{"id":58596,"date":"2021-07-19T13:40:41","date_gmt":"2021-07-19T11:40:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=58596"},"modified":"2021-07-17T00:44:09","modified_gmt":"2021-07-16T22:44:09","slug":"schmerzensgeld-fuer-ungewolltest-foto-in-werbebroschuere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/datenschutzrecht\/schmerzensgeld-fuer-ungewolltest-foto-in-werbebroschuere\/","title":{"rendered":"5.000 \u20ac Schmerzensgeld f\u00fcr ungewolltes Foto in Werbebrosch\u00fcre"},"content":{"rendered":"<div>\n<figure id=\"attachment_58597\" aria-describedby=\"caption-attachment-58597\" style=\"width: 552px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-58597 size-medium\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/schmerzensgeld-ungewolltes-bild-werbebroschuere-552x414.jpg\" alt=\"Schmerzensgeld Bild Werbebrosch\u00fcre\" width=\"552\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/schmerzensgeld-ungewolltes-bild-werbebroschuere-552x414.jpg 552w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/schmerzensgeld-ungewolltes-bild-werbebroschuere-620x465.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/schmerzensgeld-ungewolltes-bild-werbebroschuere-276x207.jpg 276w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/schmerzensgeld-ungewolltes-bild-werbebroschuere-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/schmerzensgeld-ungewolltes-bild-werbebroschuere-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/schmerzensgeld-ungewolltes-bild-werbebroschuere.jpg 1984w\" sizes=\"(max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-58597\" class=\"wp-caption-text\">Photo by <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@claybanks?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Clay Banks<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/cultural?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"Textbody\"><em>Wer in unserer pluralen Gesellschaft gut ankommen will, zeigt sich divers. Das gilt f\u00fcr Unternehmen und Parteien, Verb\u00e4nde und Einrichtungen. <\/em><\/p>\n<p class=\"Textbody\"><em>Das gilt auch, wenn man eine Boy Group zusammenstellen will. <\/em><em>Und nat\u00fcrlich gilt es auch f\u00fcr den Sport. <\/em><\/p>\n<p class=\"Textbody\"><em>Dazu geh\u00f6rt eine entsprechende Au\u00dfendarstellung und zu dieser geh\u00f6ren Bilder, auf denen Menschen erkennbar unterschiedlicher Herkunft zu sehen sind. Die Botschaft: Bei uns ist jede und jeder willkommen. So weit, so gut.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h2 class=\"Textbody\">Unerw\u00fcnschte Reduktion auf die Hautfarbe<\/h2>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Textbody\">Problematisch ist dabei der Aspekt der Reduktion dargestellter Personen auf eben diese (vermeintliche) Herkunft. Nicht jede und jeder will exemplarisch f\u00fcr eine Ethnie in die Kamera l\u00e4cheln. Kann man verstehen. Ein dunkelh\u00e4utiger Fu\u00dfballer m\u00f6chte zun\u00e4chst als Fu\u00dfballer wahrgenommen werden, nicht als dunkelh\u00e4utig. So \u00e4hnlich mag es auch Lehrerinnen gehen, mit oder ohne Kopftuch.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h2 class=\"Textbody\">Keine schriftliche Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rung<\/h2>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Textbody\">Dass dieses Gef\u00fchl nicht tr\u00fcgt, ist nun gerichtsfest erwiesen: Das Arbeitsgericht M\u00fcnster hat einer Frau Schmerzensgeld zugesprochen, weil ein Bild von ihr in einer Werbebrosch\u00fcre ihres Arbeitgebers zur Illustration des Topos \u201ebunte Gesellschaft\u201c \u2013 also in einem blo\u00df auf ihre Hautfarbe bezogenen Zusammenhang \u2013 verwendet wurde. Das geschah gegen den Willen der Frau und entsprechend ohne ihre schriftliche Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rung. Das sei <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/datenschutzrecht\/\">datenschutzrechtlich<\/a> besonders problematisch, hob das Arbeitsgericht hervor (ArbG M\u00fcnster, Urteil vom 25.3.2021, Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=3%20Ca%20391\/20\" title=\"ArbG M&uuml;nster, 25.03.2021 - 3 Ca 391\/20: Schmerzensgeld wegen Fotover&ouml;ffentlichung\">3 Ca 391\/20<\/a>).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h2 class=\"Textbody\">Schmerzensgeld in H\u00f6he eines Monatsgehalts<\/h2>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Textbody\">Die Entsch\u00e4digung ergibt sich nach Auffassung der M\u00fcnsteraner Richter nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/AGG\/15.html\" title=\"&sect; 15 AGG: Entsch&auml;digung und Schadensersatz\">\u00a7 15 AGG<\/a> oder als <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/schadensersatz-und-schmerzensgeld-bei-persoenlichkeitsrechtsverletzungen\/\">Schmerzensgeld<\/a> nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BDSG\/82.html\" title=\"&sect; 82 BDSG: Gegenseitige Amtshilfe\">Art. 82 I BDSG<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/823.html\" title=\"&sect; 823 BGB: Schadensersatzpflicht\">\u00a7 823 BGB<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/KunstUrhG\/22.html\" title=\"&sect; 22 KunstUrhG\">\u00a7 22 KUG<\/a>. Bei der Bemessung der H\u00f6he des Schmerzensgeldanspruchs \u2013 immerhin 5.000 \u20ac \u2013 hat die Kammer das Monatsgehalt der Gesch\u00e4digten zugrunde gelegt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h2 class=\"Quotations\">Nicht f\u00fcrs Aussehen<\/h2>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Textbody\">Die Botschaft aus M\u00fcnster ist eine doppelte: 1. Wer ohne explizite Einwilligung der betroffenen Person ein Bild verwendet, muss tief in die Tasche greifen. 2. Wer die \u201ebunte Gesellschaft\u201c ins rechte Bild setzen will, sollte sich ein Konzept \u00fcberlegen, das keinen Menschen \u2013 welcher Eigenheit auch immer dieser sei \u2013 auf einen bestimmten Aspekt seines Wesens reduziert. Die nun um 5.000 Euro reichere Dame sagt dazu alles N\u00f6tige. Sie hatte n\u00e4mlich nicht nur die ihr vorgelegte Einwilligungserkl\u00e4rung nicht unterschrieben, sondern stattdessen darauf notiert: \u201eNicht f\u00fcr mein Aussehen\u201c.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in unserer pluralen Gesellschaft gut ankommen will, zeigt sich divers. Das gilt f\u00fcr Unternehmen und Parteien, Verb\u00e4nde und Einrichtungen. Das gilt auch, wenn man eine Boy Group zusammenstellen will. Und nat\u00fcrlich gilt es auch f\u00fcr den Sport. 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