{"id":62767,"date":"2022-09-05T07:48:30","date_gmt":"2022-09-05T05:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=62767"},"modified":"2022-09-05T17:28:57","modified_gmt":"2022-09-05T15:28:57","slug":"doping-vorwuerfe-pechstein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/sportrecht\/doping-vorwuerfe-pechstein\/","title":{"rendered":"Die Causa Pechstein &#8211; Eine Chronologie"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_62768\" aria-describedby=\"caption-attachment-62768\" style=\"width: 553px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-62768 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/pechstein-doping-632x414.jpg\" alt=\"Pechstein Doping\" width=\"553\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/pechstein-doping-632x414.jpg 632w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/pechstein-doping-620x406.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/pechstein-doping-316x207.jpg 316w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/pechstein-doping-768x503.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/pechstein-doping-1536x1005.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/pechstein-doping-2048x1341.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-62768\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@vidarnm?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Vidar Nordli-Mathisen<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/ice-skating?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Der Fall der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/beratung-von-profi-sportvereinen-und-profi-sportlern\/\">Sportlerin<\/a> Claudia Pechstein sorgt seit Jahren immer wieder f\u00fcr Schlagzeilen. Das juristische Tauziehen dauert bereits mehr als ein Jahrzehnt an und hat bereits das Bundesverfassungsgericht und den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte besch\u00e4ftigt. Ein \u00dcberblick \u00fcber alle Verfahren:<\/i><\/p>\n<p>Claudia Pechstein ist eine Ausnahmesportlerin \u2013 als erste Frau der Welt nahm die 1972 in Ost-Berlin geborene Eisschnelll\u00e4uferin und Bundespolizistin acht Mal an Olympischen Winterspielen teil. Dabei holte Pechstein f\u00fcnf Mal Gold, zwei Mal Silber und zwei Mal Bronze \u2013 mehr als jeder andere deutsche Athlet jemals bei Winterspielen.<\/p>\n<h2>Doping-Vorw\u00fcrfe gegen Pechstein<\/h2>\n<p>Im Februar 2009 wurde Pechstein von der International Skating Union (ISU) mit Sitz in den Niederlanden f\u00fcr zwei Jahre gesperrt. Grund der Sperre war der Vorwurf des Blutdopings. Gegen die Dopingsperre klagte Pechstein vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) mit Sitz in der Schweiz. Der CAS best\u00e4tigte im November 2009 die Dopingsperre der ISU. Pechstein ging gegen die Entscheidung des CAS vor dem Schweizer Bundesgericht mit einem Eilantrag vor, dem das Gericht im Dezember 2009 stattgab. Dadurch konnte Pechstein beim Eislauf-Weltcup in Salt Lake City starten.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2010 durchsuchten BKA-Beamte Pechsteins Haus nach einer Anzeige der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG und der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland.<\/p>\n<p>Gegen die ISU-Dopingsperre klagte Pechstein erst erfolglos in der Schweiz, dann vor ordentlichen Gerichten in Deutschland.<\/p>\n<h2>Die gerichtlichen Verfahren bis jetzt&#8230;<\/h2>\n<p>Das Schweizer Bundesgericht wies im September 2010 die Revision Pechsteins gegen die Entscheidung des CAS aus dem Jahr 2009 ab.<\/p>\n<p>Das Landgericht M\u00fcnchen I wies eine Klage Pechsteins auf Feststellung der Rechtswidrigkeit der Dopingsperre sowie auf Schadenersatz und Schmerzensgeld im Februar 2014 zur\u00fcck (LG M\u00fcnchen I, Urteil v. 26.02.2014, Az. <a href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/678775.html\">37 O 28331\/12<\/a>).<\/p>\n<p>Das Oberlandesgericht M\u00fcnchen entschied dann, dass die zwischen dem Internationalen Fachverband f\u00fcr Eisschnelllauf und Pechstein getroffene Schiedsvereinbarung unwirksam sei, es den CAS-Spruch nicht anerkenne, Pechstein der Klageweg in Deutschland offenstehe und ihre Klage zul\u00e4ssig sei (OLG M\u00fcnchen, Zwischenurteil v. 15.01.2015, Az. <a href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/756385.html\">U 1110\/14 Kart<\/a>).<\/p>\n<p>Der Bundesgerichtshof (BGH) war anschlie\u00dfend in einem Urteil anderer Auffassung. Er hob auf die Revision der ISU das Teil-End- und das Teil-Zwischenurteil des OLG M\u00fcnchen auf, soweit das OLG zum Nachteil der ISU und der DESG erkannte. Au\u00dferdem wies der BGH die Berufung Pechsteins gegen das Urteil des LG M\u00fcnchen I vom 26. Februar 2014 zur\u00fcck. Der BGH entschied auch, dass Pechstein im Anschluss an das CAS-Schiedsgerichtsverfahren Zugang zu schweizerischen Gerichten habe und diese nach internationalem Recht zust\u00e4ndig seien. Einen Anspruch gerade auf Zugang zu den deutschen Gerichten habe Pechstein nicht, so das Urteil (BGH, Urteil v. 07.06.2016, Az. <a href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/892001.html\">KZR 6\/15<\/a>, <a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=Aktuell&amp;nr=74892&amp;linked=pm\">BGH-Pressemitteilung<\/a>).<\/p>\n<p>Das BGH-Urteil wiederum wurde auf eine Verfassungsbeschwerde Pechsteins hin vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben und an das OLG M\u00fcnchen zur\u00fcckverwiesen (BVerfG, Beschluss v. 03.06.2022, Az. <a href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/2440867.html\">1 BvR 2103\/16<\/a>).<\/p>\n<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte wies eine Beschwerde Pechsteins gegen die Schweiz, wo der CAS seinen Sitz hat, zur\u00fcck (EGMR, Urteil v. 02.10.2018, Az. <a href=\"https:\/\/hudoc.echr.coe.int\/fre#%7B%2522itemid%2522:%5B%2522001-186434%2522%5D%7D\">40575\/10, 67474\/10<\/a> \u2013 <i>Mutu und Pechstein vs Schweiz<\/i>). Die EGMR-Kammer sprach Pechstein jedoch 8.000 Euro Entsch\u00e4digung zu, da der CAS sie nicht \u00f6ffentlich angeh\u00f6rt und dadurch ihr Recht auf ein faires Verfahren verletzt habe. Pechstein beantragte danach erfolglos eine Verweisung des Verfahrens an die Gro\u00dfe Kammer des EGMR.<\/p>\n<p>Wie nun, nach jahrelangem Rechtsstreit \u00fcber mehrere Instanzen, das Verfahren beim Oberlandesgericht M\u00fcnchen ausgeht, wird von vielen mit Spannung erwartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fall der Sportlerin Claudia Pechstein sorgt seit Jahren immer wieder f\u00fcr Schlagzeilen. Das juristische Tauziehen dauert bereits mehr als ein Jahrzehnt an und hat bereits das Bundesverfassungsgericht und den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte besch\u00e4ftigt. 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