{"id":63097,"date":"2022-10-28T08:39:33","date_gmt":"2022-10-28T06:39:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=63097"},"modified":"2022-10-26T01:42:24","modified_gmt":"2022-10-25T23:42:24","slug":"urheberrecht-pizzastueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/urheberrecht-pizzastueck\/","title":{"rendered":"Ist das Kunst? Zum Urheberrecht am Bild eines angebissenen Pizzast\u00fccks"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_63098\" aria-describedby=\"caption-attachment-63098\" style=\"width: 573px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-63098 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Urheberrecht-Pizzastueck-621x414.jpg\" alt=\"Urheberrecht Pizzast\u00fcck\" width=\"573\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Urheberrecht-Pizzastueck-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Urheberrecht-Pizzastueck-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Urheberrecht-Pizzastueck-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Urheberrecht-Pizzastueck-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Urheberrecht-Pizzastueck-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Urheberrecht-Pizzastueck.jpg 1701w\" sizes=\"(max-width: 573px) 100vw, 573px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-63098\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@iavnt?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Ivan Torres<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/pizza?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheberrecht-2\/\">Urheberrecht<\/a> sch\u00fctzt die Autoren von mehr oder weniger bedeutenden Werken vor unerw\u00fcnschter Verwendung durch Dritte. Was alles als sch\u00fctzenswertes Werk gilt, ist dabei immer wieder Gegenstand von gerichtlichen Auseinandersetzungen.<\/em><\/p>\n<h2>Grafik erf\u00fcllt Voraussetzung des Urheberrechtsschutzes<\/h2>\n<p>So wie unl\u00e4ngst in einem Verfahren vor der 14. Zivilkammer des LG K\u00f6ln. Kann ein grafisch stilisiertes angebissenes Pizzast\u00fcck urheberrechtlich gesch\u00fctzt sein? Ja, sagten die Richter aus der Domstadt (LG K\u00f6ln, Urteil vom 9.6.2022, Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=14%20O%20283\/20\" title=\"14 O 283\/20 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">14 O 283\/20<\/a>). Denn es handele sich \u201enicht um eine rein naturalistische Darstellung eines Pizzast\u00fccks, sondern dieses wird durch Form- und Farbgebung auf das wesentliche reduziert und bleibt gleichwohl erkennbar\u201c. Und das ist Kunst, da der Grafik \u201eein Mindestma\u00df sch\u00f6pferischer Individualit\u00e4t\u201c nicht abgesprochen werden kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>LG K\u00f6ln: Sch\u00f6pferisches Konzept \u00fcberzeugt<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/h2>\n<p>Das \u201esch\u00f6pferische Konzept\u201c der Gestaltung zeige sich, so die Richer, in der Idee, dass durch die Darstellung des angebissenen Pizzast\u00fccks suggeriert werde, dass jemand \u201eschneller in die Pizza gebissen habe\u201c als man selbst. Hierbei habe der Grafiker \u201ebestehende Gestaltungsspielr\u00e4ume insbesondere dadurch genutzt, dass der Bi\u00df am Pizzast\u00fcck kontraintuitiv nicht an der Spitze, sondern am Randst\u00fcck erfolgt\u201c. Damit hebe sich das Werk \u201ein origineller Weise von am Markt vorhandenen anderen stilisierten Darstellungen\u201c ab und weise einen \u201eden Gebrauchszweck \u00fcberschie\u00dfenden k\u00fcnstlerischen Anspruch\u201c auf.<\/p>\n<h2>Auf ganzer Linie erfolgreiche Klage<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/h2>\n<p>Geklagt hatte der Gestalter der Grafik, weil er in der Verwendung seines Werks auf verschiedenen Waren (Kartons und Tragetaschen f\u00fcr die Gastronomie) eine Verletzung des Urheberrechts sah. Dieser Auffassung schloss sich das LG K\u00f6ln an, bejahte den Anspruch auf L\u00f6schung sowie Unterlassung und verf\u00fcgte die Zahlung eines Schadensersatzes in H\u00f6he von etwa 2000 Euro. Kann man sich eine Menge Pizzen f\u00fcr kaufen \u2013 auch solche, die vorher noch niemand angebissen hat.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Urheberrecht sch\u00fctzt die Autoren von mehr oder weniger bedeutenden Werken vor unerw\u00fcnschter Verwendung durch Dritte. Was alles als sch\u00fctzenswertes Werk gilt, ist dabei immer wieder Gegenstand von gerichtlichen Auseinandersetzungen. Grafik erf\u00fcllt Voraussetzung des Urheberrechtsschutzes So wie unl\u00e4ngst in einem Verfahren vor der 14. Zivilkammer des LG K\u00f6ln. 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