{"id":60620,"date":"2022-03-03T07:20:34","date_gmt":"2022-03-03T05:20:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=60620"},"modified":"2022-03-02T03:22:19","modified_gmt":"2022-03-02T01:22:19","slug":"werbe-regeln-ioc-dosb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/werbe-regeln-ioc-dosb\/","title":{"rendered":"Kleben und kleben lassen? &#8211; Werbe-Regeln von IOC und DOSB"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_60621\" aria-describedby=\"caption-attachment-60621\" style=\"width: 521px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-60621 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/werbe-regeln-ioc-622x414.jpeg\" alt=\"Werbe-Regeln IOC\" width=\"521\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/werbe-regeln-ioc-622x414.jpeg 622w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/werbe-regeln-ioc-620x413.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/werbe-regeln-ioc-311x207.jpeg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/werbe-regeln-ioc-768x511.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/werbe-regeln-ioc-1536x1022.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/werbe-regeln-ioc-2048x1363.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 521px) 100vw, 521px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-60621\" class=\"wp-caption-text\">lazyllama &#8211; stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Ich verrate Ihnen nichts Neues: Olympische Spiele sind mehr als eine Sportveranstaltung. Das waren sie immer schon. In der Antike ein Fest f\u00fcr die G\u00f6tter Griechenlands, das die Zeitrechnung bestimmte \u2013 eine Olympiade war der Zeitraum zwischen zwei Spielen \u2013, verehrt Olympia heute den G\u00f6tzen Mammon. Die Olympischen Spiele der Moderne sind von \u00f6konomischen Interessen \u00fcberlagert, sp\u00e4testens, seit Peter Ueberroth 1984 in Los Angeles die ersten ausschlie\u00dflich privat finanzierten Spiele zu einem gigantischen wirtschaftlichen Erfolg f\u00fchrte.<\/em><\/p>\n<h2>Der Rubel soll rollen<\/h2>\n<p>Das Internationale Olympische Komitee (IOC) tut alles, damit der Rubel rollt. Fernseh- und Sponsorengelder stehen dabei im Fokus. Das IOC und auch der DOSB \u00fcberlassen dabei nichts dem Zufall. So regelt die ehrw\u00fcrdige Olympische Charta, die sonst von V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und dem Frieden in der Welt spricht, in Regel 40, Absatz 3 das Vermarktungsmonopol: \u201eKein Wettkampfteilnehmer, Trainer, Betreuer oder Funktion\u00e4r darf seine Person, seinen Namen, sein Bild oder seine sportliche Leistung f\u00fcr Werbezwecke w\u00e4hrend der Olympischen Spiele einsetzen, au\u00dfer dies wurde vom IOC genehmigt\u201c.<\/p>\n<h2>Verh\u00e4ngnisvolles Klebeband<\/h2>\n<p>Die Vermarkungsm\u00f6glichkeiten der Olympioniken liegen damit in der Hand des IOC. In der Praxis f\u00fchrt das dazu, dass Athletinnen und Athleten bei ihren Wettk\u00e4mpfen die Logos ihrer Ausr\u00fcster und pers\u00f6nlichen Sponsoren unkenntlich machen m\u00fcssen, \u00fcblicherweise durch \u00dcberkleben mit handels\u00fcblichem Klebeband. Das Monopolstreben des IOC treibt dabei bisweilen bizarre Bl\u00fcten. So wurde die \u00f6sterreichische Skispringerin Sophie Sorschag bei den Winterspielen in Peking disqualifiziert, weil sie durch das Abkleben der Werbung auf ihrem Sprunganzug zwar brav der Regel 40.3 nachkam, zugleich aber gegen eine Regel ihrer Sportart verstie\u00df \u2013 das Klebeband verringere die Luftdurchl\u00e4ssigkeit des Anzuges, was ihr einen Vorteil verschaffe, so die Skisprung-Jury.<\/p>\n<h2>Die olympischen Werbe-Regeln sind unfair&#8230;<\/h2>\n<p>Die Causa Sorschlag ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie IOC-Interessen und die Fairness kollidieren, zumal die Athletin doppelt abgestraft wurde: einmal wirtschaftlich (Werbeverbot), einmal sportlich (Disqualifikation). Im Hinblick auf Regel 40.3 verlieren grunds\u00e4tzlich alle Sportlerinnen und Sportler, weil und soweit sie sich bei Olympia in Sachen Werbung dem Monopolisten unterwerfen m\u00fcssen und dabei finanzielle Einbu\u00dfen hinnehmen m\u00fcssen. Gerade f\u00fcr diejenigen, die sonst nicht so im Mittelpunkt des Medieninteresses stehen und nur alle vier Jahre die n\u00f6tige \u201escreen-time\u201c bekommen, ist das bitter.<\/p>\n<h2>\u2026und wettbewerbswidrig<\/h2>\n<p>Dabei ist die einschl\u00e4gige Charta-Norm nicht nur unfair, sondern auch rechtswidrig. Das Bundeskartellamt hat sich eingeschaltet und bereits vor drei Jahren gegen die Monopolisten DOSB und IOC geurteilt. Die Regel 40 stelle einen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung dar und sei somit <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/\">wettbewerbswidrig<\/a>. Die Sportspitzenverb\u00e4nde verpflichteten sich daraufhin zur \u00c4nderung ihrer Regeln in Bezug auf die M\u00f6glichkeiten pers\u00f6nlicher <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/irrefuehrende-werbung-schadensersatz\/\">Werbung<\/a> bei Olympia \u2013 f\u00fcr deutsche Sportlerinnen und Sportler. Bleibt zu hoffen, dass es irgendwann f\u00fcr alle leichter wird, ihre Sponsoren bei den Spielen ins Spiel zu bringen. Damit auch f\u00fcr weniger bekannte Olympioniken in den Randsportarten Dabeisein am Ende nicht alles ist.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verrate Ihnen nichts Neues: Olympische Spiele sind mehr als eine Sportveranstaltung. Das waren sie immer schon. In der Antike ein Fest f\u00fcr die G\u00f6tter Griechenlands, das die Zeitrechnung bestimmte \u2013 eine Olympiade war der Zeitraum zwischen zwei Spielen \u2013, verehrt Olympia heute den G\u00f6tzen Mammon. 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