{"id":61167,"date":"2022-05-09T17:56:22","date_gmt":"2022-05-09T15:56:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=61167"},"modified":"2022-05-12T20:46:03","modified_gmt":"2022-05-12T18:46:03","slug":"bgh-kosten-einer-berechtigten-abmahnung-muessen-erstattet-werden-auch-bei-spaeterem-rechtsmissbrauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/verhandlungsstrategie-prozesstaktik\/bgh-kosten-einer-berechtigten-abmahnung-muessen-erstattet-werden-auch-bei-spaeterem-rechtsmissbrauch\/","title":{"rendered":"BGH: Kosten einer berechtigten Abmahnung m\u00fcssen erstattet werden \u2013 auch bei sp\u00e4terem Rechtsmissbrauch"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_61207\" aria-describedby=\"caption-attachment-61207\" style=\"width: 546px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-61207 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bundesgerichtshof-618x414.jpg\" alt=\"\" width=\"546\" height=\"366\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bundesgerichtshof-618x414.jpg 618w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bundesgerichtshof-620x415.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bundesgerichtshof-309x207.jpg 309w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Bundesgerichtshof.jpg 694w\" sizes=\"(max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-61207\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 nmann77 &#8211; Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>So kann es gehen. Man streitet sich \u00fcber zwei Instanzen bis zum KG Berlin um die Frage, ob die Geltendmachung wettbewerbsrechtlicher Anspr\u00fcche rechtsmissbr\u00e4uchlich war. Der BGH l\u00e4sst sogar die Revision zu (BGH, Urteil v. 27.1.2022, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%207\/21\" title=\"BGH, 27.01.2022 - I ZR 7\/21: Ersatz der erforderlichen Aufwendungen bei Berechtigung der Abmahn...\">I ZR 7\/21<\/a>).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0Dann kommt alles ganz\u00a0anders.<\/span><\/em><\/p>\n<h2>Gl\u00e4ubiger m\u00fcssen vorsichtig agieren\u2013 insbesondere wenn es um Kleinigkeiten geht<\/h2>\n<p>Ein Ebay-H\u00e4ndler von allem\u00f6glichem Krimskrams (und damit f\u00fcr den ihn vertretenden Anwalt komfortablerweise potentieller Mitbewerber vieler anderer Onlineh\u00e4ndler), der seinerzeit mit einer regelrechten Abmahnwelle gegen unterschiedliche Konkurrenten auf sich aufmerksam machte, hatte in einem Fall mit diesen prozessualen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen, die er sich mit der Erhebung zweier Verf\u00fcgungsverfahren und zweier Klageverfahren selbst eingebrockt hatte. Die Gerichte bescheinigten dem Kl\u00e4ger, dass er seine (vermeintlichen) Unterlassungsanspr\u00fcche nicht durchsetzen k\u00f6nne, weil es ihm bei der Einleitung unn\u00f6tiger Verfahren weniger um die Sache als um die Verursachung von Kosten gegangen sei.<\/p>\n<p>Wir hatten hier dar\u00fcber berichtet:<\/p>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/kg-berlin-rechtsmissbrauch\/\">KG Berlin: Zwei UWG-Verst\u00f6\u00dfe, zwei Klagen = Rechtsmissbrauch<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Gegen die Entscheidung des KG\u00a0legte der Kl\u00e4ger Nichtzulassungsbeschwerde ein.<\/p>\n<h2>BGH l\u00e4sst Revision zu \u2013 allerdings nur in Bezug auf die Abmahnkosten<\/h2>\n<p>Der BGH lie\u00df diese \u00fcberraschend zu. Allerdings nicht, um sich mit den Rechtsmissbrauchsvorw\u00fcrfen als solchen zu befassen, sondern um festzustellen, dass beim Vorliegen eines Unterlassungsanspruchs entstandene Erstattungsanspruch bzgl. der Abmahnkosten unabh\u00e4ngig davon fortbesteht, ob der mit der Abmahnung geltend gemachte Unterlassungsanspruch sp\u00e4ter wegf\u00e4llt. Zum Beispiel, weil der Gl\u00e4ubiger sich bei der weiteren Durchsetzung der vermeintlichen Anspr\u00fcche sp\u00e4ter rechtsmissbr\u00e4uchlich verh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Der Senat hat den Rechtsstreit zu erneuten Entscheidung an das KG zur\u00fcckverwiesen (BGH, Urteil v. 27.1.2022, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%207\/21\" title=\"BGH, 27.01.2022 - I ZR 7\/21: Ersatz der erforderlichen Aufwendungen bei Berechtigung der Abmahn...\">I ZR 7\/21<\/a>). Das muss jetzt kl\u00e4ren, ob die sachfremden Motive bereits zum Zeitpunkt der Abmahnung bestanden, so dass auch der diesbez\u00fcgliche Kostenerstattungsabspruch wegen Rechtsmissbrauchs wegf\u00e4llt.<\/p>\n<h2>Rechtsmissbrauch muss die Ausnahme bleiben<\/h2>\n<p>Auch, wenn sie zum Nachteil unserer Mandantin ergangen ist: Die Entscheidung ist begr\u00fc\u00dfenswert, da sie den Gerichte gr\u00f6\u00dfere Sorgfalt aufgibt, wenn es um die Annahme des Missbrauchs eines Rechts geht, was die Ausnahme bleiben muss. Die durch die UWG-Novelle 2020 eingef\u00fcgten Versch\u00e4rfungen zu Lasten der Gl\u00e4ubiger erh\u00f6hen diese Sorgfaltspflichten: Es w\u00e4re fatal, den T\u00e4ter einer Rechtsverletzung wegen schlichter Formfehler zum Opfer zu machen und den Rechteinhaber rechtlos zu stellen.<\/p>\n<p>Im konkreten Fall haben wir allerdings keine gro\u00dfen Bedenken, dass die Beklagte auch in Bezug auf die Abmahnkosten erfolgreich sein wird. Die Kl\u00e4gerin hat sich n\u00e4mlich auch au\u00dfergerichtlich keine gro\u00dfe M\u00fche geben, ihre sachfremden Motive zu verschleiern.<\/p>\n<p>(Offenlegung: LHR hat die Beklagte vor dem LG und KG vertreten.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So kann es gehen. Man streitet sich \u00fcber zwei Instanzen bis zum KG Berlin um die Frage, ob die Geltendmachung wettbewerbsrechtlicher Anspr\u00fcche rechtsmissbr\u00e4uchlich war. Der BGH l\u00e4sst sogar die Revision zu (BGH, Urteil v. 27.1.2022, Az. I ZR 7\/21).\u00a0Dann kommt alles ganz\u00a0anders. 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