{"id":65608,"date":"2023-10-25T08:47:45","date_gmt":"2023-10-25T06:47:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=65608"},"modified":"2023-11-16T15:05:23","modified_gmt":"2023-11-16T13:05:23","slug":"online-bewertungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/online-bewertungen\/","title":{"rendered":"Heute mal das LG Hannover zu Bewertungen &#8211; Vorteilsgew\u00e4hrung ist Irref\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_65609\" aria-describedby=\"caption-attachment-65609\" style=\"width: 423px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-65609\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Heute-mal-das-LG-Hannover-zu-Bewertungen-Vorteilsgewaehrung-ist-Irrefuehrung-442x414.jpeg\" alt=\"Online-Bewertungen\" width=\"423\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Heute-mal-das-LG-Hannover-zu-Bewertungen-Vorteilsgewaehrung-ist-Irrefuehrung-442x414.jpeg 442w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Heute-mal-das-LG-Hannover-zu-Bewertungen-Vorteilsgewaehrung-ist-Irrefuehrung-620x581.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Heute-mal-das-LG-Hannover-zu-Bewertungen-Vorteilsgewaehrung-ist-Irrefuehrung-221x207.jpeg 221w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Heute-mal-das-LG-Hannover-zu-Bewertungen-Vorteilsgewaehrung-ist-Irrefuehrung-768x720.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Heute-mal-das-LG-Hannover-zu-Bewertungen-Vorteilsgewaehrung-ist-Irrefuehrung-1536x1439.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Heute-mal-das-LG-Hannover-zu-Bewertungen-Vorteilsgewaehrung-ist-Irrefuehrung-2048x1919.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 423px) 100vw, 423px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-65609\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 DragonTiger8 &#8211; Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Online-Bewertungen sorgen immer wieder f\u00fcr Zwist vor Gericht. Denn bei <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/reputationsmanagement\/schlechte-bewertungen-loeschen-lassen\/\">Bewertungen<\/a> geht es am Ende um Kunden-Haben oder Kunden-nicht-Haben und im Zweifel um Geld. Ein neues Urteil des Landgerichts Hannover dreht sich um die Frage, ob man Vorteile gew\u00e4hren darf f\u00fcr die Abgabe von Bewertungen (LG Hannover, Urteil vom <a href=\"https:\/\/voris.wolterskluwer-online.de\/browse\/document\/d981009c-5826-4412-9192-58774654eba1\">22.12.2022, Az. 21 O 20\/21<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>Eher nein. Denn dies ist dem LG Hannover zufolge jedenfalls dann irref\u00fchrend, wenn nicht erkennbar ist, welche Bewertung \u201aecht\u2018 und welche \u201agekauft\u2018 sind. Bei den meisten Plattformen sind gekaufte Bewertungen jedoch schon gar nicht vorgesehen und erst recht nicht als solche erkennbar zu machen.<\/p>\n<p>Die Beklagte, ein Online-Handel f\u00fcr Designm\u00f6bel, Wohnaccessoires und Leuchten im Premiumbereich, zahlte Kunden \u201e100 X-Points\u201c f\u00fcr die Abgabe einer Bewertung.<\/p>\n<h2>Vorteile gew\u00e4hrt f\u00fcr eine Bewertung<\/h2>\n<p>Bei dem Online-Shop war die Abgabe einer Bewertung nur m\u00f6glich, wenn ein Kundenkonto angelegt war. Teilnehmern eines Bonusprogramms \u201eX Plus\u201c versprach der Online-Shop f\u00fcr jede abgegebene Bewertung \u201e100 X Points\u201c, im Wert von umgerechnet einem Euro.<\/p>\n<p>Das LG Hannover entschied, dass der Kl\u00e4ger einen Anspruch auf Unterlassung aus den \u00a7\u00a7 8 Abs. 1, 3 und 5 Abs. 1 des Gesetzes gegen den <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/\">unlauteren Wettbewerb<\/a> (UWG) hat. Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5.html\" title=\"&sect; 5 UWG: Irref&uuml;hrende gesch&auml;ftliche Handlungen\">\u00a7 5 Abs. 1 UWG<\/a> handelt unlauter, \u201ewer eine irref\u00fchrende gesch\u00e4ftliche Handlung vornimmt, die geeignet ist, den Verbraucher oder sonstigen Marktteilnehmer zu einer gesch\u00e4ftlichen Entscheidung zu veranlassen, die er andernfalls nicht getroffen h\u00e4tte\u201c. Das Werben mit Bewertungen, f\u00fcr die der Shop sogenannte \u201eX Points\u201c gew\u00e4hrte, sei \u201eirref\u00fchrend\u201c, so das LG Hannover.<\/p>\n<p>Geklagt hatte ein rechtsf\u00e4higer Verband zur F\u00f6rderung gewerblicher und selbst\u00e4ndiger beruflicher Interessen gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 3 Nummer 2 UWG<\/a>.<\/p>\n<h2>Unabh\u00e4ngige Rezension trotz Teilnahme an Bonusprogramm?<\/h2>\n<p>Relevant ist das Urteil des LG Hannover vor allem f\u00fcr Bonusprogramme von Unternehmen. Immer dann, wenn ein Vorteil in direktem Zusammenhang mit einer Bewertung steht, kann dies n\u00e4mlich wettbewerbsrechtlich problematisch sein. Denn Bewertungen, die vor allem deshalb get\u00e4tigt wurden, weil der Kunde dadurch einen Vorteil erlangt, sind in der Regel nicht so glaubw\u00fcrdig wie Rezensionen, die aus freiem Antrieb verfasst wurden. F\u00fcr andere Kunden k\u00f6nnen sie eine Irref\u00fchrung darstellen, da nicht unbedingt ohne weiteres ersichtlich ist, welche Bewertung \u201aecht\u2018 ist und welche ein Kunde vor allem deshalb hinterlassen hat, weil er daf\u00fcr einen geldwerten Vorteil erhielt.<\/p>\n<h2>LG Hannover: Positive Bewertungen gegen Belohnung<\/h2>\n<p>Eintr\u00e4ge in Bewertungsportalen, die Erfahrungen von Kunden wiedergeben, seien f\u00fcr viele Verbraucherinnen und Verbraucher eine \u00fcberaus wichtige Informationsquelle, hei\u00dft es im Urteil des LG Hannover. Auch wenn Verbraucher \u201esubjektiv gef\u00e4rbten positiven wie negativen Bewertungen erfahrungsgem\u00e4\u00df mit gr\u00f6\u00dferer Skepsis begegnen\u201c w\u00fcrden. Jedenfalls erwarteten Verbraucher, dass ein Bewerter daf\u00fcr kein Entgelt erhalten habe und dass es sich um keine gekauften, erfundenen Beitr\u00e4ge handelt.<\/p>\n<p>Die Bewertungen im konkreten Fall seien jedoch zumindest teilweise nicht frei und unabh\u00e4ngig abgegeben worden. Es sei davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bewertungen nur deshalb abgegeben wurde, weil die Bewerter durch \u201eX Points\u201c belohnt wurden. Es liege auf der Hand, dass solche Bewertungen eher positiv ausfielen und nicht als objektiv anzusehen seien, urteilte das LG Hannover.<\/p>\n<p>Es verurteilte den Online-Shop, es zu unterlassen, im gesch\u00e4ftlichen Verkehr Produkte mit \u201eBewertungen\u201c zum Kauf anzubieten, wenn auf die Bewertungen Einfluss seitens der Beklagten genommen wurde durch die Erm\u00f6glichung des Erwerbs von \u201eX-Points\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Online-Bewertungen sorgen immer wieder f\u00fcr Zwist vor Gericht. 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