{"id":60411,"date":"2022-02-01T07:31:32","date_gmt":"2022-02-01T05:31:32","guid":{"rendered":"\/?p=60411"},"modified":"2022-01-31T04:49:03","modified_gmt":"2022-01-31T02:49:03","slug":"werbung-doppelgaenger-loew","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/werbung-doppelgaenger-loew\/","title":{"rendered":"LG K\u00f6ln: Werbung mit Jogi L\u00f6w-Doppelg\u00e4nger war rechtswidrig"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_60413\" aria-describedby=\"caption-attachment-60413\" style=\"width: 548px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-60413 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/werbung-doppelgaenger-loew-621x414.jpeg\" alt=\"Werbung Doppelg\u00e4nger L\u00f6w\" width=\"548\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/werbung-doppelgaenger-loew-621x414.jpeg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/werbung-doppelgaenger-loew-620x413.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/werbung-doppelgaenger-loew-310x207.jpeg 310w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/werbung-doppelgaenger-loew-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/werbung-doppelgaenger-loew-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/werbung-doppelgaenger-loew-2048x1366.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 548px) 100vw, 548px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-60413\" class=\"wp-caption-text\">Esther Hildebrandt &#8211; stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Das LG K\u00f6ln hat entschieden, dass Werbung mit einem Jogi L\u00f6w-Doppelg\u00e4nger das allgemeine <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\/\">Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/a> und das Recht am eigenen Bild des ehemaligen Fu\u00dfball-Bundestrainers verletzt<\/em>. <em>Der Verf\u00fcgungsanspruch ergibt sich aus \u00a7\u00a7 1004 Abs. 1 analog, 823 Abs. 2 BGB i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/KunstUrhG\/22.html\" title=\"&sect; 22 KunstUrhG\">\u00a7\u00a7 22<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/KunstUrhG\/23.html\" title=\"&sect; 23 KunstUrhG\">23 KUG<\/a> sowie aus \u00a7\u00a7 1004 Abs. 1 analog, 823 Abs. 1 BGB i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" title=\"Art. 2 GG\">Artikel 2 Abs. 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" title=\"Art. 1 GG\">Artikel 1 Abs. 1 GG<\/a>. ( LG K\u00f6ln, Beschluss v. 1.06.2021,\u00a0 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=28%20O%20218\/21\" title=\"28 O 218\/21 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">28 O 218\/21<\/a>) <\/em><\/p>\n<h2>Antrag auf Erlass der einstweiligen Verf\u00fcgung zul\u00e4ssig und begr\u00fcndet<\/h2>\n<p>Der Entscheidung des LG K\u00f6ln lag der folgende Sachverhalt zugrunde: In einem ca. 40-Sekunden langen Werbeclip zu dem Motto &#8220;Einer f\u00fcr Alles. Alles f\u00fcr g\u00fcnstig&#8221; trat ein Double des Antragsstellers auf und warb auf diese Weise f\u00fcr die in den Discountern angebotenen Produkte der Marke \u201eNetto\u201c. Der Antragsteller ging im einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahren gegen die Antragsgegnerin vor. Mit Erfolg : Das Gericht gab dem Antrag auf Erlass der einstweiligen Verf\u00fcgung statt.<\/p>\n<p>Nach Ansicht des LG K\u00f6ln beinhalteten die Werbefilme der Beklagten ein Bildnis des Antragstellers im Sinne des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/KunstUrhG\/22.html\" title=\"&sect; 22 KunstUrhG\">\u00a7 22 KUG<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Bildnis ist die erkennbare Wiedergabe des \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbildes einer Person, wobei es ausreicht, wenn die Erkennbarkeit f\u00fcr einen mehr oder minder gro\u00dfen Personenkreis gegeben ist, den der Betroffene nicht mehr ohne weiteres selbst unterrichten kann. Sofern eine Identifizierung \u00fcber die abgebildeten Gesichtsz\u00fcge nicht m\u00f6glich ist, kann es auch ausreichend sein, wenn die Person durch andere in dem Bild enthaltenen Merkmale, durch den begleitenden Text oder im Zusammenhang mit fr\u00fcheren Ver\u00f6ffentlichungen erkennbar ist.<\/p>\n<p>Ein Bildnis eines Prominenten kann auch dann vorliegen, wenn durch einen &#8220;Doppelg\u00e4nger&#8221; der Eindruck erweckt wird, es handele sich um die Person des Prominenten selbst. Hierzu hat der BGH in der Entscheidung &#8220;Blauer Engel&#8221; ausgef\u00fchrt, dass ein Bildnis von Marlene Dietrich vorliege, obwohl die Schauspielerin, die eine ber\u00fchmte Filmszene aus dem Film &#8220;Der blaue Engel&#8221; nachstellte, dieser nicht \u00e4hnlich sah. Allerdings betonte der BGH damals, dass das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild von Marlene Dietrich in diesem Film nachgeahmt werde und damit der Eindruck erweckt werde, es handele sich um Marlene Dietrich (BGH <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=NJW%202000,%202201\" title=\"BGH, 01.12.1999 - I ZR 226\/97: Der blaue Engel; Abbildung eines Doppelg&auml;ngers als Bildnis einer...\">NJW 2000, 2201<\/a>).<\/p>\n<h2>Werbewert des Kl\u00e4gers wird \u201efruchtbar\u201c gemacht<\/h2>\n<p>Unter Anwendung dieser Grunds\u00e4tze sei auch im vorliegenden Fall das Vorliegen eines Bildnisses des Antragsstellers zu bejahen. Auf den Grad der \u00c4hnlichkeit der beiden Personen und somit auf die von der Antragsgegnerin im Einzelnen aufgef\u00fchrten Unterschiede im \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild beider als auch hinsichtlich ihrer Sprachgewohnheiten komme es im Ergebnis nicht an. Denn der Antragsgegnerin gehe es gerade darum, den Werbewert des Kl\u00e4gers durch die Erregung von Aufmerksamkeit f\u00fcr die angebotenen Waren \u201efruchtbar zu machen\u201c.<\/p>\n<p>Hierf\u00fcr reiche es aus, wenn durch eine auf den ersten Blick gegebene \u00c4hnlichkeit beider Personen die &#8211; wenn auch u.U. nur fl\u00fcchtige &#8211; Vorstellung erzeugt wird, bei der gezeigten Person handele es sich um den prominenten Antragsteller. Dementsprechend komme es auch nicht darauf an, ob bei dem Betrachter letztlich Zweifel verbleiben, so die Richter in ihrer Urteilsbegr\u00fcndung.<\/p>\n<h2>Fl\u00fcchtige Vorstellung gen\u00fcgt bei einem Werbeclip<\/h2>\n<p>Soweit der Bundesgerichtshof eine Darstellung durch eine andere Person erst dann als Bildnis der dargestellten Person ansieht, &#8220;wenn der t\u00e4uschend echte Eindruck erweckt wird, es handele sich um die dargestellte Person selbst, wie dies etwa bei dem Einsatz eines Doppelg\u00e4ngers oder einer nachgestellten ber\u00fchmten Szene oder Fotographie der Fall sein kann&#8221; (BGH, Urteil v. 18.5.2021, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20441\/19\" title=\"BGH, 18.05.2021 - VI ZR 441\/19: Unterlassungsklage gegen die weitere Verbreitung von Szenen aus...\">VI ZR 441\/19<\/a> &#8211; Film \u00fcber Odenwaldschule), stehe dies dem von der Kammer gefundenen Ergebnis nicht entgegen, betonte das LG K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Denn im Falle eines Spielfilmes mag es darauf ankommen, ob im Ergebnis die T\u00e4uschung \u00fcber die Identit\u00e4t beider Personen aufrecht erhalten bleibt. Geht es dagegen wie im vorliegenden Fall allein um die Erregung von Aufmerksamkeit durch das Auftreten eines Doppelg\u00e4ngers, ist nach Auffassung der Kammer ein Bildnis des Dargestellten schon dann anzunehmen, wenn durch die auf den ersten Blick gegebene \u00c4hnlichkeit beider Personen die (wenn auch nur vor\u00fcbergehende) Vorstellung entstehe, es handele sich um den dargestellten Prominenten selbst. Dies bejahte das LG K\u00f6ln f\u00fcr den vorliegenden Fall und erkl\u00e4rte, dass dies auch unzweifelhaft der Intention der Antragsgegnerin entspreche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das LG K\u00f6ln hat entschieden, dass Werbung mit einem Jogi L\u00f6w-Doppelg\u00e4nger das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht und das Recht am eigenen Bild des ehemaligen Fu\u00dfball-Bundestrainers verletzt. 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[&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":93,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[13,15],"tags":[12,594,19284],"class_list":["post-60411","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","category-wettbewerbsrecht-kartellrecht","tag-personlichkeitsrecht","tag-jogi-low","tag-werbung-mit-doppelgaenger","topic_category-medienrecht-persoenlichkeitsrecht","topic_category-wettbewerbsrecht-kartellrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/93"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60411"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60411\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}