{"id":63119,"date":"2022-10-15T08:00:45","date_gmt":"2022-10-15T06:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=63119"},"modified":"2022-10-14T21:20:04","modified_gmt":"2022-10-14T19:20:04","slug":"kommunikation-gewaltlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/verhandlungsstrategie-prozesstaktik\/kommunikation-gewaltlos\/","title":{"rendered":"Kommunikation \u2013 vielschichtig und gewaltlos"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_63120\" aria-describedby=\"caption-attachment-63120\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-63120 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kommunikation-gewaltlos-621x414.jpg\" alt=\"Kommunikation gewaltlos\" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kommunikation-gewaltlos-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kommunikation-gewaltlos-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kommunikation-gewaltlos-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kommunikation-gewaltlos-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kommunikation-gewaltlos-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kommunikation-gewaltlos-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-63120\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@lunarts?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Volodymyr Hryshchenko<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/communication?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Die Bedeutung und die Notwendigkeit des Dialogs ist die eine Seite der Mediationsmedaille, die Frage, wie dieser Dialog gelingt, die andere. Um sie beantworten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sich die am Gespr\u00e4ch Beteiligten der Bedingungen bewusst sein, unter denen Kommunikation stattfindet.<\/em><\/p>\n<h2>Das Kommunikationsquadrat<\/h2>\n<p>Friedemann Schulz von Thun, ein Kommunikationspsychologe und Gr\u00fcnder eines Instituts f\u00fcr Kommunikation in Hamburg, hat vier Seiten einer Botschaft unterschieden, die sich zu einem Quadrat zusammenf\u00fcgen lassen, also alle die grunds\u00e4tzlich gleiche Bedeutung haben bzw. annehmen k\u00f6nnen, abh\u00e4ngig von der Interpretation der Botschaft, und zwar sowohl von Seiten des Senders als auch des Empf\u00e4ngers.<\/p>\n<p>Jede Botschaft, so Schulz von Thun, enthalte eine Sachseite, eine Selbstoffenbarungsseite, eine Beziehungsseite und eine Appellseite. Jeder dieser Aspekte kann aus der Botschaft herausgegriffen und problematisiert werden. Es kann um die Information gehen, um die Daten und Fakten einer Aussage (Sachseite), es kann aber auch darum gehen, was der Sender der Botschaft von sich zu erkennen gibt (Selbstoffenbarungsseite), welche tats\u00e4chliche oder auch nur vermeintliche Meinung des Senders \u00fcber den Empf\u00e4nger erkennbar wird (Beziehungsseite) oder was der Sender beim Empf\u00e4nger erreichen m\u00f6chte (Appellseite).<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr den Erfolg der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/verhandlungsstrategie-prozesstaktik\/mediation\/\">Mediation<\/a> wichtig, sich klar zu machen, dass es diese ganz unterschiedlichen Aspekte in unserer Kommunikation gibt und auf welcher Ebene jeweils die Reaktion liegt. So kann man f\u00fcreinander ein besseres Verst\u00e4ndnis aufbringen, wenn man ber\u00fccksichtigt, auf welcher Ebene eine Botschaft angekommen ist, obgleich sie m\u00f6glicherweise mit einer Absicht auf ganz anderer Ebene gesendet wurde.<\/p>\n<h2>Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK)<\/h2>\n<p>Zur gelungenen Kommunikation geh\u00f6rt also die Erkenntnis, dass nicht immer alles vom Empf\u00e4nger so verstanden wird, wie es gemeint war. Um die Diskrepanzen zwischen Intention und Interpretation so gering wie m\u00f6glich zu halten, braucht es Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Wie l\u00e4sst sich das ins Gespr\u00e4ch bringen?<\/p>\n<p>Marshall B. Rosenberg war der Ansicht, dass unser kommunikatives Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen mit der Art und Weise unseres Sprechens zusammenh\u00e4ngt. Er entwickelte das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GFK). Ziele der GFK sind die \u00dcberwindung klassischer Kommunikationsmuster (Verteidigung, R\u00fcckzug, Angriff), die Reduzierung von Widerstand, Abwehr und gewaltt\u00e4tigen Reaktionen, die F\u00f6rderung der Wertsch\u00e4tzung und die St\u00e4rkung unseres Einf\u00fchlungsverm\u00f6gens durch die Kl\u00e4rung und Unterscheidung der Ebenen von Beobachtung, Gef\u00fchl und Bed\u00fcrfnis, anstatt \u2013 unter Einebnung der Differenzen \u2013 vorschnell zu reagieren, also zu entscheiden und zu urteilen.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel f\u00fcr ein gelungenes Gespr\u00e4ch liegt nach Rosenberg in diesem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Denn er sieht den Menschen als Beziehungswesen, das sich von Anderen die Befriedigung eigener Bed\u00fcrfnisse erwartet. Klarheit und Ehrlichkeit in der Artikulation dieser W\u00fcnsche, deren Nichterf\u00fcllung, so Rosenberg, hinter allen Konflikten stehe, ist dabei ebenso wichtig, wie das empathische Zuh\u00f6ren und der aufrichtige Wille, die Bed\u00fcrfnisse des Anderen zu erkennen, sie ernst zu nehmen und \u2013 soweit m\u00f6glich \u2013 zu befriedigen.<\/p>\n<p>Rosenberg hat ein positives Menschenbild. Er nimmt an, dass jeder Mensch gern bereit ist, etwas f\u00fcr einen anderen Menschen zu tun, sofern bestimmte Bedingungen erf\u00fcllt sind, dass etwa die Bed\u00fcrfnisse als Bitten und nicht als Forderungen kommuniziert werden. Gewaltfrei ist diese Art der Kommunikation deshalb, weil sie einerseits im Prozess auf gewaltsames Sprechen (neudeutsch: <i>hate speech<\/i>) verzichtet und weil sie andererseits hilft, Gewalt zu verhindern. Nach Rosenberg ist Gewalt n\u00e4mlich nichts anderes als ein Ausdruck unbefriedigter Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<h2>Gib dem Gespr\u00e4ch eine Chance!<\/h2>\n<p>Ob das immer so klappt mit der Kommunikation \u2013 gewaltlos, richtig deutend, zielf\u00fchrend \u2013 ist die Frage. Es gibt auch Dialoge, die scheitern. Dann ist das h\u00f6chste der Gef\u00fchle die \u00dcbereinstimmung hinsichtlich der Differenzen \u2013 agree to disagree. Aber auch das w\u00e4re schon etwas mehr als die Konfrontation, die sich mit der Mauer des Schweigens unweigerlich manifestiert. Insoweit \u00fcberwiegen bei der Entscheidung zum Dialog die Chancen in den allermeisten F\u00e4llen die Risiken. Und diese Chancen lassen sich mit Hilfe von au\u00dfen, in Gestalt der Mediation, betr\u00e4chtlich erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bedeutung und die Notwendigkeit des Dialogs ist die eine Seite der Mediationsmedaille, die Frage, wie dieser Dialog gelingt, die andere. Um sie beantworten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sich die am Gespr\u00e4ch Beteiligten der Bedingungen bewusst sein, unter denen Kommunikation stattfindet. 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