballverb\u00e4nde ihre marktbeherrschende Stellung, so der EuGH in seinem unerwarteten Urteil (EuGH, Urteil vom 21.12.2023, <a href=\"https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/liste.jsf?language=de&amp;td=ALL&amp;num=C-333\/21\">Az. C-333\/21<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn sich verschiedene Vereine, die Mitglied der F\u00e9d\u00e9ration Internationale de Football Association (FIFA) oder der Union of European Football Associations (UEFA) sind, sich f\u00fcr ein bestimmtes Projekt zusammenschlie\u00dfen, dann ben\u00f6tigen sie daf\u00fcr die vorherige Genehmigung der Fu\u00dfballverb\u00e4nde. Die Statuten der Verb\u00e4nde sehen dies so vor und verbieten den Clubs und Spielern, an einem nicht genehmigten <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/\">Wettbewerb<\/a> mitzuwirken.<\/p>\n<h2>Europ\u00e4ische Fu\u00dfballclubs klagten gegen FIFA- und UEFA-Regeln<\/h2>\n<p>Zw\u00f6lf europ\u00e4ische Fu\u00dfballvereine aus Spanien, Italien und Gro\u00dfbritannien, die gemeinsam \u00fcber die spanische Firma European Superleague Company agieren \u2013 darunter bekannte Namen wie Real Madrid oder Manchester United \u2013 wollten eine European Superleague gr\u00fcnden. Diese ist als Konkurrenzwettbewerb zur Champions League geplant. Die FIFA und die UEFA legten jedoch ihr Veto ein und drohten mit Sanktionen f\u00fcr Clubs und Spieler, die an dem geplanten neuen Wettbewerb teilnehmen.<\/p>\n<h2>Monopolstellung von UEFA und FIFA<\/h2>\n<p>Die European Superleague Company klagte vor einem Handelsgericht in Madrid. Die Firma argumentierte, dass die Regeln von FIFA und UEFA, welche die Genehmigung von Wettbewerben vorsehen, ebenso EU-rechtswidrig seien wie die Verwertung von Medienrechten. Das spanische Gericht, welches Zweifel insbesondere mit Blick auf die Monopolstellung von FIFA und UEFA hatte, legte dem EuGH sechs Rechtsfragen zur Vorabentscheidung vor.<\/p>\n<p>Der EuGH stellt nun in seinem Urteil fest, dass es sich bei der Organisation von professionellen Fu\u00dfballwettbewerben unter Teilnahme verschiedener Vereine und bei der Verwertung von Medienrechten um wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten handelt. Diese h\u00e4tten sich demnach an die Regeln des Wettbewerbs zu halten und m\u00fcssten die Personenfreiz\u00fcgigkeit respektieren, auch wenn der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/\">Profisport<\/a> besondere Merkmale aufweise wie die Existenz von Verb\u00e4nden mit bestimmten Regulierungs- und Kontrollbefugnissen sowie der Befugnis, Sanktionen zu verh\u00e4ngen.<\/p>\n<h2>Ungerechtfertigte Einschr\u00e4nkung der Dienstleistungsfreiheit<\/h2>\n<p>Die Regeln von FIFA und UEFA hinsichtlich Genehmigung, Kontrolle und Sanktionen h\u00e4tten willk\u00fcrlichen Charakter und seien als ungerechtfertigte Einschr\u00e4nkungen der Dienstleistungsfreiheit anzusehen.<\/p>\n<h2>Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung<\/h2>\n<p>Wenn ein Unternehmen in beherrschender Stellung die Macht habe, die Bedingungen zu bestimmen, unter denen potentielle Konkurrenten Zugang zum Markt erhalten, m\u00fcsse diese Macht angesichts des Risikos von Interessenkonflikten bestimmten Kriterien unterliegen. Diese Kriterien m\u00fcssten transparent, objektiv, nicht diskriminierend und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sein, so der EuGH. FIFA und UEFA unterl\u00e4gen jedoch keinen solchen Kriterien. Damit missbrauchten sie eine \u201emarktbeherrschende Stellung\u201c.<\/p>\n<p>Eine Genehmigungspflicht eines Wettbewerbs wie der Superleague verneint der EuGH generell. \u00dcber das Einzelprojekt Superleague trifft der EuGH in seinem Urteil keine Entscheidung.<\/p>\n<h2>EuGH: Regelwerk schadet Clubs und Fernsehzuschauern<\/h2>\n<p>Der EuGH stellt in seinem Urteil ferner fest, dass die Regeln von FIFA und UEFA bez\u00fcglich der Auswertung von Medienrechten sch\u00e4dlich seien f\u00fcr europ\u00e4ische Fu\u00dfballclubs, Medienfirmen, Verbraucher und Fernsehzuschauer. Diese w\u00fcrden n\u00e4mlich daran gehindert, sich an neuen und potentiell innovativen oder interessanten Wettbewerben zu erfreuen.<\/p>\n<p>Der EuGH gab dem Madrider Gericht auf, zu pr\u00fcfen, ob die Regeln von FIFA und UEFA dennoch zum Vorteil verschiedener Interessengruppen gereichen k\u00f6nnten, etwa indem diese f\u00fcr eine solidarische Umverteilung der Gewinne aus bestimmten Rechten sorgten.<\/p>\n<h2>(Markt)macht der Verb\u00e4nde eingeschr\u00e4nkt<\/h2>\n<p>Der finale Volltext des EuGH-Urteils wurde bislang nicht auf Deutsch ver\u00f6ffentlicht, wohl aber ein vorl\u00e4ufiger Urteilstext auf Englisch. Die UEFA warf dem EuGH vor, das Urteil in einer Pressemitteilung verzerrt darzustellen.<\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber die sport- und wettbewerbsrechtlichen Konsequenzen des Urteils hat gerade erst begonnen. \u201eDer Fu\u00dfball ist frei\u201c, jubelte bereits ein Superleague-Vertreter. Die UEFA drohte zw\u00f6lf europ\u00e4ischen Clubs im April 2021 mit Ausschluss von europ\u00e4ischen Wettbewerben wie der Champions League. So etwas ist nach dem neuen Urteil in der Form nicht mehr m\u00f6glich. Das EuGH-Urteil wird als \u00e4u\u00dferst grundlegend auch f\u00fcr alle anderen internationalen Sportverb\u00e4nde angesehen. Es d\u00fcrfte den Wettbewerb im Profi-Fu\u00dfball deutlich st\u00e4rken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat dem Ansinnen von UEFA und FIFA, eine europ\u00e4ische Superleague zu verhindern, einen Riegel vorgeschoben. Mit ihren Statuten missbrauchten die Fu\u00dfballverb\u00e4nde ihre marktbeherrschende Stellung, so der EuGH in seinem unerwarteten Urteil (EuGH, Urteil vom 21.12.2023, Az. 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