{"id":64290,"date":"2023-03-29T07:32:38","date_gmt":"2023-03-29T05:32:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=64290"},"modified":"2023-03-29T02:33:58","modified_gmt":"2023-03-29T00:33:58","slug":"zulaessigkeit-von-cheat-software","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/zulaessigkeit-von-cheat-software\/","title":{"rendered":"Urheberrecht: EuGH pr\u00fcft Zul\u00e4ssigkeit von Cheat-Software"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_64291\" aria-describedby=\"caption-attachment-64291\" style=\"width: 572px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-64291\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Urheberrecht-EuGH-prueft-Zulaessigkeit-von-Cheat-Software-621x414.jpg\" alt=\"Zul\u00e4ssigkeit von Cheat-Software\" width=\"572\" height=\"381\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Urheberrecht-EuGH-prueft-Zulaessigkeit-von-Cheat-Software-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Urheberrecht-EuGH-prueft-Zulaessigkeit-von-Cheat-Software-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Urheberrecht-EuGH-prueft-Zulaessigkeit-von-Cheat-Software-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Urheberrecht-EuGH-prueft-Zulaessigkeit-von-Cheat-Software-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Urheberrecht-EuGH-prueft-Zulaessigkeit-von-Cheat-Software-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Urheberrecht-EuGH-prueft-Zulaessigkeit-von-Cheat-Software-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 572px) 100vw, 572px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-64291\" class=\"wp-caption-text\">Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@jeshoots?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">JESHOOTS.COM<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/eCktzGjC-iU?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Sie sind beliebt bei Spielern jeden Alters, bringen l\u00e4ngeres Leben oder mehr Feuerkraft: Cheat-Programme. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) muss jetzt auf eine Vorlage des Bundesgerichtshofs (BGH) hin entscheiden, ob derartige Cheat-Software gegen <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheberrecht\/\">Urheberrecht<\/a> verst\u00f6\u00dft (BGH, EuGH-Vorlage vom 23.02.2023, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20157\/21\" title=\"I ZR 157\/21 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">I ZR 157\/21<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dem Verfahren gegen es um eine Software, die Spielern erlaubt, das auf einer Spielkonsole ablaufende Programm zu manipulieren. Die Kl\u00e4gerin, die selbst Spielkonsolen vertreibt, macht Anspr\u00fcche auf Unterlassung, Auskunft und Schadensersatz wegen des Vertriebs der Cheat-Software geltend. Ihre Klage richtet sich gegen eine Firma, die Erg\u00e4nzungsprodukte zu den Spielkonsolen der Kl\u00e4gerin produziert und vertreibt.<\/p>\n<h2>Ver\u00e4nderung von Daten im Arbeitsspeicher<\/h2>\n<p>Die Cheat-Software der Beklagten erlaubt es, auf Spielkonsolen der Kl\u00e4gerin bestimmte Einschr\u00e4nkungen in Spielen zu umgehen. So l\u00e4sst sich auf diese Weise etwa ein zeitlich beschr\u00e4nkter \u201eTurbo\u201c verl\u00e4ngern oder in einem Rennspiel weitere Fahrer freischalten. Die Cheat-Software ver\u00e4ndert Daten, welche die Spiele der Kl\u00e4gerin im Arbeitsspeicher der Konsole ablegen. Die Kl\u00e4gerin sieht darin eine unzul\u00e4ssige Umarbeitung ihrer Computerspiele im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69c.html\" title=\"&sect; 69c UrhG: Zustimmungsbed&uuml;rftige Handlungen\">\u00a7 69c Nr. 2<\/a> Urhebergesetz (UrhG).<\/p>\n<h2>Einsatz von Cheat-Software zustimmungsbed\u00fcrftige Umarbeitung?<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69c.html\" title=\"&sect; 69c UrhG: Zustimmungsbed&uuml;rftige Handlungen\">\u00a7 69c UrhG<\/a> regelt zustimmungsbed\u00fcrftige Handlungen. Danach f\u00e4llt das ausschlie\u00dfliche Recht, bestimmte Handlungen vorzunehmen, dem Inhaber des Urheberrechts zu. Zu den zustimmungsbed\u00fcrftige Handlungen z\u00e4hlt nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69c.html\" title=\"&sect; 69c UrhG: Zustimmungsbed&uuml;rftige Handlungen\">\u00a7 69c Nr. 2 UrhG<\/a> unter anderem auch die \u201eBearbeitung, das Arrangement und andere Umarbeitungen eines Computerprogramms\u201c.<\/p>\n<p>Das Landgericht Hamburg (LG Hamburg, Urteil vom 24.01.2012, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=310%20O%20199\/10\" title=\"LG Hamburg, 24.01.2012 - 310 O 199\/10: Urheberrechtliche Anspr&uuml;che im Zusammenhang mit der Verb...\">310 O 199\/10<\/a>) sah in dem Umstand, dass die Cheat-Software durch externe Befehle in den Programmablauf der Computerspiele eingriff und ver\u00e4nderte, eine Umarbeitung des Computerprogramms der Kl\u00e4gerin. Es mache weder aus Sicht des Urhebers noch aus Sicht des Nutzers einen Unterschied, ob eine Ver\u00e4nderung des Programmablaufs durch eine Ver\u00e4nderung des Spiels selbst oder durch die Ver\u00e4nderung von Daten im Arbeitsspeicher erfolge.<\/p>\n<h2>Keine Rechtfertigung nach den <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69d.html\" title=\"&sect; 69d UrhG: Ausnahmen von den zustimmungsbed&uuml;rftigen Handlungen\">\u00a7\u00a7 69d<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69e.html\" title=\"&sect; 69e UrhG: Dekompilierung\">69e UrhG<\/a><\/h2>\n<p>Die Umarbeitung sei auch nicht durch <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69d.html\" title=\"&sect; 69d UrhG: Ausnahmen von den zustimmungsbed&uuml;rftigen Handlungen\">\u00a7 69d<\/a> oder <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69e.html\" title=\"&sect; 69e UrhG: Dekompilierung\">\u00a7 69e UrhG<\/a> gerechtfertigt. Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69e.html\" title=\"&sect; 69e UrhG: Dekompilierung\">\u00a7 69e Abs. 1 UrhG<\/a> ist die Zustimmung des Rechtsinhabers nicht erforderlich, wenn die Vervielf\u00e4ltigung des Codes oder die \u00dcbersetzung der Codeform im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69c.html\" title=\"&sect; 69c UrhG: Zustimmungsbed&uuml;rftige Handlungen\">\u00a7 69c Nr. 1 und 2 UrhG<\/a> unerl\u00e4sslich ist, \u201eum die erforderlichen Informationen zur Herstellung der Interoperabilit\u00e4t eines unabh\u00e4ngig geschaffenen Computerprogramms mit anderen Programmen zu erhalten\u201c, sofern weitere Bedingungen erf\u00fcllt sind. Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69d.html\" title=\"&sect; 69d UrhG: Ausnahmen von den zustimmungsbed&uuml;rftigen Handlungen\">\u00a7 69d Abs. 1 UrhG<\/a> bed\u00fcrfen die in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69c.html\" title=\"&sect; 69c UrhG: Zustimmungsbed&uuml;rftige Handlungen\">\u00a7 69c Nr. 1 und 2 UrhG<\/a> genannten Handlungen nur dann nicht der Zustimmung des Rechtsinhabers, \u201ewenn sie f\u00fcr eine bestimmungsgem\u00e4\u00dfe Benutzung des Computerprogramms einschlie\u00dflich der Fehlerberichtigung durch jeden zur Verwendung eines Vervielf\u00e4ltigungsst\u00fccks des Programms Berechtigten notwendig sind\u201c.<\/p>\n<p>Das Oberlandesgericht Hamburg (OLG Hamburg, Urteil vom 07.10.2021, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=5%20U%2023\/12\" title=\"5 U 23\/12 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">5 U 23\/12<\/a>) hob das Urteil des LG Hamburg auf die Berufung der Cheat-Software-Herstellerin hin auf und wies die Klage ab. Gleichzeitig wies das OLG Hamburg die Berufung der Kl\u00e4gerin zur\u00fcck. Laut OLG Hamburg fehlt es an einer Umarbeitung eines Computerprogramms im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69c.html\" title=\"&sect; 69c UrhG: Zustimmungsbed&uuml;rftige Handlungen\">\u00a7 69c Nr. 2 UrhG<\/a>. Es gebe zwar einen Eingriff in den Ablauf des Spiels, aber nur durch eine Ver\u00e4nderung des tempor\u00e4ren Arbeitsspeichers, nicht des Programm-Quellcodes selbst. Dieser sei nicht durch <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69a.html\" title=\"&sect; 69a UrhG: Gegenstand des Schutzes\">\u00a7 69a UrhG<\/a> gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr Urheberrecht zust\u00e4ndige Senat des Bundesgerichtshofs will jetzt vom EuGH im Rahmen eines Vorlageverfahrens gekl\u00e4rt wissen, inwieweit Cheat-Software urheberrechtlich zul\u00e4ssig ist und ob eine Umarbeitung im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69c.html\" title=\"&sect; 69c UrhG: Zustimmungsbed&uuml;rftige Handlungen\">\u00a7 69c Nr. 2 UrhG<\/a> vorliegt, wenn lediglich Daten im Arbeitsspeicher ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind beliebt bei Spielern jeden Alters, bringen l\u00e4ngeres Leben oder mehr Feuerkraft: Cheat-Programme. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) muss jetzt auf eine Vorlage des Bundesgerichtshofs (BGH) hin entscheiden, ob derartige Cheat-Software gegen Urheberrecht verst\u00f6\u00dft (BGH, EuGH-Vorlage vom 23.02.2023, Az. 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