{"id":6523,"date":"2011-08-09T08:00:11","date_gmt":"2011-08-09T06:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=6523"},"modified":"2018-05-17T17:14:03","modified_gmt":"2018-05-17T16:14:03","slug":"ein-kuhles-bier-tut-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/ein-kuhles-bier-tut-gut\/","title":{"rendered":"Ein k\u00fchles Bier tut gut &#8211; auch wenn die Werbung daf\u00fcr schwierig ist"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><\/p>\n<figure style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-left\" style=\"margin-right: 15px; margin-bottom: 10px;\" title=\"sich selbst und andere sch\u00f6n trinken\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/bier.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"145\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 DeVIce &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">26 Grad in K\u00f6ln &#8211; die Sonne scheint &#8211; die Kehle ist trocken. Ein k\u00fchles Bier w\u00e4re zu sch\u00f6n um wahr zu sein.\u00a0Die Wahrheit sieht auch anders aus: Der Schreibtisch ist voll und der Traum vom Bier wird von zwei Verfahren mit &#8220;Bierbezug&#8221; \u00fcberschattet:<\/p>\n<h2>LG Berlin<strong><br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Ein Verfahren fand vor dem Landgericht Berlin statt. Es ging es um Werbung f\u00fcr Bier mit positiven gesundheitsbezogenen Wirkungen.\u00a0 Das LG Berlin hat in einem Verfahren dem Deutschen Brauer-Bund e.V. untersagt, im Rahmen gesch\u00e4ftlicher Handlungen mit positiven Wirkungen von alkoholischen Getr\u00e4nken zu werben (<a href=\"http:\/\/www.berlin.de\/imperia\/md\/content\/senatsverwaltungen\/justiz\/kammergericht\/presse\/16_o_259_10_urteil_vom_10.05.2011_landgericht_berlin_anonymisiert.pdf?start&amp;ts=1312203649&amp;file=16_o_259_10_urteil_vom_10.05.2011_landgericht_berlin_anonymisiert.pdf\">hier geht es zum Urteil<\/a>)<\/p>\n<p>Folgende Formulierungen f\u00fcr Getr\u00e4nke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent wurden verboten:<\/p>\n<ul>\n<li>Wer moderat Alkohol genie\u00dft, ist im Alter weniger gef\u00e4hrdet, an Demenz zu erkranken<\/li>\n<li>Wer m\u00e4\u00dfig Alkohol trinkt, verringert die Gefahr, an Alters-Diabetes zu erkranken, um rund 30 Prozent<\/li>\n<li>Bier ist reich an Vitaminen und arm an Kalorien, es regt den Stoffwechsel und die Durchblutung an, st\u00e4rkt die Knochen und mindert das Herzinfarktrisiko. Manchen Inhaltsstoffen des Hopfens wird sogar nachgesagt, sie k\u00f6nnten das Krebsrisiko mindern<\/li>\n<li>Wichtige Fitmacher sind die leicht verdaulichen Kohlenhydrate des Bieres, aus denen der K\u00f6rper schnell verf\u00fcgbare Energie gewinnt. F\u00fcr Sch\u00f6nheit, aber auch f\u00fcr Gesundheit und Wohlbefinden sorgen die im Bier enthaltenen B-Vitamine: Sie sind n\u00e4mlich nicht nur wichtig f\u00fcr eine reine Haut und sch\u00f6nes Haar, sondern auch f\u00fcr den gesamten Stoffwechsel, f\u00fcr Nerven, Immunsystem, Blutbildung und Sehverm\u00f6gen (&#8230;)<\/li>\n<li>In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass Bier das Herzinfarktrisiko senken kann. Beim Vergleich von Abstinenzlern mit Biertrinkern stellt sich heraus: Ma\u00dfvolle Biertrinker erleiden nur halb so oft einen Herzinfarkt. (&#8230;) Wer m\u00e4\u00dfig aber regelm\u00e4\u00dfig Bier trinkt, tut seinem Herzen also etwas Gutes.<\/li>\n<li>Eine simple M\u00f6glichkeit, die Knochen zu st\u00e4rken und zu erhalten ist: Jeden Tag ein Glas Bier trinken (&#8230;)<\/li>\n<li>Regelm\u00e4\u00dfiger leichter Alkoholgenuss kann vor Demenz sch\u00fctzen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Urteil st\u00fctzt sich auf <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/4.html\" title=\"&sect; 4 UWG: Mitbewerberschutz\">\u00a7 4 Nr. 11 UWG<\/a> in Verbindung mit Art. 4 Abs. 3 der VO (EG) Nr. 1924\/2006 \u00fcber n\u00e4hrwert- und gesundheitsbezogene Angaben \u00fcber Lebensmittel. Art. 4 Abs. 3 lautet:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Getr\u00e4nke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent d\u00fcrfen keine gesundheitsbezogenen Angaben tragen.<\/em>\u00a0<em>Bei Getr\u00e4nken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent sind nur n\u00e4hrwertbezogene Angaben zul\u00e4ssig, die sich auf einen geringen Alkoholgehalt oder eine Reduzierung des Alkoholgehalts oder eine Reduzierung des Brennwerts beziehen.<\/em><\/p>\n<p>Wer sich jetzt in Sicherheit w\u00e4hnt, weil er Produkte ohne Alkohol mit gesundheitsbezogenen Angaben bewirbt, dem raten wir, seine Werbung nochmal zu \u00fcberdenken: Es gibt auch noch <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/LFGB\/12.html\" title=\"&sect; 12 LFGB: Weitere Verbote\">\u00a7 12 LFBG<\/a> &#8211; nach dem f\u00fcr alle Lebensmittel werbende Aussagen verboten sind, die sich auf die Beseitigung, Linderung oder Verh\u00fctung von Krankheiten beziehen:<\/p>\n<div style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u00a7 12 Verbot der krankheitsbezogenen Werbung<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 30px;\"><em>(1) Es ist verboten, beim Verkehr mit Lebensmitteln oder in der Werbung f\u00fcr Lebensmittel allgemein oder im Einzelfall<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 60px;\"><em>1.<\/em><em> Aussagen, die sich auf die Beseitigung, Linderung oder Verh\u00fctung von Krankheiten beziehen,<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 60px;\"><em>2.<\/em><em> Hinweise auf \u00e4rztliche Empfehlungen oder \u00e4rztliche Gutachten,<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 60px;\"><em>3.<\/em><em> Krankengeschichten oder Hinweise auf solche,<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 60px;\"><em>4.<\/em><em> \u00c4u\u00dferungen Dritter, insbesondere Dank-, Anerkennungs- oder Empfehlungsschreiben, soweit sie sich auf die Beseitigung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sowie Hinweise auf solche \u00c4u\u00dferungen,<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 60px;\"><em>5.<\/em><em> bildliche Darstellungen von Personen in der Berufskleidung oder bei der Aus\u00fcbung der T\u00e4tigkeit von Angeh\u00f6rigen der Heilberufe, des Heilgewerbes oder des Arzneimittelhandels,<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 60px;\"><em>6.<\/em><em> Aussagen, die geeignet sind, Angstgef\u00fchle hervorzurufen oder auszunutzen,<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 60px;\"><em>7.<\/em><em> Schriften oder schriftliche Angaben, die dazu anleiten, Krankheiten mit Lebensmitteln zu behandeln,<\/em><\/div>\n<div style=\"padding-left: 30px;\"><em>zu verwenden.<\/em><\/div>\n<h2><strong>LG K\u00f6ln<\/strong><\/h2>\n<p>In dem anderen Verfahren vor dem Landgericht K\u00f6ln ging es um die Kennzeichnung von Bierflaschen mit deutscher Zutatenliste sowie der Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums in einer bestimmten Form. Nachdem im Rahmen eines Einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahrens der Widerspruch zur\u00fcckgenommen wurde, wird es kein Urteil geben.<\/p>\n<p>Inhaltlich ging es um die Frage, ob es in der Gastronomie erlaubt ist, den G\u00e4sten Bier in Flaschen zu servieren, wenn auf den Flaschen keine deutsche Zutatenliste und kein unverschl\u00fcsseltes Mindesthaltbarkeitsdatum mit den Worten &#8220;mindestens haltbar bis&#8230;&#8221; unter Angabe von Monat und Jahr in dieser Reihenfolge angegeben ist.<\/p>\n<p>Das Ergebnis vorweg: Das LG K\u00f6ln (81. KfH) sieht in einer solchen Abgabe einen Versto\u00df gegen die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung und hat das Verhalten untersagt.<\/p>\n<p>Die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung stellt zun\u00e4chst den Grundsatz auf, dass die Angaben zu Zutaten und Mindesthaltbarkeit in bestimmter Form auf den Verpackungen der Lebensmittel angebracht sein m\u00fcssen. Es gibt jedoch Ausnahmen von dem Grundsatz: Die Angaben auf den Waren sind dann nicht erforderlich, wenn<\/p>\n<p>1. die Lebensmittel zur Abgabe an Gastronomie, Kantinen o.\u00e4. bestimmt sind, um dort zubereitet, verarbeitet, aufteilt oder abgegeben zu werden<\/p>\n<p>2. die Angaben in den Gesch\u00e4ftspapieren enthalten sind<\/p>\n<p>3. die Angaben auf der \u00e4u\u00dferen Verpackung (vorliegend ein Sixpack und nicht die einzelne Flasche) angebracht sind.<\/p>\n<p>Problematisch ist die Abgabe des Bieres in der Flasche &#8211; statt in einem Glas. Das LG K\u00f6ln vertritt die Ansicht, dass die Ausnahmeregelung der LMKV dann nicht greift, wenn der Endverbraucher in irgendeiner Form mit der Verpackung in Ber\u00fchrung kommt. Sofern der Endverbraucher also nur das Bier im Glas serviert bekommt ist alles in Ordnung. Sobald die Flasche jedoch dazu gestellt wird greift die Ausnahmeregelung nicht mehr und jede einzelne Flasche muss gekennzeichnet werden.<\/p>\n<p><!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26 Grad in K\u00f6ln &#8211; die Sonne scheint &#8211; die Kehle ist trocken. Ein k\u00fchles Bier w\u00e4re zu sch\u00f6n um wahr zu sein.\u00a0Die Wahrheit sieht auch anders aus: Der Schreibtisch ist voll und der Traum vom Bier wird von zwei Verfahren mit &#8220;Bierbezug&#8221; \u00fcberschattet: LG Berlin Ein Verfahren fand vor dem Landgericht Berlin statt. 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