{"id":62912,"date":"2022-09-24T08:00:40","date_gmt":"2022-09-24T06:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=62912"},"modified":"2022-09-16T15:08:05","modified_gmt":"2022-09-16T13:08:05","slug":"cancel-culture-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/cancel-culture-kunst\/","title":{"rendered":"\u201eCancel Culture\u201c in der Kunst"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_62913\" aria-describedby=\"caption-attachment-62913\" style=\"width: 551px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-62913 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/cancel-culture-kunst-621x414.jpg\" alt=\"Cancel Culture Kunst\" width=\"551\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/cancel-culture-kunst-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/cancel-culture-kunst-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/cancel-culture-kunst-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/cancel-culture-kunst-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/cancel-culture-kunst-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/cancel-culture-kunst-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 551px) 100vw, 551px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-62913\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@yannispap?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Yannis Papanastasopoulos<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/band?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Ein Vorwurf greift um sich in Europa: \u201e<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/kulturelle-aneignung-was-ist-das\/\">kulturelle Aneignung<\/a>\u201c. .Jede und jeder, die oder der in der \u00d6ffentlichkeit steht, muss aufpassen, dass dieser Vorwurf nicht gegen sie oder ihn erhoben wird. Und das ist kaum zu schaffen, will man nicht v\u00f6llig opportunistisch sein. Denn eine weite Definition von \u201ekultureller Aneignung\u201c nimmt auch jene Elemente des Ausdrucks auf, die man sich gerne und respektvoll zu eigen gemacht, die l\u00e4ngst Teil der eigenen Pers\u00f6nlichkeit wurden, unabh\u00e4ngig von ihrer fremden Herkunftskultur. Man denke etwa an eine Rasta-Frisur mit Dreadlocks. Auch damit kann man im Paradigma der \u201eCancel Culture\u201c arge Probleme bekommen. Vor allem K\u00fcnstler k\u00f6nnen davon ein Lied singen.<\/em><\/p>\n<h2>Der \u201eFall\u201c der Band \u201eLauwarm\u201c<\/h2>\n<p>Oder auch nicht. Dann n\u00e4mlich nicht, wenn sie daran gehindert werden. So wie die Schweizer Band \u201eLauwarm\u201c, deren Konzert im Juli 2022 abgebrochen werden musste, weil sich Besucher an den Rasta-Frisuren der Bandmitglieder st\u00f6rten. Der Konzertveranstalter zeigte sich nicht loyal, verteidigte den Auftritt nicht. Das Ergebnis der \u201eCancel Culture\u201c ist in diesem Fall, dass die Popularit\u00e4t der bislang eher regional bekannten Berner Band erheblich stieg. \u201eLauwarm pl\u00f6tzlich heissbegehrt\u201d, titelte vor einigen Wochen die \u201eSchweizer Illustrierte\u201c. Tats\u00e4chlich \u00fcberschlug sich die Kritik an dem Konzertabbruch in den Sozialen Medien. Das machte \u201eLauwarm\u201c f\u00fcr die \u201eklassischen\u201c Medien interessant \u2013 nicht nur eidgen\u00f6ssische Periodika berichteten \u00fcber den \u201eFall\u201c, sondern auch aus der niederl\u00e4ndische \u201eTelegraaf\u201c oder die britische \u201eTimes\u201c. Typischer Fall von \u201eDer-Schuss-geht-nach-hinten-los\u201c.<\/p>\n<h2>Der \u201eFall\u201c der S\u00e4ngerin Ronja Maltzahn<\/h2>\n<p>Ebenfalls ein geh\u00f6riges mediales Echo erfuhr die Ausladung der M\u00fcnsteraner S\u00e4ngerin Ronja Maltzahn durch die \u201eFridays for Future\u201c-Ortsgruppe Hannover im M\u00e4rz 2022. Die Klima-Aktivisten warfen der hellh\u00e4utigen K\u00fcnstlerin vor \u2013 eine Rasta-Frisur zu tragen. Ein Auftritt anl\u00e4sslich einer der ber\u00fchmten Freitagsdemos in Hannover w\u00e4re nur m\u00f6glich gewesen, h\u00e4tte sie sich zuvor die Dreadlocks abschneiden lassen. Das jedoch wollte Ronja Maltzahn nicht. Sie bedauert die Absage und kann die Begr\u00fcndung von \u201eFridays for Future\u201c, es ginge ihnen bei der Demo nicht nur ums Klima, sondern auch um ein \u201eantikolonialistisches und antirassistisches Narrativ\u201c, in Bezug auf ihre Person nicht nachvollziehen. Ihr selbst gehe es bei jedem Auftritt immer auch um \u201eein Zeichen f\u00fcr Frieden und gegen Diskriminierung\u201c, schreibt sie auf Ihrem Instagram-Kanal. Und: \u201eSchade, dass wir aufgrund von \u00e4u\u00dferlichen Merkmalen ausgeschlossen werden.\u201c In der Tat!<\/p>\n<h2>Der \u201eFall\u201c des S\u00e4ngers Mario Parizek<\/h2>\n<p>Noch ein dritter Rasta-\u201eFall\u201c aus diesem Sommer: Im August durfte der \u00f6sterreichische Musiker Mario Parizek sein Konzert in der Z\u00fcrcher Kulturbar \u201eDas Gleis\u201c nicht beginnen. Der Grund: Der Veranstalter erhielt im Vorfeld Anrufe und Mails besorgter Personen, die sich \u00fcber Parizeks Dreadlocks mokierten. Parizeks wollte mit der Leitung der Bar in kein Gespr\u00e4ch \u00fcber seine Frisur eintreten \u2013 was auch immer hier h\u00e4tte verhandeln werden k\u00f6nnen \u2013 und das Konzert wurde abgesagt. Immerhin erhielt der K\u00fcnstler von der Bar eine finanzielle Entsch\u00e4digung. Mario Parizek fand f\u00fcr die \u201eCancel Culture\u201c deutliche Worte. Er sprach von einer \u201emehr oder weniger faschistischen Einstellung\u201c der Initiatoren.<\/p>\n<p>Drei K\u00fcnstler, ein Problem: Dreadlocks. Das muss man nicht verstehen. Und man muss auch nicht gleich zur Nazi-Keule greifen. Doch die Konzertabbr\u00fcche und Ausladungen demonstrieren ungewollt eindrucksvoll, wie totalit\u00e4r die \u201e<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/cancel-culture\/\">Cancel Culture<\/a>\u201c ist.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vorwurf greift um sich in Europa: \u201ekulturelle Aneignung\u201c. .Jede und jeder, die oder der in der \u00d6ffentlichkeit steht, muss aufpassen, dass dieser Vorwurf nicht gegen sie oder ihn erhoben wird. Und das ist kaum zu schaffen, will man nicht v\u00f6llig opportunistisch sein. 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