{"id":60823,"date":"2022-04-07T07:14:59","date_gmt":"2022-04-07T05:14:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=60823"},"modified":"2022-04-05T05:15:24","modified_gmt":"2022-04-05T03:15:24","slug":"kein-fliegender-gerichtsstand-e-mail-werbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/kein-fliegender-gerichtsstand-e-mail-werbung\/","title":{"rendered":"OLG D\u00fcsseldorf: Kein fliegender Gerichtsstand bei E-Mail-Werbung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_60824\" aria-describedby=\"caption-attachment-60824\" style=\"width: 569px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-60824 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/gerichtsstand-e-mail-werbung-625x414.jpeg\" alt=\"Gerichtsstand E-Mail-Werbung\" width=\"569\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/gerichtsstand-e-mail-werbung-625x414.jpeg 625w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/gerichtsstand-e-mail-werbung-620x410.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/gerichtsstand-e-mail-werbung-313x207.jpeg 313w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/gerichtsstand-e-mail-werbung-768x508.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/gerichtsstand-e-mail-werbung-1536x1017.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/gerichtsstand-e-mail-werbung-2048x1356.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 569px) 100vw, 569px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-60824\" class=\"wp-caption-text\">Andrii Yalanskyi &#8211; stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Gilt bei E-Mail-<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/irrefuehrende-werbung-schadensersatz\/\">Werbung<\/a> der fliegende Gerichtsstand? Das Oberlandesgericht hat entschieden: \u00a7 <\/i><i>14<\/i><i> Abs. 2 Satz 3 Nr. 1 des <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/\">Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)<\/a> erfasst keine Handlungen, die durch Zusendung einer individuellen Werbemail begangen werden (OLG D\u00fcsseldorf, Urteil v. 27.01.2022, Az. <\/i><a href=\"https:\/\/medien-internet-und-recht.de\/volltext.php?mir_dok_id=3162\"><i>I-20 U 105\/21<\/i><\/a><i>).<\/i><\/p>\n<p>Das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf hatte sich mit der Frage zu befassen, ob <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/14.html\" title=\"&sect; 14 UWG: Sachliche und &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit; Verordnungserm&auml;chtigung\">\u00a7 14 Abs. 2 S. 3 UWG<\/a> etwa in F\u00e4llen des Versands von E-Mail-Spam Anwendung findet. Die Frage war also, ob der Versand einer Werbe-E-Mail unter die Definition von Telemedien f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Bei Rechtsstreitigkeiten, bei denen ein Anspruch aus dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb geltend gemacht wird, sind die Landgerichte ausschlie\u00dflich zust\u00e4ndig. Zust\u00e4ndig ist das Gericht, in dessen Bezirk der Beklagte seinen allgemeinen Gerichtsstand hat. Au\u00dferdem ist grunds\u00e4tzlich das Gericht zust\u00e4ndig, in dessen Bezirk die UWG-Zuwiderhandlung begangen wurde. Dies gilt allerdings nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/14.html\" title=\"&sect; 14 UWG: Sachliche und &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit; Verordnungserm&auml;chtigung\">\u00a7 14 Abs. 2 S. 3 UWG<\/a> dann nicht, wenn es um eine Zuwiderhandlung im elektronischen Gesch\u00e4ftsverkehr oder in Telemedien geht.<\/p>\n<h2>Legaldefinition des Telemediengesetzes nicht abschlie\u00dfend<\/h2>\n<p>Telemedien sind nach der Legaldefinition des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TMG\/1.html\" title=\"&sect; 1 TMG: Anwendungsbereich\">\u00a7 1 Telemediengesetz (TMG<\/a>) \u201ealle elektronischen Informations- und Kommunikationsdienste, soweit sie nicht Telekommunikationsdienste nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/3.html\" title=\"&sect; 3 TKG: Begriffsbestimmungen\">\u00a7 3 Nummer 61<\/a> des Telekommunikationsgesetzes, telekommunikationsgest\u00fctzte Dienste nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/3.html\" title=\"&sect; 3 TKG: Begriffsbestimmungen\">\u00a7 3 Nummer 63<\/a> des Telekommunikationsgesetzes oder Rundfunk nach \u00a7 2 des Rundfunkstaatsvertrages sind\u201c.<\/p>\n<p>Wie das OLG D\u00fcsseldorf im Leitsatz seines Urteils ausf\u00fchrt, ist unklar, was im Einzelnen unter die Legaldefinition f\u00e4llt. Einen Katalog mit Regelbeispielen enthalte <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TMG\/1.html\" title=\"&sect; 1 TMG: Anwendungsbereich\">\u00a7 1 TMG<\/a> nicht. Typische Anwendungsf\u00e4lle von Informations- und Kommunikationsdiensten, die als Telemedien zu qualifizieren sind, liste allerdings der Entwurf eines Gesetzes zur Vereinheitlichung von Vorschriften \u00fcber bestimmte elektronische Informations- und Kommunikationsdienste (Elektronischer-Gesch\u00e4ftsverkehr-Vereinheitlichungsgesetz, EIGVG) auf (BT-Drs. <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/16\/030\/1603078.pdf\">16\/3078<\/a>). Dieser k\u00f6nne entnommen werden, dass es sich bei der kommerziellen \u201eVerbreitung von Informationen \u00fcber Waren-\/Dienstleistungsangebote mit elektronischer Post (z. B. Werbe-Mails)\u201c ebenfalls um Telemedien handelt.<\/p>\n<h2>Teleologische Reduktion: E-Mail-Zuwiderhandlung f\u00e4llt nicht unter \u201eTelemedium\u201c<\/h2>\n<p>Das OLG D\u00fcsseldorf argumentiert in seiner Entscheidung, dass sich E-Mails nur an einen bestimmten Empf\u00e4ngerkreis richten. Sie k\u00f6nnen also nicht, wie zum Beispiel Online-Angeboten, von jedermann und von \u00fcberall abgerufen werden. Auch Telefon- und Faxwerbung, die jeweils nur an einem Ort empfangen wird, falle unzweifelhaft nicht unter den Begriff \u201eTelemedium\u201c, so das Urteil.<\/p>\n<h2>Kein fliegender Gerichtsstand<\/h2>\n<p>Anders als bei Telemedien w\u00fcrden Empf\u00e4nger einer Werbe-E-Mail oder Mitbewerber auch nicht ohne weiteres erkennen, an welche anderen Empf\u00e4nger sich diese richtete. Deshalb st\u00fcnden einem Antragsteller in einer solchen Sache auch nicht von vornherein eine Vielzahl an Gerichtsst\u00e4nden offen. All dies rechtfertige eine teleologische Reduktion dahingehend, dass Zuwiderhandlungen in oder mittels E-Mail nicht unter den Begriff des \u201eTelemediums\u201c im Sinne des \u00a7 <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/14.html\">14<\/a> Abs. 2 Satz 3 UWG fallen. Die Vorschrift des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/14.html\" title=\"&sect; 14 UWG: Sachliche und &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit; Verordnungserm&auml;chtigung\">\u00a7 14 Abs. 2 S. 3 Nr. 1 UWG<\/a> erfasst keine Handlungen, die durch die Zusendung einer individuellen E-Mail oder deren Inhalt begangen werden.<\/p>\n<p>Durch das im November 2020 in Kraft getretene \u201eAnti-Abmahn-Gesetz\u201c wurde das UWG ge\u00e4ndert und auch der sogenannte fliegende Gerichtsstand eingeschr\u00e4nkt. H\u00e4tte das OLG D\u00fcsseldorf anders entschieden, h\u00e4tte dies die j\u00fcngere Tendenz des Gesetzgebers, der den fliegenden Gerichtsstand eher einschr\u00e4nken will, konterkariert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gilt bei E-Mail-Werbung der fliegende Gerichtsstand? Das Oberlandesgericht hat entschieden: \u00a7 14 Abs. 2 Satz 3 Nr. 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) erfasst keine Handlungen, die durch Zusendung einer individuellen Werbemail begangen werden (OLG D\u00fcsseldorf, Urteil v. 27.01.2022, Az. I-20 U 105\/21). 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