{"id":59836,"date":"2021-11-22T14:15:45","date_gmt":"2021-11-22T12:15:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=59836"},"modified":"2021-11-22T01:17:47","modified_gmt":"2021-11-21T23:17:47","slug":"anti-cheat-datenschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/datenschutzrecht\/anti-cheat-datenschutz\/","title":{"rendered":"Anti-Cheat und Datenschutz: Zur Rechtslage bei Online-Multiplayer-Spielen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_59837\" aria-describedby=\"caption-attachment-59837\" style=\"width: 561px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-59837 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/datenschutz-anti-cheating-software-621x414.jpg\" alt=\"Datenschutz Anti-Cheating-Software\" width=\"561\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/datenschutz-anti-cheating-software-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/datenschutz-anti-cheating-software-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/datenschutz-anti-cheating-software-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/datenschutz-anti-cheating-software-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/datenschutz-anti-cheating-software-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/datenschutz-anti-cheating-software-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 561px) 100vw, 561px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-59837\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@florianolv?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Florian Olivo<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/gaming?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Online-Spiele erfreuen sich immer mehr Beliebtheit. Inzwischen existiert sogar schon Software, die das Mogeln beim Spielen, sogenanntes Cheaten, erkennt. <\/em><\/p>\n<p><em>Der folgende Beitrag erl\u00e4utert, wie Anti-Cheat-Mechanismen aus <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/datenschutzrecht\/\">Datenschutzsicht<\/a> zu bewerten sind.<\/em><\/p>\n<p>Multiplayer-Spiele sind Spiele, die von mehreren Spielerinnen und Spielern gleichzeitig gespielt werden. Es kann sowohl miteinander als auch gegeneinander gedaddelt werden. In der Regel erfolgt die Vernetzung der weltweit verstreuten Spieler in Echtzeit \u00fcber das Internet. Bekannte Spiele auf diesem Gebiet sind das Rollenspiel \u201eWorld of Warcraft\u201c, das Kriegsspiel \u201eCall of Duty: Warzone\u201c, das Shooter-Game Fortnite oder das MOBA <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/e-sportrecht\/lhr-tempered-fate-hauptsponsor\/\">League of Legends<\/a>.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist eine vollst\u00e4ndige \u00d6konomie um die Spiele herum gewachsen. Da wird es immer lukrativer, dem Spielerfolg ein bisschen nachzuhelfen. Sogenanntes Cheaten ist sowohl f\u00fcr andere Mitspieler als auch f\u00fcr den Spielehersteller nicht immer leicht erkennbar. So gibt es beispielsweise f\u00fcr das Online-Battlegame \u201eLeague of Legends\u201c nicht nur Schummelskripte, sondern auch Hacks und Cheats, die im Netz kursieren.<\/p>\n<h2>Anti-Cheat-Software kommt zum Einsatz<\/h2>\n<p>Zum Einsatz kommen bei Spielern sogenannte Cheat-Bots oder Cheat-Software. Diese erlauben, ein Spiel in einer nicht dem gew\u00f6hnlichen Spielverlauf entsprechenden Weise zu beeinflussen. So k\u00f6nnen zum Beispiel Abschnitte \u00fcbersprungen werden oder ein Spieler erh\u00e4lt mehr Lebensenergie, Geld, Munition oder \u00e4hnliches. Im Fall von Bots t\u00e4tigt ein Roboter automatisch simulierte Tastatureingaben oder Mausbewegungen.<\/p>\n<p>Allerdings haben Spieleanbieter mittlerweile Software entwickelt, die Cheaten erkennen kann. Im Mai wurden <a href=\"https:\/\/www.eurogamer.net\/articles\/2021-05-16-500-000-cheaters-have-been-banned-from-call-of-duty-warzone\">\u00fcber eine halbe Million Call-of-Duty-Accounts aus dem Spiel verbannt<\/a>. Die Software analysiert die Daten von Spielern, um zu erkennen, ob Cheat-Software eingesetzt wird.<\/p>\n<h2>Wie ist die Rechtslage?<\/h2>\n<p>Damit es sich um eine zul\u00e4ssige Datenverarbeitung handelt, m\u00fcssen die Voraussetzungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingehalten werden.<\/p>\n<p>In Betracht kommt bei der Nutzung der Daten eine Einwilligung nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO<\/a>. Danach ist eine Verarbeitung nur rechtm\u00e4\u00dfig, wenn etwa die betroffene Person \u201eihre Einwilligung zu der Verarbeitung der sie betreffenden personenbezogenen Daten f\u00fcr einen oder mehrere bestimmte Zwecke gegeben\u201c hat. Mit guten Argumenten kann die Auffassung vertreten werden, dass die Datenverarbeitung im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO<\/a> \u201ef\u00fcr die Erf\u00fcllung eines Vertrags, dessen Vertragspartei die betroffene Person ist\u201c erforderlich ist. Denn der Spieleanbieter hat sich auch gegen\u00fcber dem einzelnen User verpflichtet, ihm kein Spiel zu verkaufen, welches voll von Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten ist. Fairer Wettbewerb und dessen Erm\u00f6glichung d\u00fcrfte auch eine Aufgabe eines Spieleherstellers sein.<\/p>\n<h2>Wahrnehmung berechtigter Interessen<\/h2>\n<p>Eine Einwilligung nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 DSGVO<\/a> k\u00e4me dort nicht in Betracht, wo Anti-Cheat-Software ohne Wissen oder Zustimmung des Betroffenen erfolgt und personenbezogenen Daten verarbeitet werden. Im User Agreement von Electronic Arts hei\u00dft es etwa: \u201eEA nutzt Technologien, um Cheaten zu erkennen und zu verhindern\u2026in\u2026EA Games\u201c.<\/p>\n<p>Eine Datenverarbeitung kann allerdings nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO<\/a> rechtm\u00e4\u00dfig sein, wenn die Verarbeitung \u201ezur Wahrung der berechtigten Interessen des Verantwortlichen\u201c erforderlich ist. Es stellt zweifelsohne ein berechtigtes Interesse eines Spiele(plattform)anbieters dar, Cheaten einzud\u00e4mmen, da die Mogelei Regeln aushebelt, anderen Spielern Erfolgschancen und Spielspa\u00df nimmt und dies Einfluss auf die Vermarktungs- und Refinanzierungsm\u00f6glichkeiten des Spiels hat. Problematischer wird es, wenn der Spieler minderj\u00e4hrig und nicht selbst gesch\u00e4ftsf\u00e4hig ist. Dann stellt sich auch die Frage einer wirksamen Einwilligung in die Spiele-AGB.<\/p>\n<h2>Technischer und organisatorischer Datenschutz<\/h2>\n<p>In jedem Fall ist es erforderlich, dass ein Spieleanbieter personenbezogene Daten, die er im Zusammenhang mit einer Anti-Cheat-Software erhebt und verarbeitet, in sicherer Weise, die dem Stand der Technik entspricht, speichert. Der Kreis der Personen, die Zugriff auf die Daten haben, muss begrenzt sein. Die Speicherdauer muss festgelegt sein, Daten sollten nur so lange gespeichert werden wie unbedingt erforderlich und so schnell gel\u00f6scht werden wie m\u00f6glich.<\/p>\n<h2>Generelles Verbot automatisierter Entscheidung<\/h2>\n<p>Anti-Cheat-Software kann, wenn sie Cheaten erkennt, automatisiert Entscheidungen treffen. Es gibt auch zus\u00e4tzlcihe Systeme, bei denen Spieler andere Spieler bei auff\u00e4lligem Verhalten melden k\u00f6nnen und dann eine Untersuchung eingeleitet wird. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/22.html\" title=\"Art. 22 DSGVO: Automatisierte Entscheidungen im Einzelfall einschlie&szlig;lich Profiling\">Art. 22 Abs. 1 DSGVO<\/a> setzt automatisierten Entscheidungen jedoch strenge Grenzen. So hat betroffene Person \u201edas Recht, nicht einer ausschlie\u00dflich auf einer automatisierten Verarbeitung \u2013 einschlie\u00dflich Profiling \u2013 beruhenden Entscheidung unterworfen zu werden, die ihr gegen\u00fcber rechtliche Wirkung entfaltet oder sie in \u00e4hnlicher Weise erheblich beeintr\u00e4chtigt\u201c. Wird jemand ohne menschliches Zutun durch eine Entscheidung einer Anti-Cheat-Software aus einem Spiel verbannt, liegt darin jedoch eine automatisierte Entscheidung. Deshalb muss immer auch ein Mensch an einer solchen Entscheidung beteiligt sein. Dem Menschen, der ein Mindestma\u00df an fachlicher Qualifikation f\u00fcr die anstehende Aufgabe mitbringen muss, muss immer noch ein gewisser Entscheidungsspielraum zustehen, die Person darf eine automatisierte maschinelle Entscheidung nicht einfach nur pro forma \u201eabnicken\u201c. H\u00e4ufig werden Ticketsysteme benutzt, bei denen Spieler nicht dauerhaft gesperrt werden, sondern auf eine Sperre nochmals reagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Anders liegt der Fall, wenn einer der in Art. 22 Abs. 2 genannten Ausnahmef\u00e4lle vorliegt. Demnach gilt die Einschr\u00e4nkung des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/22.html\" title=\"Art. 22 DSGVO: Automatisierte Entscheidungen im Einzelfall einschlie&szlig;lich Profiling\">Art. 22 Abs. 1 DSGVO<\/a> n\u00e4mlich etwa dann nicht, wenn die Entscheidung f\u00fcr den Abschluss oder die Erf\u00fcllung eines Vertrags erforderlich ist oder mit ausdr\u00fccklicher Einwilligung der betroffenen Person erfolgt. Wenn ein Spieler eine automatisierte Entscheidung selbst best\u00e4tigt oder annimmt, ist keine automatisierte Entscheidung mehr gegeben.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich stehen Betroffenen nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/15.html\" title=\"Art. 15 DSGVO: Auskunftsrecht der betroffenen Person\">Art. 15 DSGVO<\/a> Auskunftsrechte zu. Ein Problem entsteht dort, wo das Recht zur Auskunft \u00fcber Daten nur dazu genutzt wird, um Wissen in Erfahrung zu bringen, welches helfen soll, Anti-Cheat-Software zu umgehen. Die Rechtsprechung hat dem DSGVO-Auskunftsrecht einen Riegel vorgeschoben, wo es vorwiegend nur um die Verfolgung von Interessen geht, <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/datenschutzrecht\/rechtsmissbrauch-dsgvo-auskunft\/\">die den Datenschutz nichtber\u00fchren<\/a>. Die Geltendmachung eines Auskunftsanspruchs nach der DSGVO ist demnach rechtsmissbr\u00e4uchlich, wenn damit Ziele verfolgt werden, die au\u00dferhalb des Datenschutzes liegen. Ein Spieleanbieter ist dar\u00fcber hinaus nicht verpflichtet, im Rahmen eines DSGVO-Auskunftsersuchens Betriebs- oder Gesch\u00e4ftsgeheimnisse preiszugeben.<\/p>\n<p><em>Rechtsanw\u00e4lte Lampmann, Haberkamm &amp; Rosenbaum Partnerschaft ber\u00e4t Vereine und <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/beratung-von-profi-sportvereinen-und-profi-sportlern\/\">Profi-Sportler im E-Sport<\/a>. Z\u00f6gern Sie nicht, unsere Expertise in Anspruch zu nehmen, falls Sie ein juristisches Problem im Bereich <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/e-sport\/\">E-Sport<\/a> haben. Wir helfen Ihnen gerne.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Online-Spiele erfreuen sich immer mehr Beliebtheit. Inzwischen existiert sogar schon Software, die das Mogeln beim Spielen, sogenanntes Cheaten, erkennt. Der folgende Beitrag erl\u00e4utert, wie Anti-Cheat-Mechanismen aus Datenschutzsicht zu bewerten sind. 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