{"id":65221,"date":"2023-08-18T07:43:38","date_gmt":"2023-08-18T05:43:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=65221"},"modified":"2023-08-18T22:21:55","modified_gmt":"2023-08-18T20:21:55","slug":"meinungsfreiheit-vs-persoenlichkeitsrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/meinungsfreiheit-vs-persoenlichkeitsrecht\/","title":{"rendered":"Meinungsfreiheit vs. Pers\u00f6nlichkeitsrecht"},"content":{"rendered":"
\"Meinungsfreiheit
\u00a9 Derya Cakirsoy – Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n

Kritik ist stets im Kontext einer \u00c4u\u00dferung zu betrachten. Eine Influencerin hat eine Designerin, die Leder verarbeitet, \u201eM\u00f6rderin\u201c genannt und die Pr\u00e4sentation von Lederprodukten als \u201eMordschauen\u201c bezeichnet. Das Landgericht Hamburg h\u00e4lt dies f\u00fcr zul\u00e4ssig (LG Hamburg, Beschluss vom 12.04.2023, Az. 324 O 96\/23<\/a>). Ein wichtiges Urteil zu den Grenzen der Meinungsfreiheit<\/a>:<\/em><\/p>\n

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Eine Influencerin hatte behauptet, eine Designerin sei eine \u201eM\u00f6rderin\u201c und organisiere \u201eMordschauen\u201c, \u201eLeichenschauen\u201c oder \u201eKadaverschauen\u201c und ihre Gesch\u00e4fte seien \u201eblutig\u201c. Die Modedesignerin verarbeitete und vertrieb Kleidungsst\u00fccke mit Leder und mahnte die Influencerin f\u00fcr die \u00c4u\u00dferungen ab. Die Designerin sah sich in ihrem Pers\u00f6nlichkeitsrecht verletzt<\/a>.<\/p>\n

Kritik im Kontext einer \u00f6ffentlich gef\u00fchrten Diskussion \u00fcber Leder<\/h2>\n

F\u00fcr das LG Hamburg war entscheidend, dass die \u00c4u\u00dferungen im Rahmen einer \u00f6ffentlich gef\u00fchrten Diskussion \u00fcber die Verwendung von Leder als Kleidung get\u00e4tigt wurden. Das Verst\u00e4ndnis, die betroffene Designerin sei f\u00fcr die T\u00f6tung von Menschen verantwortlich, entstehe deshalb beim Rezipienten nicht. Es handle sich um eine zul\u00e4ssige Meinungs\u00e4u\u00dferung und um Kritik an der Verwendung von Leder als Kleidung. Die Grenzen der Meinungsfreiheit seien eingehalten.<\/p>\n

Scharfe Kritik, aber zul\u00e4ssige Meinungs\u00e4u\u00dferung<\/h2>\n

Die \u00c4u\u00dferungen beinhalteten zwar eine \u201edurchaus scharfe Kritik\u201c. Vor dem Hintergrund der \u00f6ffentlich gef\u00fchrten Diskussion \u00fcber die Verwendung von Leder als Kleidung seien die \u00c4u\u00dferungen jedoch zul\u00e4ssig, beschloss das LG Hamburg. Die Influencerin habe sich auf diese Weise \u00e4u\u00dfern d\u00fcrfen.<\/p>\n

Homepage mit Artikeln unter anderem aus Krokodilleder<\/h2>\n

Die Influencerin hatte ge\u00e4u\u00dfert, \u201eauf der Seite dieser Designerin (…) findest du Krokoleder, Kobraleder, Babysalamanderleder\u201c. Zum hatte die Influencerin die Angaben der Designerin auf deren Homepage als \u201eirref\u00fchrend und falsch\u201c bezeichnet. Das LG Hamburg stellte fest, dass auf der Homepage der Designerin ein \u201eKrokokleid\u201c mit \u201eKrokopatches aus echtem Leder\u201c, eine \u201eJacke Cobraleder\u201c und eine \u201eJacke, Baby-Salamander-Leder\u201c angeboten wurden. Die Darstellung der Designerin verstehe ein Besucher der Webseite so, dass dort tats\u00e4chlich Kleidungsst\u00fccke aus den benannten Lederarten angeboten w\u00fcrden, so das LG Hamburg in seinem Beschluss. Die Designerin hatte in ihrem Abmahnschreiben n\u00e4mlich darauf verwiesen, dass s\u00e4mtliche verarbeitete Lederpatches aus Kalbsleder best\u00fcnden. Laut LG Hamburg ist die \u00c4u\u00dferung der Influencerin, die Angaben auf der Homepage seien \u201eirref\u00fchrend und falsch\u201c daher \u201eeine zul\u00e4ssige Meinungs\u00e4u\u00dferung, f\u00fcr die auch Ankn\u00fcpfungstatsachen bestehen\u201c.<\/p>\n

Vorwurf, die Designerin organisiere \u201eMordschauen\u201c, innerhalb der Grenzen der Meinungsfreiheit<\/h2>\n

Das LG Hamburg verneinte einen Anspruch der Designerin auf Unterlassung der angegriffenen \u00c4u\u00dferungen aus den \u00a7\u00a7 1004 Abs. 1 Satz 2 analog, 823 Abs. 1 B\u00fcrgerliches Gesetzbuch in Verbindung mit dem allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrecht der Designerin aus Art. 1 Abs. 1<\/a> Grundgesetz (GG) in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG<\/a> bzw. dem Unternehmenspers\u00f6nlichkeitsrecht der Designerin.<\/p>\n

Die Entscheidung des LG Hamburg ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig, da noch sofortige Beschwerde nach \u00a7 567 Abs. 1 Nr. 2<\/a> Zivilprozessordnung erhoben werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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