{"id":65093,"date":"2023-08-04T03:35:53","date_gmt":"2023-08-04T01:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=65093"},"modified":"2023-08-16T15:28:24","modified_gmt":"2023-08-16T13:28:24","slug":"befristeter-trainervertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/sportrecht\/befristeter-trainervertrag\/","title":{"rendered":"ArbG Gelsenkirchen zur Befristung von Trainervertr\u00e4gen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_65094\" aria-describedby=\"caption-attachment-65094\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-65094 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/ArbG-Gelsenkirchen-zur-Befristung-von-Trainervertraegen-341x414.jpg\" alt=\"Befristeter Trainervertrag\" width=\"350\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/ArbG-Gelsenkirchen-zur-Befristung-von-Trainervertraegen-341x414.jpg 341w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/ArbG-Gelsenkirchen-zur-Befristung-von-Trainervertraegen-510x620.jpg 510w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/ArbG-Gelsenkirchen-zur-Befristung-von-Trainervertraegen-170x207.jpg 170w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/ArbG-Gelsenkirchen-zur-Befristung-von-Trainervertraegen-768x933.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/ArbG-Gelsenkirchen-zur-Befristung-von-Trainervertraegen-1264x1536.jpg 1264w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/ArbG-Gelsenkirchen-zur-Befristung-von-Trainervertraegen-1686x2048.jpg 1686w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/ArbG-Gelsenkirchen-zur-Befristung-von-Trainervertraegen.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-65094\" class=\"wp-caption-text\">Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@albertohlfrias?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Alberto Fr\u00edas<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/1jsLzh2lKcM?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Sein Trainervertrag wurde durch eine Vereinbarung befristet. Dennoch kann ein A-Cheftrainer auf Weiterbesch\u00e4ftigung hoffen. Das Arbeitsgericht Gelsenkirchen entschied, dass das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/arbeitsrecht-geschaeftsgeheimnisse-know-how\/\">Arbeitsverh\u00e4ltnis<\/a> trotz der Befristungsvereinbarung nicht beendet worden ist (ArbG Gelsenkirchen, Urteil vom 27.07.2022, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2%20Ca%20563\/22\" title=\"ArbG Gelsenkirchen, 27.07.2022 - 2 Ca 563\/22: Entfristungsklage - Cheftrainer A-Fu&szlig;ballmannscha...\">2 Ca 563\/22<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>Ein anerkannter Fu\u00dfball-Lehrer und Cheftrainer einer A-Fu\u00dfballmannschaft schloss 2018 einen bis zum 30.06.2019 befristeten Arbeitsvertrag mit einem Fu\u00dfballverein. Bestandteil des Vertrages war auch eine <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/sportrecht\/sonderkuendigungsrecht-ausstiegsklauseln\/\">Bedingung<\/a>: Steigt die Mannschaft auf, wird der Vertrag verl\u00e4ngert. Da der Aufstieg gelang, verl\u00e4ngerte sich der Vertrag um zwei Jahre bis zum 30.06.2020. Am 24.06.2020 schlossen Trainer und Verein einen zweiten Arbeitsvertrag, der bis zum 30.06.2021 befristet wurde sowie am 12.05.2021 einen dritten Arbeitsvertrag, der bis zum 30.06.2022 befristet wurde.<\/p>\n<p>In einem Rundschreiben vom 09.03.2022 erkl\u00e4rte der Verein, dass er den bis zum 30.06.2022 laufenden Vertrag des Trainers nicht verl\u00e4ngern werde und ein anderer, beim Beklagten t\u00e4tiger Trainer die Nachfolge des Trainers antreten werde. Der Nachfolger erhielt einen auf drei Jahre befristeten Vertrag.<\/p>\n<h2>Freistellung nach erfolgloser Schlichtung<\/h2>\n<p>Nach einem gescheiterten Schlichtungsverfahren beim Deutschen Fu\u00dfball-Bund ging der Trainer vor Gericht und r\u00fcgte, dass die Befristung zum 30.06.2022 unwirksam sei wegen Fehlen eines Sachgrundes. Ein angeblicher Verschlei\u00df des Trainers, den der Verein geltend macht hatte, k\u00f6nne keine Befristung rechtfertigen. Gleiches gelte f\u00fcr die vom Verein behauptete \u00dcblichkeit der Befristung im Profisport. Im \u00dcbrigen w\u00fcrden die beiden Co-Trainer der A-Mannschaft \u00fcber unbefristete Vertr\u00e4ge verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Zuvor war der Trainer mit sofortiger Wirkung unter Fortzahlung der Verg\u00fctung von der Erbringung der Arbeitsleistung unter Anrechnung von Urlaubsanspr\u00fcchen freigestellt worden.<\/p>\n<h2>Befristung unwirksam nach Teilzeitbefristungsgesetz<\/h2>\n<p>Das Arbeitsgericht Gelsenkirchen entschied, dass die Befristung des Trainervertrages zum 30.06.2022 nicht bereits nach \u00a7 17 Satz 2 Teilzeitbefristungsgesetz (TzBfG) in Verbindung mit <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/KSchG\/7.html\" title=\"&sect; 7 KSchG: Wirksamwerden der K&uuml;ndigung\">\u00a7 7 Halbsatz 1<\/a> K\u00fcndigungsschutzgesetz wirksam sei. Der Trainer habe mit seiner Klage, die am 11.04.2022 beim Arbeitsgericht einging und dem Beklagten am 19.04.2022 zugestellt wurde, fristwahrend gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TzBfG\/17.html\" title=\"&sect; 17 TzBfG: Anrufung des Arbeitsgerichts\">\u00a7 17 Satz 1 TzBfG<\/a> die Unwirksamkeit der Befristung geltend gemacht. Die Klage habe der Kl\u00e4ger auch schon vor Ablauf der vereinbarten Frist erheben k\u00f6nnen (vgl. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 26.10.2016, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=7%20AZR%20135\/15\" title=\"BAG, 26.10.2016 - 7 AZR 135\/15: Befristung - institutioneller Rechtsmissbrauch\">7 AZR 135\/15<\/a>).<\/p>\n<div>Der Arbeitgeber habe den neuen Trainervertrag wegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TzBfG\/14.html\" title=\"&sect; 14 TzBfG: Zul&auml;ssigkeit der Befristung\">\u00a7 14 Absatz 2 Satz 2 TzBfG<\/a> aufgrund der Vorbesch\u00e4ftigung des Trainers nicht sachgrundlos befristen d\u00fcrfen. Auch eine sachgrundlose Befristung nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TzBfG\/14.html\" title=\"&sect; 14 TzBfG: Zul&auml;ssigkeit der Befristung\">\u00a7 14 Absatz 3 TzBfG<\/a> sei im konkreten Fall nicht m\u00f6glich, so das Arbeitsgericht Gelsenkirchen.<\/div>\n<h2>Verschlei\u00df rechtfertigt keine K\u00fcndigung<\/h2>\n<p>Der Verein hatte geltend gemacht, dass die Motivationskraft eines Trainers sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter abnutze und im Profisport eine Befristung von Trainervertr\u00e4gen \u00fcblich und der Verschlei\u00dftatbestand als Sachgrund anerkannt sei. Laut Arbeitsgericht Gelsenkirchen war die Befristung jedoch auch nicht \u201ewegen der Gefahr des Verschlei\u00dfes\u201c durch einen sachlichen Grund im Sinne des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TzBfG\/14.html\" title=\"&sect; 14 TzBfG: Zul&auml;ssigkeit der Befristung\">\u00a7 14 Absatz 1 TzBfG<\/a> gerechtfertigt. Da sich die Zusammensetzung der Mannschaft h\u00e4ufig \u00e4ndere, k\u00f6nne eine abstrakte Gefahr des Verschlei\u00dfes gar nicht akut werden.<\/p>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TzBfG\/14.html\" title=\"&sect; 14 TzBfG: Zul&auml;ssigkeit der Befristung\">\u00a7 14 Absatz 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG<\/a> liegt ein sachlicher Grund f\u00fcr eine Befristung vor, wenn \u201edie Eigenart der Arbeitsleistung die Befristung rechtfertigt\u201c. Doch auch dieser Sachgrund sei nicht gegeben, befand das Arbeitsgericht Gelsenkirchen.<\/p>\n<h2>Freistellung statt Befristung m\u00f6glich<\/h2>\n<p>Auch k\u00f6nne nicht \u201epauschal von einem Nachlassen der Motivationsf\u00e4higkeit auch des pflichtbewussten Trainers ausgegangen werden\u201c. Es sei letztlich \u201edem Zufall \u00fcberlassen, ob und wann die Arbeit eines Trainers aus welchen Gr\u00fcnden keinen Erfolg mehr verspricht\u201c. Eine kurze Verweildauer eines Trainers k\u00f6nne problemlos \u00fcber eine Freistellung gehandhabt werden.<\/p>\n<p>Die blo\u00dfe Ungewissheit \u00fcber die zuk\u00fcnftige Entwicklung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses allein k\u00f6nne ebenfalls keine Befristung rechtfertigen, so die Richter. Besondere Umst\u00e4nde auf Seiten des Vereins, die das Interesse des Trainers an einem unbefristeten Vertrag \u00fcberwiegen w\u00fcrden, seien nicht gegeben.<\/p>\n<h2>Unbefristeter Vertrag ist der Normalfall<\/h2>\n<p>Nach der dem Teilzeit- und Befristungsgesetz zugrunde liegenden Wertung ist ein unbefristeter Arbeitsvertrag der Normalfall und ein befristeter Vertrag die Ausnahme.<\/p>\n<p>Das Arbeitsgericht Gelsenkirchen zitiert in seiner Entscheidung ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Urteil vom 15.04.1999, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=7%20AZR%20437\/97\" title=\"BAG, 15.04.1999 - 7 AZR 437\/97: Arbeitnehmer&uuml;berlassung - Befristeter Arbeitsvertrag\">7 AZR 437\/97<\/a>), wonach eine f\u00fcr den Trainerberuf typische Verschlei\u00dfgefahr nicht besteht, wenn die Sportler in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurzen Abst\u00e4nden wechseln, und ein allgemeiner Verschlei\u00df durch l\u00e4ngere Aus\u00fcbung desselben Berufs eine Befristung auch bei Trainern nicht rechtfertigt.<\/p>\n<p>Die Gerichtsentscheidung aus Gelsenkirchen d\u00fcrfte von Profi-Trainern und -Sportlern mit einem unzul\u00e4ssigerweise befristeten Arbeitsvertrag positiv aufgenommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein Trainervertrag wurde durch eine Vereinbarung befristet. Dennoch kann ein A-Cheftrainer auf Weiterbesch\u00e4ftigung hoffen. Das Arbeitsgericht Gelsenkirchen entschied, dass das Arbeitsverh\u00e4ltnis trotz der Befristungsvereinbarung nicht beendet worden ist (ArbG Gelsenkirchen, Urteil vom 27.07.2022, Az. 2 Ca 563\/22). Ein anerkannter Fu\u00dfball-Lehrer und Cheftrainer einer A-Fu\u00dfballmannschaft schloss 2018 einen bis zum 30.06.2019 befristeten Arbeitsvertrag mit einem Fu\u00dfballverein. 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