{"id":62488,"date":"2022-08-04T07:58:16","date_gmt":"2022-08-04T05:58:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=62488"},"modified":"2024-02-05T14:26:19","modified_gmt":"2024-02-05T12:26:19","slug":"dfb-sportgericht-hohe-geldstrafen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/dfb-sportgericht-hohe-geldstrafen\/","title":{"rendered":"DFB-Sportgericht verh\u00e4ngt hohe Geldstrafen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_62489\" aria-describedby=\"caption-attachment-62489\" style=\"width: 561px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-62489 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/dfb-sportgericht-625x414.jpeg\" alt=\"DFB Sportgericht\" width=\"561\" height=\"372\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/dfb-sportgericht-625x414.jpeg 625w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/dfb-sportgericht-620x411.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/dfb-sportgericht-313x207.jpeg 313w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/dfb-sportgericht-768x509.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/dfb-sportgericht-1536x1017.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/dfb-sportgericht-2048x1356.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 561px) 100vw, 561px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-62489\" class=\"wp-caption-text\">\u041e\u043b\u0435\u043a\u0441\u0430\u043d\u0434\u0440 \u041b\u0443\u0446\u0435\u043d\u043a\u043e &#8211; stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Bengalos, Pyrotechnik und Spielverz\u00f6gerungen \u2013 das DFB-Sportgericht hat ein weiteres Mal hohe Geldstrafen ausgesprochen. Der 1. FC K\u00f6ln erhielt wegen unsportlichen Verhaltens von Anh\u00e4ngern die h\u00f6chste Geldstrafe \u2013 insgesamt 231.000 Euro. Bei dem K\u00f6lner Verein waren bei einem Spiel gegen den 1. FC Union Berlin Dutzende pyrotechnische Gegenst\u00e4nde abgebrannt worden.<\/i><\/p>\n<h2>Was ist das DFB-Sportgericht?<\/h2>\n<p>Das DFB-Sportgericht ist die erste Instanz, wenn es um Verst\u00f6\u00dfe von Vereinen, Spielern, Trainern, Funktion\u00e4ren oder Schiedsrichtern gegen Rechtsvorschriften des Deutschen Fu\u00dfball Bundes (DFB) oder der Deutschen Fu\u00dfball Liga (DFL) im Zusammenhang mit Bundesspielen geht. Die Zust\u00e4ndigkeit des DFB-Sportgerichts ergibt sich aus \u00a7 3 i.V.m. \u00a7 2 der <a href=\"https:\/\/www.dfb.de\/fileadmin\/_dfbdam\/66984-08_Rechts-Verfahrensordnung.pdf\">Rechts- und Verfahrensordnung des DFB<\/a> (RuVO). Nach \u00a7 44 der DFB-Satzung entscheidet das Sportgericht als erste Instanz nur dann, sofern nicht eine erstinstanzliche Zust\u00e4ndigkeit des DFB-Bundesgerichts begr\u00fcndet ist. Das DFB-Bundesgericht ist die Rechtsmittelinstanz gegen Entscheidungen des Sportgerichts.<\/p>\n<p>Das DFB-Sportgericht ist gemeinsam mit den anderen Rechtsorganen des DFB zust\u00e4ndig f\u00fcr alle Vorkommnisse bei Bundesspielen, Verst\u00f6\u00dfe gegen die Spielordnung, das Ligastatut sowie f\u00fcr die Anfechtung von Spielwertungen. Au\u00dferdem befasst es sich mit Spielberechtigungen bei Bundesspielen und mit finanziellen Streitigkeiten im Zusammenhang mit Bundesspielen. Das DFB-Sportgericht ist auch zust\u00e4ndig f\u00fcr Rechtsprechung in F\u00e4llen eines diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltens gem\u00e4\u00df \u00a7 50 Nr. 3. Abs. 3 der <a href=\"https:\/\/www.dfb.de\/fileadmin\/_dfbdam\/293025-grundlagenvertrag.pdf\">DFB-Satzung<\/a>.<\/p>\n<h2>Warum darf das DFB-Sportgericht Strafen verh\u00e4ngen?<\/h2>\n<p>Das Recht des DFB-Sportgerichts, Strafen zu verh\u00e4ngen, ergibt sich aus der grunds\u00e4tzlichen Zust\u00e4ndigkeit des DFB-Sportgerichts und \u00a7 1 (\u201eGrundregel\u201c) Nr. 4 RuVO des DFB. Danach werden sportliche Vergehen, also alle Formen unsportlichen Verhaltens aller in \u00a7 1 Nr. 1 der RuVO genannten DFB-Angeh\u00f6rigen des DFB \u2013 Mitgliedsverb\u00e4nde und -vereine, Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionstr\u00e4ger und Einzelmitglieder \u2013 mit den in \u00a7 44 der DFB-Satzung aufgef\u00fchrten Strafen geahndet. Nach \u00a7 39 der RuVO des DFB sind die Entscheidungen des DFB-Sportgerichts f\u00fcr die DFB-Mitgliedsverb\u00e4nde und deren Mitgliedsvereine verbindlich.<\/p>\n<h2>Wie kann sich ein Sportler\/Funktion\u00e4r\/Verein gegen die Strafen wehren?<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/beratung-von-profi-sportvereinen-und-profi-sportlern\/\">Sportler und Vereine<\/a> k\u00f6nnen gegen eine Entscheidung des DFB-Sportgerichts vor dem DFB-Bundesgericht in Berufung gehen. Die Berufung zum DFB-Bundesgericht ist innerhalb einer Woche nach Verk\u00fcndung oder Zustellung des angefochtenen Urteils m\u00f6glich. Das DFB-Bundesgericht entscheidet verbandsintern abschlie\u00dfend \u00fcber ein Sportgerichtsverfahren.<\/p>\n<h2>Kann die Entscheidung des DFB-Sportgerichts durch staatliche Gerichte \u00fcberpr\u00fcft werden?<\/h2>\n<p>Im Sport gibt es neben der staatlichen Gerichtsbarkeit noch die verbandsinterne Gerichtsbarkeit (Vereins- und Verbandsgerichte (zu denen z. B. das DFB-Sportgericht geh\u00f6rt) und die \u201eechte\u201c Schiedsgerichtsarkeit. Im Bereich des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gibt es mehr als 1.000 Sportgerichte. Vereine und Verb\u00e4nde k\u00f6nnen in ihrer Satzung oder per Vertrag regeln, dass <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/\">sportrechtliche<\/a> Streitigkeiten von einem Vereins- oder Verbandsgericht entschieden werden sollen, was die Vereinigungsgarantie der <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/9.html\" title=\"Art. 9 GG\">Art. 9 Abs. 1<\/a> Grundgesetz gew\u00e4hrleistet<\/p>\n<p>Im Rahmen der Schiedsgerichtsbarkeit wird zwischen sogenannten \u201eechten\u201c und sogenannten \u201eunechten\u201c Schiedsgerichten unterschieden. Echte Schiedsgerichte schlie\u00dfen die Anrufung staatlicher Gerichte aus, weil sie \u201eanstelle\u201c der staatlichen Gerichte entscheiden und der Schiedsspruch nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/1055.html\" title=\"&sect; 1055 ZPO: Wirkungen des Schiedsspruchs\">\u00a7 1055<\/a> Zivilprozessordnung (ZPO) die Wirkungen eines rechtskr\u00e4ftigen gerichtlichen Urteils hat. Unechte Schiedsgerichte f\u00fchren hingegen nur eine Art \u201eVorverfahren\u201c zur staatlichen Gerichtsbarkeit durch, so dass die anschlie\u00dfende Anrufung eines staatlichen Gerichts m\u00f6glich bleibt. Ein echtes Schiedsgericht liegt vor, wenn es durch eine Satzung oder durch Vertrag wirksam eingesetzt wurde. Die Vereinbarung muss weiterhin beinhalten, dass das Schiedsgericht unter Ausschluss des ordentlichen Rechtsweges entscheidet. Es muss gem\u00e4\u00df den <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/1066.html\" title=\"&sect; 1066 ZPO: Entsprechende Anwendung der Vorschriften des Buches 10\">\u00a7\u00a7 1066<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/1026.html\" title=\"&sect; 1026 ZPO: Umfang gerichtlicher T&auml;tigkeit\">1026<\/a> der ZPO hinreichend bestimmt sein, welche Rechtsstreitigkeiten das Schiedsgericht entscheiden darf. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen die Schiedsrichter pers\u00f6nlich und sachlich unabh\u00e4ngig sein und d\u00fcrfen also nicht Weisungen eines Vereinsorgans unterworfen sein. Und schlie\u00dflich d\u00fcrfen die Verfahrensgarantien der ZPO nicht abbedungen worden sein.<\/p>\n<p>Die bekanntesten echte Schiedsgerichte im Sport sind der \u201eCourt of Arbitration for Sport\u201c (CAS) oder auch Internationaler Sportgerichtshof genannt sowie die <a href=\"https:\/\/www.disarb.org\/\">Deutsche Institution f\u00fcr Schiedsgerichtsbarkeit<\/a> e.V. (DIS). Sogenannte Verbandsschiedsgerichte sind meistens keine echten Schiedsgerichte in diesem Sinne, da sie nicht die Voraussetzungen der <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/1025.html\" title=\"&sect; 1025 ZPO: Anwendungsbereich\">\u00a7\u00a7 1025 ff. ZPO<\/a> erf\u00fcllen und als Organe des Verbandes eine abh\u00e4ngige Einrichtung darstellen. Daher sind die Entscheidungen der \u201eunechten\u201c Schiedsgerichte und damit auch dem DFB-Sportgericht vor den staatlichen Gerichten \u00fcberpr\u00fcfbar. Daneben besteht nur eine enge Kontrolldichte, um die Vereinigungsgarantie des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/9.html\" title=\"Art. 9 GG\">Art. 9 Abs. 1 GG<\/a> nicht auszuhebeln. Daneben besteht noch die M\u00f6glichkeit, dass Vereine und Verb\u00e4nde die Befugnis zur Sanktion von Regelverst\u00f6\u00dfen oder zur \u00dcberpr\u00fcfung eigener Entscheidungen auf ein fremdes Schiedsgericht wie die <a href=\"https:\/\/www.disarb.org\/\">DIS<\/a> oder den CAS \u00fcbertragen.<\/p>\n<h2>Vor- und Nachteile von Sport- bzw. Schiedsgerichten im Vergleich zur staatlichen Gerichtsbarkeit<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/h2>\n<p>Berufungsgerichte in Deutschland sind grunds\u00e4tzlich keine Tatsacheninstanz. Der internationale Sportgerichtshof CAS trifft nach Artikel 57 <a href=\"https:\/\/www.tas-cas.org\/en\/arbitration\/code-procedural-rules.html\">CAS-Code<\/a> seiner Verfahrensordnung stets eine ganz neue Entscheidung. Dies kann von Vorteil sein, will man eine Entscheidung in h\u00f6herer Instanz g\u00e4nzlich aus der Welt schaffen.<\/p>\n<p>Sportgerichte sind zwar an Vorgaben des Grundgesetzes, wie den Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r gebunden, f\u00fcr sie gelten allerdings nicht die Regeln der Zivilprozessordnung. Anders als beim DFB-Bundesgericht m\u00fcssen beim DFB-Sportgericht nicht alle Beisitzer \u00fcber eine Richterbef\u00e4higung verf\u00fcgen. Ein Vorteil des sportrechtlichen Wegs ist eine Besonderheit beim DFB-Sportgericht: Bei einer Berufung gegen eine Entscheidung darf die neue Entscheidung nicht zum Nachteil des Betroffenen ausfallen.<\/p>\n<p>Vor Zivilgerichten k\u00f6nnen in Adh\u00e4sionsverfahren sowohl zivil- als auch strafrechtliche Anspr\u00fcche verfolgt werden. Die Sportgerichtsbarkeit ist jedoch eine reine Zivilgerichtsbarkeit. Ausgesprochene Strafen stellen Vertragsstrafenrecht unter Privaten dar und sind in der Regel durch den Pr\u00e4ventionscharakter gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Entscheidungen von Sportgerichten ergehen unter Umst\u00e4nden schneller als die ordentlicher Gerichte. Die \u00a7\u00a7 15 Nr. 2 bis 4 RuVO beinhalten ein beschleunigtes Verfahren. Entscheidungen des Einzelrichters k\u00f6nnen hier innerhalb nur eines Werktages ergehen.<\/p>\n<p>Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS werden auf Franz\u00f6sisch, Englisch oder Spanisch gef\u00fchrt. Mit Zustimmung aller Beteiligten kann nach Artikel R29 CAS-Code auch eine andere Sprache gew\u00e4hlt werden. Diese Wahlm\u00f6glichkeit ist interessant f\u00fcr internationale Sportler. Nach der Zivilprozessordnung ist die Gerichtssprache stets Deutsch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bengalos, Pyrotechnik und Spielverz\u00f6gerungen \u2013 das DFB-Sportgericht hat ein weiteres Mal hohe Geldstrafen ausgesprochen. Der 1. 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