{"id":60979,"date":"2022-04-29T07:27:48","date_gmt":"2022-04-29T05:27:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=60979"},"modified":"2022-04-28T01:34:10","modified_gmt":"2022-04-27T23:34:10","slug":"sandalen-werk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/sandalen-werk\/","title":{"rendered":"Ist das Kunst? Auch Sandalen k\u00f6nnen Werke sein!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_60980\" aria-describedby=\"caption-attachment-60980\" style=\"width: 545px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-60980 size-medium\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/sandalen-werk-545x414.jpg\" alt=\"Sandalen Werk\" width=\"545\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/sandalen-werk-545x414.jpg 545w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/sandalen-werk-620x471.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/sandalen-werk-273x207.jpg 273w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/sandalen-werk-768x583.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/sandalen-werk-1536x1166.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/sandalen-werk.jpg 1701w\" sizes=\"(max-width: 545px) 100vw, 545px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-60980\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@dacakockica?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Danijela Prijovic<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/sandals?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Dass auch Schuhe und Sandalen Werke sein k\u00f6nnen, die <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheber-und-designrecht-2\/\">urheberrechtlich<\/a> zu sch\u00fctzen sind, hat das Landgericht K\u00f6ln entschieden (LG K\u00f6ln, Urteil v. 3.3.2022, Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=14%20O%20366\/21\" title=\"LG K&ouml;ln, 03.03.2022 - 14 O 366\/21: Gro&szlig;er Beurteilungsspielraum nationaler Gerichte bei Anwendu...\">14 O 366\/21<\/a>). Die dabei beantwortete Kernfrage lautet: Was macht einen Alltagsgegenstand zu einem Kunstwerk?<\/em><\/p>\n<h2>Unionsrechtliche Regelung<\/h2>\n<p>Dazu gibt es eine Bestimmung, die europaweit gilt und in der Richtlinie 2001\/29\/EG festgeschrieben ist. Demnach ist ein Objekt dann als sch\u00fctzenswertes Werk anzusehen, wenn es sich um einen mit hinreichender Genauigkeit und Objektivit\u00e4t identifizierbaren Originalgegenstand handelt, der Ergebnis einer eigenen geistigen Sch\u00f6pfung seines Urhebers ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>LG K\u00f6ln: Schuhe und Sandalen als angewandte Kunst<\/h2>\n<p>Das ist der Grundsatz, der von Skandinavien bis Sizilien gilt. Allerdings behalten die nationalen Gerichte die Beurteilungskompetenz hinsichtlich der urheberrechtlichen Schutzf\u00e4higkeit eines Werks \u2013 ausgehend vom unionsweiten Werkbegriff haben sie im Einzelfall Entscheidungsspielraum. Diesen nutzend hat das LG K\u00f6ln festgestellt, dass Schuhe bzw. Sandalen als Werke der angewandten Kunst nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">\u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 UrhG<\/a> urheberrechtlich gesch\u00fctzt sein k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Kunst: Jenseits der Notwendigkeiten<\/h2>\n<p>Damit urheberrechtlich ein Schuh draus werden konnte, hat sich das Gericht die Artefakte ganz genau angesehen und in der Machart Besonderheiten erkannt, die nicht allein durch technische Erw\u00e4gungen, durch Regeln oder durch andere Zw\u00e4nge bestimmt sind; dann w\u00e4ren Schuhe bzw. Sandalen n\u00e4mlich keine Werke. Die streitgegenst\u00e4ndlichen Objekte jedoch zeigten, so die K\u00f6lner Richter, kreative Elemente, die auch die n\u00f6tige Eigenheit gegen\u00fcber historischen Vorbildern wie etwa alt\u00e4gyptische Sandalen aufwiesen. Damit seien sie als urheberrechtlich sch\u00fctzenswert zu qualifizieren.<\/p>\n<h2>H\u00f6chstrichterliches Grundsatzurteil steht noch aus<\/h2>\n<p>Das Urteil des LG K\u00f6ln ist eines, das den vorliegenden Einzelfall w\u00fcrdigt und dabei zu dem Ergebnis kommt, die betreffenden Schuhe bzw. Sandalen seien unter die Bestimmung des europ\u00e4ischen Werkbegriffs zu fassen. Allerdings ist die <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheberrecht-2\/\">urheberrechtliche<\/a> Schutzf\u00e4higkeit eines Werkes aus dem Bereich der angewandten Kunst noch nicht h\u00f6chstrichterlich entschieden worden. Ein solches Grundsatzurteil g\u00e4be allen Beteiligten Orientierung und tr\u00fcge zur Rechtssicherheit bei.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass auch Schuhe und Sandalen Werke sein k\u00f6nnen, die urheberrechtlich zu sch\u00fctzen sind, hat das Landgericht K\u00f6ln entschieden (LG K\u00f6ln, Urteil v. 3.3.2022, Az.: 14 O 366\/21). Die dabei beantwortete Kernfrage lautet: Was macht einen Alltagsgegenstand zu einem Kunstwerk? 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