{"id":64857,"date":"2023-06-22T19:01:06","date_gmt":"2023-06-22T17:01:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=64857"},"modified":"2023-06-22T19:01:06","modified_gmt":"2023-06-22T17:01:06","slug":"bezeichnung-als-gollum-persoenlichkeitsrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/bezeichnung-als-gollum-persoenlichkeitsrecht\/","title":{"rendered":"Bezeichnung als \u201eGollum\u201c kann das Pers\u00f6nlichkeitsrecht verletzen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_64858\" aria-describedby=\"caption-attachment-64858\" style=\"width: 323px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-64858 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Gollum-345x414.jpeg\" alt=\"Bezeichnung als \u201eGollum\u201c Pers\u00f6nlichkeitsrecht \" width=\"323\" height=\"388\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Gollum-345x414.jpeg 345w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Gollum-517x620.jpeg 517w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Gollum-173x207.jpeg 173w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Gollum-768x922.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Gollum-1280x1536.jpeg 1280w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Gollum-1707x2048.jpeg 1707w\" sizes=\"(max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-64858\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 shooarts &#8211; Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Jemanden als \u201eGollum\u201c zu bezeichnen kann auch au\u00dferhalb des Auenlands eine unzul\u00e4ssige Beleidigung darstellen. Dies bekam eine B\u00fcrgerbewegung zu sp\u00fcren, der es durch das Landgericht M\u00fcnchen untersagt wurde, einen Wissenschaftler in einem Flyer mit dem unliebsamen Wesen aus dem Tolkien-Romanen zu vergleichen (LG M\u00fcnchen I, Beschluss vom 14.11.2022, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=25%20O%2012738\/22\" title=\"LG M&uuml;nchen I, 14.11.2022 - 25 O 12738\/22: Verletzung des allgemeinen Pers&ouml;nlichkeitsrechts eine...\">25 O 12738\/22<\/a>). Der Wissenschaftler konnte seinen Unterlassungsanspruch gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/1004.html\" title=\"&sect; 1004 BGB: Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch\">\u00a7\u00a7 1004<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/823.html\" title=\"&sect; 823 BGB: Schadensersatzpflicht\">823 Abs. 1, Abs. 2 BGB<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/185.html\" title=\"&sect; 185 StGB: Beleidigung\">\u00a7 185 StGB<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" title=\"Art. 2 GG\">Art. 2 Abs. 1 GG<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" title=\"Art. 1 GG\">Art. 1 Abs. 1 GG<\/a> erfolgreich gerichtlich durchsetzen.<\/em><\/p>\n<h2>Grenzen der Meinungsfreiheit<\/h2>\n<p>Der \u00f6ffentliche Diskurs wird zum Teil mit harten Bandagen gef\u00fchrt. Personen, die in der \u00d6ffentlichkeit stehen, in j\u00fcngerer Zeit auch vermehrt Wissenschaftler, bekommen dies h\u00e4ufig am eigenen Leibe zu sp\u00fcren. Oft stellt sich die Frage: Muss ich kritische Aussagen zu meiner Person hinnehmen oder kann ich mich juristisch gegen sie wehren?<\/p>\n<p>Generell gilt: Der durch das Grundgesetz gew\u00e4hrte Schutz der Meinungsfreiheit reicht weit. Meinungs\u00e4u\u00dferungen zur eigenen Person m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich geduldet werden. Der Schutz des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/5.html\" title=\"Art. 5 GG\">Art. 5 Abs. 1 GG<\/a> umfasst insbesondere auch \u00fcberzogene Kritik, Satire und polemische \u00c4u\u00dferungen. Die Grenze der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung verl\u00e4uft dort, wo das allgemeine <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\/\">Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/a> der Betroffenen (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" title=\"Art. 2 GG\">Art. 2 Abs. 1 GG<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" title=\"Art. 1 GG\">Art. 1 Abs. 1 GG<\/a>) verletzt wird, indem sie beleidigt, Schm\u00e4hkritik ausgesetzt oder unwahre Tatsachen \u00fcber sie verbreitet werden.<\/p>\n<p>Eine pauschale Grenzziehung zwischen dem zul\u00e4ssigerweise Sagbaren und rechtswidrigen \u00c4u\u00dferungen ist jedoch nicht m\u00f6glich, vielmehr kommt es auf die Umst\u00e4nde des jeweiligen Einzelfalls an.<\/p>\n<h2>Herabsetzung durch Gollum-Vergleich<\/h2>\n<p>Doch was war passiert? Eine B\u00fcrgerbewegung hatte Flyer verteilt, auf denen der Antragsteller, ein renommierter Wissenschaftler, als \u201eGollum\u201c bezeichnet wurde. Au\u00dferdem enthielt das Flugblatt die Aussage, der Antragsteller habe \u201ekeinerlei naturwissenschaftlichen Hintergrund\u201c.<\/p>\n<p>Gollum ist eine Figur aus den Fantasyromanen \u201eDer Hobbit\u201c und \u201eDer Herr der Ringe\u201c, die angesichts der ihr vom Autor zugeschriebenen optischen und charakterlichen Eigenschaften \u00fcberwiegend negativ konnotiert sei, so das LG M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Der Begr\u00fcndung der B\u00fcrgerbewegung, der Vergleich mit der Romanfigur sei als Anspielung auf den sogenannten \u201eGollum-Effekt\u201c, zu verstehen, schloss sich das Gericht nicht an. Letzterer beschreibt die These, dass manche Wissenschaftler sich dem wissenschaftlichen Diskurs verschlie\u00dfen und ihre Forschungsergebnisse so stoisch verteidigen w\u00fcrden, wie es Gollum zur Verteidigung seines \u201eSchatzes\u201c, des umworbenen Ringes, in dem Fantasy-Epos tut.<\/p>\n<p>Ein solches Verst\u00e4ndnis sei der \u00c4u\u00dferung laut Gericht aus Sicht eines unvoreingenommenen und verst\u00e4ndigen Empf\u00e4ngers jedoch nicht zu entnehmen. Vielmehr lasse sie eine Auseinandersetzung in der Sache vermissen und stelle eine reine Diffamierung der Person dar. Auch sei in der \u00c4u\u00dferung kein satirischer Ansatz erkennbar, da weder Missst\u00e4nde angeprangert noch Widerspr\u00fcche zwischen Anspruch und Realit\u00e4t aufgedeckt w\u00fcrden. Da der Antragsteller seine wissenschaftliche Laufbahn glaubhaft darlegen konnte, handle es sich bei der Aussage, er habe \u201ekeinerlei naturwissenschaftlichen Hintergrund\u201c au\u00dferdem um eine unwahre Tatsachenbehauptung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jemanden als \u201eGollum\u201c zu bezeichnen kann auch au\u00dferhalb des Auenlands eine unzul\u00e4ssige Beleidigung darstellen. Dies bekam eine B\u00fcrgerbewegung zu sp\u00fcren, der es durch das Landgericht M\u00fcnchen untersagt wurde, einen Wissenschaftler in einem Flyer mit dem unliebsamen Wesen aus dem Tolkien-Romanen zu vergleichen (LG M\u00fcnchen I, Beschluss vom 14.11.2022, Az. 25 O 12738\/22). Der Wissenschaftler konnte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":104,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[12,546,552,19792,19793],"class_list":["post-64857","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","tag-personlichkeitsrecht","tag-meinungsfreiheit","tag-landgericht-munchen","tag-diffamierung","tag-gollum","topic_category-medienrecht-persoenlichkeitsrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/104"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64857"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64902,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64857\/revisions\/64902"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}