{"id":61273,"date":"2022-06-02T07:36:39","date_gmt":"2022-06-02T05:36:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=61273"},"modified":"2022-05-31T01:12:55","modified_gmt":"2022-05-30T23:12:55","slug":"immobiliengeschaefte-einfache-prokura-reicht-nicht-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/gesellschaftsrecht\/immobiliengeschaefte-einfache-prokura-reicht-nicht-aus\/","title":{"rendered":"Immobiliengesch\u00e4fte: Einfache Prokura reicht nicht aus"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_61274\" aria-describedby=\"caption-attachment-61274\" style=\"width: 545px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-61274 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/prokura-immobilien-620x414.jpg\" alt=\"Prokura Immobilien\" width=\"545\" height=\"364\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/prokura-immobilien-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/prokura-immobilien-310x207.jpg 310w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/prokura-immobilien-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/prokura-immobilien-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/prokura-immobilien-2048x1367.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 545px) 100vw, 545px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-61274\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Cytonn Photography on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Die Prokuristen einer Aktiengesellschaft sollten im Rahmen einer Testamentsvollstreckerung, mit der die Aktiengesellschaft beauftragt war, ein Grundst\u00fcckgesch\u00e4ft im Grundbuch vormerken lassen. Das Grundbuchamt lehnte es jedoch ab, die Auflassungsvormerkung in das Grundbuch einzutragen, denn die Prokuristen seien nach ihrer Prokura nicht zur Ver\u00e4u\u00dferung oder Belastung von Grundst\u00fccken befugt. Der Vorstand der AG f\u00fchrte danach einen Beschluss herbei, der schlussendlich die Eintragung im Grundbuch erwirkte. So weit, so gut.<\/em><\/p>\n<h2>\u201eImmobiliarklausel\u201c beschr\u00e4nkt Vertretungsmacht<\/h2>\n<p>Da das aber recht umst\u00e4ndlich schien und noch weitere Grundst\u00fcckgesch\u00e4fte bevorstanden, also \u201eWiederholungsgefahr\u201c gegeben war, wollte die Aktiengesellschaft gerichtlich kl\u00e4ren lassen, ob das Verhalten des Grundbuchamts rechtens gewesen sei. War es, entschied das KG Berlin (KG Berlin, Beschluss v. 5.7.2021, Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=1%20W%2026\/21\" title=\"KG, 05.07.2021 - 1 W 26\/21: Grundbucheintragung: Bewilligung der Eintragung einer Auflassungsvo...\">1 W 26\/21<\/a>). Die Bewilligung der Vormerkung sei nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/HGB\/49.html\" title=\"&sect; 49 HGB\">\u00a7\u00a049 Abs.\u00a02 HGB<\/a> (\u201eImmobiliarklausel\u201c) nicht von der Prokura der Prokuristen erfasst.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Vormerkung ist Belastung des Grundst\u00fccks<\/h2>\n<p>Denn eine Vormerkung sei als Belastung des Grundst\u00fccks anzusehen, die M\u00f6glichkeit zu einer solchen h\u00e4tte dementsprechend im Handelsregister eingetragen werden m\u00fcssen. Das gelte auch dann, so das Gericht, wenn der Kaufmann \u2013 also hier die Aktiengesellschaft \u2013 Eigent\u00fcmer des Grundst\u00fccks ist. Hintergrund ist das Haftungsrisiko im Hinblick auf vom Grundst\u00fccksgesch\u00e4ft betroffene Dritte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Einfache L\u00f6sung: Eintragung der erweiterten Prokura<\/h2>\n<p>Das KG skizziert den <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/gesellschaftsrecht-startup\/\">gesellschaftsrechtlichen<\/a> Ausweg: Die Aktiengesellschaft k\u00f6nne jederzeit ihre Prokuristen entsprechend erm\u00e4chtigen, also bestimmte Grundst\u00fccke (etwa eigene) von der Handlungsvollmacht ausnehmen oder die Prokura auf einzelne Grundst\u00fccke beschr\u00e4nken, etwa die, die zum verwaltetenen Nachlass geh\u00f6ren. Nur: Das muss im Handelsregister eingetragen werden, um die grunds\u00e4tzlich geltende Beschr\u00e4nkung der Vertretungsmacht nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/HGB\/49.html\" title=\"&sect; 49 HGB\">\u00a7\u00a049 Abs.\u00a02 HGB<\/a> aufzuheben. Sonst droht in der Tat eine Wiederholung des Prozederes, das Anlass zu der Beschwerde gab.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Prokuristen einer Aktiengesellschaft sollten im Rahmen einer Testamentsvollstreckerung, mit der die Aktiengesellschaft beauftragt war, ein Grundst\u00fcckgesch\u00e4ft im Grundbuch vormerken lassen. 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