{"id":63518,"date":"2022-12-27T18:20:54","date_gmt":"2022-12-27T16:20:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=63518"},"modified":"2022-12-27T18:24:34","modified_gmt":"2022-12-27T16:24:34","slug":"sperrung-internetseiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/sperrung-internetseiten\/","title":{"rendered":"BGH-Entscheidung zu den Voraussetzungen einer Sperrung des Zugangs zu Internetseiten"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_63520\" aria-describedby=\"caption-attachment-63520\" style=\"width: 576px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-63520\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/sperrung-internetseiten-621x414.jpg\" alt=\"Sperrung Internetseiten\" width=\"576\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/sperrung-internetseiten-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/sperrung-internetseiten-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/sperrung-internetseiten-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/sperrung-internetseiten-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/sperrung-internetseiten-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/sperrung-internetseiten-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-63520\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/fr\/@erwanhesry?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Erwan Hesry<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/stop?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Der Bundesgerichtshof hat die Voraussetzungen definiert, unter denen die Sperrung des Zugangs zu Internetseiten nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TMG\/7.html\" title=\"&sect; 7 TMG: Allgemeine Grunds&auml;tze\">\u00a7 7 Abs. 4 TMG<\/a> vom Accessprovider beansprucht werden kann. Die Entscheidung des I. Zivilsenat des BGH nennt die notwendige Ma\u00dfnahmen, die Rechteinhaber vor Geltendmachung von Websperren ergreifen m\u00fcssen (BGH, Urteil vom 13.10.2022, Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20111\/21\" title=\"I ZR 111\/21 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">I ZR 111\/21<\/a>).<\/em><\/p>\n<h2>Streit zwischen Wissenschaftsverlagen und Telekommunikationsunternehmen<\/h2>\n<p>In dem langwierigen Rechtsstreit hatten Wissenschaftsverlage von einem Telekommunikationsunternehmen verlangt, den Zugang zu den websites zweier Internetdienste zu sperren, auf denen wissenschaftliche Artikel und B\u00fccher abrufbar waren, an denen die Verlage <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheberrecht-2\/\">exklusive Nutzungsrechte<\/a> haben. Das LG M\u00fcnchen I hatte den Wissenschaftsverlagen Recht gegeben (LG M\u00fcnchen, Urteil vom 25.10.2019, Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=21%20O%2015007\/18\" title=\"21 O 15007\/18 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">21 O 15007\/18<\/a>), das OLG M\u00fcnchen hob die Entscheidung der Vorinstanz allerdings auf (OLG M\u00fcnchen, Urteil vom 27. Mai 2021, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=29%20U%206933\/19\" title=\"OLG M&uuml;nchen, 27.05.2021 - 29 U 6933\/19: Zumutbare Rechtsverfolgung im EU-Ausland von DNS-Sperru...\">29 U 6933\/19<\/a>), mit der Begr\u00fcndung, die Verlage h\u00e4tten die ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden M\u00f6glichkeiten nicht ausgesch\u00f6pft. Sie h\u00e4tten ohne weiteres vor Inanspruchnahme des Telekommunikationsunternehmens den Host-Provider der beiden Internetdienste mit Sitz in Schweden auf Auskunft verklagen und mit dem Ergebnis gegen die Betreiber der Internetseiten vorgehen k\u00f6nnen, um der Verletzung ihrer Rechte abzuhelfen.<\/p>\n<h2>Website-Betreiber, Host-Provider, Access-Provider: Subsidiarit\u00e4t bei der Haftung<\/h2>\n<p>Zuviel verlangt? Nein. Der BGH schloss sich in seiner Einsch\u00e4tzung des Falls letztlich dem OLG-Votum an. Im Grundsatz gilt: Nur f\u00fcr den Fall, dass eine Inanspruchnahme jener Beteiligten, die die Rechtsverletzung unmittelbar zu verantworten haben (der Betreiber) oder zu ihr beigetragen haben (der Host-Provider), unzumutbar oder aussichtslos ist, darf direkt auf den Access-Provider durchgegriffen werden, der nur nachrangig haftet, weil er nur ganz allgemein den Internetzugang leistet, also am weitesten von der eigentlichen Rechtsgutsverletzung entfernt ist. Die Reihenfolge ist nachvollziehbar und das praktische Vorgehen, das im OLG-Urteil vorgeschlagen wird, grunds\u00e4tzlich zielf\u00fchrend.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Zumutbarkeit muss im Einzelfall bewertet werden<\/h2>\n<p>Der Schl\u00fcssel liege jedoch, so der BGH, in der Zumutbarkeit des Recherche- und Verfolgungsaufwands. F\u00fchrt dieser zu einer erheblichen zeitlichen Verz\u00f6gerung der Anspruchsdurchsetzung, ist die Zumutbarkeit gerade nicht gegeben. Der BGH verlangt in diesem Kontext schon, dass sich Rechteinhaber grunds\u00e4tzlich immer erst einmal an einen innerhalb der EU ans\u00e4ssigen Host-Provider wenden, er hat allerdings beim EU-Mitglied Schweden Zweifel, ob das den erw\u00fcnschten Erfolg erbracht h\u00e4tte. Jedoch h\u00e4tten die Wissenschaftsverlage zun\u00e4chst trotzdem versuchen m\u00fcssen, mit Hilfe eines deutschen Gerichts an den Host-Provider heranzutreten. Im Ergebnis sei das Urteil des OLG damit in Ordnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesgerichtshof hat die Voraussetzungen definiert, unter denen die Sperrung des Zugangs zu Internetseiten nach \u00a7 7 Abs. 4 TMG vom Accessprovider beansprucht werden kann. Die Entscheidung des I. Zivilsenat des BGH nennt die notwendige Ma\u00dfnahmen, die Rechteinhaber vor Geltendmachung von Websperren ergreifen m\u00fcssen (BGH, Urteil vom 13.10.2022, Az.: I ZR 111\/21). 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