{"id":61128,"date":"2022-05-04T07:10:00","date_gmt":"2022-05-04T05:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=61128"},"modified":"2023-08-21T17:43:35","modified_gmt":"2023-08-21T15:43:35","slug":"eugh-zu-urheberrechtsrichtlinie-privatkopie-klausel-auf-cloud-anwendbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/eugh-zu-urheberrechtsrichtlinie-privatkopie-klausel-auf-cloud-anwendbar\/","title":{"rendered":"EuGH zu Urheberrechtsrichtlinie: Privatkopie-Klausel auf Cloud anwendbar"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_61129\" aria-describedby=\"caption-attachment-61129\" style=\"width: 573px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-61129 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/privatkopie-cloud-621x414.jpg\" alt=\"Privatkopie Cloud\" width=\"573\" height=\"382\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/privatkopie-cloud-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/privatkopie-cloud-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/privatkopie-cloud-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/privatkopie-cloud-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/privatkopie-cloud-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/privatkopie-cloud-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 573px) 100vw, 573px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-61129\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@dallasreedy?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Dallas Reedy<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/cloud?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat entschieden: Die Ausnahme f\u00fcr Privatkopien gem\u00e4\u00df Urheberrechtsrichtlinie findet auch Anwendung, wenn eine zu privaten Zwecken erstellte Kopie eines gesch\u00fctzten Werkes in der Cloud gespeichert wird (EuGH, Urteil v. 24.03.2022, Az. <\/i><a href=\"https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=&amp;docid=256462&amp;pageIndex=0&amp;doclang=DE&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1\"><i>C-433\/20<\/i><\/a><i> \u2013 Austro-Mechana vs. Strato).<\/i><\/p>\n<p>Vor dem EuGH stritten die Austro-Mechana Gesellschaft zur Wahrnehmung mechanisch-musikalischer Urheberrechte Gesellschaft\u00a0mbH, eine Verwertungsgesellschaft f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheber-und-designrecht\/\">Urheberrechte<\/a>, und die Strato\u00a0AG, eine Anbieterin von Cloud-Dienstleistungen. Es ging um eine urheberrechtliche Abgabe, die Austro-Mechana von Strato verlangte. Austro-Mechana erhob vor dem Handelsgericht Wien Klage auf Zahlung einer \u201eSpeichermedien jeder Art\u201c betreffenden Verg\u00fctung. Austro-Mechana begr\u00fcndete dies damit, dass Strato f\u00fcr Gesch\u00e4fts- und Privatkunden eine Dienstleistung anbiete, bei der Daten in einer Cloud gespeichert w\u00fcrden.<\/p>\n<h2>Streit um Speichermedienverg\u00fctung bei Cloud Computing<\/h2>\n<p>Strato war hingegen der Ansicht, dass f\u00fcr Cloud Computing-Dienstleistungen keine Speichermedienverg\u00fctung anfalle. Es sei in dem Mitgliedstaat, in dem die Server gehostet seien, bereits die Urheberrechtsabgabe geleistet worden, die vom Hersteller oder Importeur der Server eingepreist worden sei. Auch Nutzer in \u00d6sterreich h\u00e4tten bereits eine Urheberrechtsabgabe f\u00fcr die Anfertigung von Privatkopien auf den Endger\u00e4ten gezahlt, die f\u00fcr das Hochladen der Inhalte in die Cloud erforderlich seien.<\/p>\n<h2>Vorlage durch Gericht in \u00d6sterreich<\/h2>\n<p>Das Oberlandesgericht Wien legte dem EuGH zwei Fragen zur Vorabentscheidung vor. Die erste: Ist der Begriff \u201eauf beliebigen Tr\u00e4gern\u201c in Art.\u00a05 Abs.\u00a02 lit.\u00a0b der Richtlinie 2001\/29\/EG zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheberrecht-2\/\">Urheberrechts<\/a> und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft dahin auszulegen, dass darunter auch Server zu verstehen sind, die im Besitz dritter Personen stehen, die nat\u00fcrlichen Personen zum privaten Gebrauch auf diesen Servern Speicherplatz zur Verf\u00fcgung stellen, den die Kunden zum Vervielf\u00e4ltigen durch Abspeichern nutzen (\u201acloud computing\u2018)? Die zweite: Ist die Vorschrift des Art. 5. Abs. 2 lit. b der Richtlinie 2001\/29\/EG so auszulegen, dass sie auf eine nationale Regelung anzuwenden ist, wonach der Urheber Anspruch auf eine angemessene Speichermedienverg\u00fctung hat,\u00a0\u00a0wenn von einem Werk seiner Art nach zu erwarten ist, dass es zum eigenen oder privaten Gebrauch vervielf\u00e4ltigt wird, indem es auf einem \u201eSpeichermedium jeder Art, das f\u00fcr eine solche Vervielf\u00e4ltigung geeignet ist und im Inland gewerbsm\u00e4\u00dfig in Verkehr kommt\u201c, gespeichert wird, wenn das Ganze in einer Cloud erfolgt.<\/p>\n<h2>Umfasst Urheberrechtslinie auch Cloud-Speicher?<\/h2>\n<p>Der EuGH entschied: Art.\u00a05 Abs.\u00a02 lit.\u00a0b der Richtlinie 2001\/29\/EG sei so auszulegen, dass der Ausdruck \u201eVervielf\u00e4ltigungen auf beliebigen Tr\u00e4gern\u201c im Sinne der Bestimmung die Erstellung von Sicherungskopien <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheberrecht\/\">urheberrechtlich<\/a> gesch\u00fctzter Werke zu privaten Zwecken auch in einem Cloud-Speicher umfasst, den ein Anbieter einem Nutzer zur Verf\u00fcgung stellt. Art.\u00a05 Abs.\u00a02 lit.\u00a0b der Richtlinie sei ferner dahin auszulegen, dass er der Umsetzung der Ausnahme im Sinne dieser Bestimmung durch eine nationale Regelung, nach der Cloud-Anbieter keinen Ausgleich f\u00fcr Privatkopien von nat\u00fcrlichen Personen leisten m\u00fcssen, nicht entgegenstehe, sofern die Regelung die Zahlung eines gerechten Ausgleichs an die Rechtsinhaber vorsehe.<\/p>\n<h2>Keine Unterscheidung zwischen Cloud- und physischem Speicher<\/h2>\n<p>Es sei f\u00fcr die Anwendung von Art.\u00a05 Abs.\u00a02 Buchst.\u00a0b der Richtlinie 2001\/29 \u201efunktional nicht danach zu unterscheiden\u201c, ob die Vervielf\u00e4ltigung eines gesch\u00fctzten Werkes auf einem Cloud-Server stattfindet, oder ob diese Vervielf\u00e4ltigung auf einem dem Nutzer selbst geh\u00f6renden physischen Speichermedium erfolgt, hei\u00dft es weiter in dem EuGH-Urteil. Deshalb sei ein Cloud-Speicher auch von dem Begriff \u201eauf beliebigen Tr\u00e4gern\u201c im Sinne von Art.\u00a05 Abs.\u00a02 lit.\u00a0b der Richtlinie 2001\/29\/EG erfasst.<\/p>\n<p>Das Urteil d\u00fcrfte bei Verwertungsgesellschaften f\u00fcr Entt\u00e4uschung sorgen und sorgt bei Urhebern nicht f\u00fcr Mehreinnahmen. Cloud-Anbietern und Nutzern erspart es jedoch Kosten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat entschieden: Die Ausnahme f\u00fcr Privatkopien gem\u00e4\u00df Urheberrechtsrichtlinie findet auch Anwendung, wenn eine zu privaten Zwecken erstellte Kopie eines gesch\u00fctzten Werkes in der Cloud gespeichert wird (EuGH, Urteil v. 24.03.2022, Az. C-433\/20 \u2013 Austro-Mechana vs. Strato). 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