{"id":61218,"date":"2022-05-20T23:43:26","date_gmt":"2022-05-20T21:43:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=61218"},"modified":"2022-05-20T23:43:26","modified_gmt":"2022-05-20T21:43:26","slug":"bgh-dsgvo-gewaehrt-keinen-anspruch-auf-loeschung-eines-jameda-profils","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/datenschutzrecht\/bgh-dsgvo-gewaehrt-keinen-anspruch-auf-loeschung-eines-jameda-profils\/","title":{"rendered":"BGH: DSGVO gew\u00e4hrt keinen Anspruch auf L\u00f6schung eines Jameda-Profils"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_61219\" aria-describedby=\"caption-attachment-61219\" style=\"width: 552px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-61219\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dsgvo-jameda-621x414.jpg\" alt=\"Jameda DSGVO\" width=\"552\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dsgvo-jameda-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dsgvo-jameda-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dsgvo-jameda-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dsgvo-jameda-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dsgvo-jameda-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dsgvo-jameda-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-61219\" class=\"wp-caption-text\">Photo by National Cancer Institute on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Eine \u00c4rztin wollte ihre Daten vom Arzt-Bewertungsportal Jameda gel\u00f6scht wissen. Der BGH entschied, dass Art. 17 <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/datenschutzrecht\/eu-datenschutz-grundverordnung-dsgvo\/\">Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)<\/a> keinen solchen Anspruch gew\u00e4hrt und das Portal berechtigte Interessen nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 DSGVO<\/a> wahrnimmt (BGH, Urteil v. 15.02.2022, Az. <\/i><a href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/2392056.html\"><i>VI ZR 692\/20<\/i><\/a><i>).<\/i><\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin, eine Augen\u00e4rztin, erfuhr dass auf dem Arzt-Bewertungsportal jameda.de eine negative Bewertung \u00fcber sie eingestellt wurde. Sie wurde dort als \u201earrogant, unfreundlich, unprofessionell\u201c bewertet. Die Kl\u00e4gerin bat um L\u00f6schung dieser Bewertung und um Mitteilung des Verfassers. Jameda lehnte letzteres ebenso ab wie eine L\u00f6schung der Basisdaten der Kl\u00e4gerin.<\/p>\n<h2>L\u00f6schung eines Arztprofils auf jameda.de auf DSGVO-Grundlage?<\/h2>\n<p>Die \u00c4rztin klagte daraufhin auf L\u00f6schung der Basisdaten. Das Landgericht gab der Klage statt, auf die Berufung der Beklagten wies das Berufungsgericht die Klage jedoch ab. In der Anschlussberufung verlangte die Kl\u00e4gerin hilfsweise nur die L\u00f6schung der negativen Bewertung, was das Berufungsgericht als unbegr\u00fcndet ansah. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt die Kl\u00e4gerin ihre Antr\u00e4ge weiter.<\/p>\n<p>Der BGH entschied, der Kl\u00e4gerin stehe kein Anspruch auf L\u00f6schung ihrer Basisdaten zu. Es liege auch keine unrechtm\u00e4\u00dfige Verarbeitung personenbezogener Daten im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/17.html\" title=\"Art. 17 DSGVO: Recht auf L&ouml;schung (&quot;Recht auf Vergessenwerden&quot;)\">Artikel 17 Abs. 1 lit. d DSGVO<\/a> vor. Die Datenverarbeitung sei nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f DSGVO<\/a> rechtm\u00e4\u00dfig, auch ohne Einwilligung der Kl\u00e4gerin. Die Abw\u00e4gung zwischen <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/reputationsmanagement\/jameda-bewertung-loeschen\/\">Jamedas<\/a> Recht auf Kommunikationsfreiheit und Berufsfreiheit und dem Informationsinteresse Dritter an der Auflistung der \u00c4rzte mit Benotung und Kommentaren und dem Recht der Kl\u00e4gerin auf informationelle Selbstbestimmung und Berufsfreiheit falle zulasten der Kl\u00e4gerin aus.<\/p>\n<h2>Medienprivileg nicht einschl\u00e4gig<\/h2>\n<p>Auf das Medienprivileg des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/85.html\" title=\"Art. 85 DSGVO: Verarbeitung und Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung und Informationsfreiheit\">Art. 85 Abs. 2 DSGVO<\/a> i. V. m. Art. 38 Bayerisches Datenschutzgesetz k\u00f6nne die Jameda sich hier mangels eigener journalistischer T\u00e4tigkeit zwar nicht berufen. Die Beklagte verlasse jedoch nicht die Funktion eines neutralen Informationsmittlers.<\/p>\n<h2>Wahrnehmung berechtigter Interessen<\/h2>\n<p>Jameda nehme mit dem Betrieb des Portals berechtigte Nutzerinteressen wahr, indem sie Nutzern die durch Art. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GRCh\/11.html\">11<\/a> Abs. 1 Charta der Grundrechte der Europ\u00e4ischen Union (GRCh) gesch\u00fctzte Abgabe und Verbreitung einer Meinung erm\u00f6gliche und passiven Nutzern die ebenfalls von der Meinungsfreiheit erfasste M\u00f6glichkeit verschaffe, davon Kenntnis zu nehmen.<\/p>\n<p>Im Rahmen der nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1 S. 1<\/a> lit. f. DSGVO vorzunehmenden Abw\u00e4gung seien zugunsten der Kl\u00e4gerin au\u00dfer ihrem Recht auf Schutz ihrer personenbezogenen Daten<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>(<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GRCh\/8.html\" title=\"Art. 8 GRCh: Schutz personenbezogener Daten\">Art. 8 GRCh<\/a>) die nicht unerheblichen Gefahren f\u00fcr ihren sozialen und beruflichen Geltungsanspruch (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GRCh\/7.html\" title=\"Art. 7 GRCh: Achtung des Privat- und Familienlebens\">Art. 7 GRCh<\/a>) sowie der wirtschaftliche Erfolg ihrer selbst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GRCh\/16.html\" title=\"Art. 16 GRCh: Unternehmerische Freiheit\">Art. 16 GRCh<\/a>) zu ber\u00fccksichtigen, den eine Aufnahme in das Bewertungsportal mit sich bringen k\u00f6nne. Die Bewertungen auf dem Portal k\u00f6nnten die Arztwahl behandlungsbed\u00fcrftiger Personen beeinflussen, sich dadurch unmittelbar auf den Wettbewerb mit anderen \u00c4rzten auswirken und im Fall negativer Bewertungen sogar die Existenz eines Bewerteten gef\u00e4hrden.<\/p>\n<h2>BGH: Jameda-Premium-Mitgliedschaft darf nicht diskriminieren<\/h2>\n<p>Der BGH macht in seinem Urteil auch Ausf\u00fchrungen zu Premium-Mitgliedschaften, die zum Gesch\u00e4ftsmodell von Jameda geh\u00f6ren: Zwischen dem Basis- und dem Premium-Profil bestehe ein \u201eerhebliches optisches Gef\u00e4lle\u201c. F\u00fcr Portalnutzer sei klar ersichtlich, dass f\u00fcr Werbeanzeigen eine Verg\u00fctung zu entrichten sei, befand der BGH. Anzeigen w\u00fcrden auf Seiten mit Profilen von Premiumkunden und Nichtkunden gleicherma\u00dfen erscheinen, womit keine verdeckte Ungleichbehandlung vorliege. Entscheidend sei, ob Nutzer erkennen k\u00f6nnen, dass es Vorteile f\u00fcr zahlende Kunden gebe und dass diese Vorteile Nichtkunden nicht unangemessen benachteiligten. Dies sei aber der Fall, da die Reihenfolge, in der die \u00c4rzte in der Liste angezeigt w\u00fcrden, unabh\u00e4ngig von einer Premiummitgliedschaft erfolge.<\/p>\n<p>Rechtsf\u00e4lle zu negativen (Arzt)bewertungen auf Bewertungsportalen gab es bereits. Geht es nach dem BGH, lassen sich Bewertungen auch \u00fcber den Umweg der DSGVO nicht l\u00f6schen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine \u00c4rztin wollte ihre Daten vom Arzt-Bewertungsportal Jameda gel\u00f6scht wissen. Der BGH entschied, dass Art. 17 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) keinen solchen Anspruch gew\u00e4hrt und das Portal berechtigte Interessen nach Art. 6 DSGVO wahrnimmt (BGH, Urteil v. 15.02.2022, Az. VI ZR 692\/20). 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