{"id":58368,"date":"2021-06-23T19:04:58","date_gmt":"2021-06-23T17:04:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=58368"},"modified":"2021-06-23T19:04:58","modified_gmt":"2021-06-23T17:04:58","slug":"die-auserwaehlten-persoenlichkeitsrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/die-auserwaehlten-persoenlichkeitsrecht\/","title":{"rendered":"BGH: Film \u00fcber Odenwald-Missbrauch verletzt keine Pers\u00f6nlichkeitsrechte"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_58369\" aria-describedby=\"caption-attachment-58369\" style=\"width: 507px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-58369\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/die-auserwaehlten-persoenlichkeitsrecht-620x414.jpeg\" alt=\"Die Auserw\u00e4hlten Pers\u00f6nlichkeitsrecht\" width=\"507\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/die-auserwaehlten-persoenlichkeitsrecht-620x414.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/die-auserwaehlten-persoenlichkeitsrecht-310x207.jpeg 310w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/die-auserwaehlten-persoenlichkeitsrecht-768x513.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/die-auserwaehlten-persoenlichkeitsrecht-1536x1026.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/die-auserwaehlten-persoenlichkeitsrecht-2048x1367.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-58369\" class=\"wp-caption-text\">yupachingping &#8211; stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Der Film \u201eDie Auserw\u00e4hlten\u201c, in dem es um Missbrauch an der Odenwaldschule geht, verst\u00f6\u00dft nicht gegen Pers\u00f6nlichkeitsrechte. Der BGH wies die Klage eines Betroffenen ab (BGH, Urteil v. 18.05.2021, Az. <\/em><em><a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20441\/19\" title=\"BGH, 18.05.2021 - VI ZR 441\/19: Unterlassungsklage gegen die weitere Verbreitung von Szenen aus...\">VI ZR 441\/19<\/a><\/em><em>).<\/em><\/p>\n<p><em>Der Kl\u00e4ger war Sch\u00fcler der Odenwaldschule, wo er \u00fcber mehrere Jahre sexuell missbraucht wurde. Er machte seit Jahren auf das Missbrauchsgeschehen aufmerksam und ver\u00f6ffentlichte ein Buch, in dem er die Geschehnisse schilderte. Ein Pseudonym legte er im Jahr 2012 anl\u00e4sslich einer Preisverleihung ab. Au\u00dferdem wirkte er an Pressever\u00f6ffentlichungen, einem Dokumentarfilm und dem von der Beklagten produzierten und 2014 von der ARD ausgestrahlten Spielfilm \u201eDie Auserw\u00e4hlten\u201c mit. Darin ist der Kl\u00e4ger als Vorbild f\u00fcr die zentrale Filmfigur zu erkennen. Der Kl\u00e4ger, der eine Mitwirkung an dem Film im Vorfeld abgelehnt hatte, hielt dies f\u00fcr einen unzul\u00e4ssigen Eingriff in sein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\/\">Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/a> und begehrte Unterlassung der weiteren Verbreitung.<\/em><\/p>\n<h2>Keine Verletzung des Rechts am eigenen Bild<\/h2>\n<p>Das Landgericht Hamburg wies seine Klage ab (LG Hamburg, Urteil v. 03.06.2016, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=424%20O%2078\/15\" title=\"LG Hamburg, 03.06.2016 - 424 O 78\/15\">424 O 78\/15<\/a>), die Berufung vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg hatte ebenso wenig Erfolg (OLG Hamburg, Urteil v. 01.10.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=7%20U%20141\/16\" title=\"7 U 141\/16 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">7 U 141\/16<\/a>). Der f\u00fcr Anspr\u00fcche aus dem Recht am eigenen Bild und aus unerlaubter Handlung zust\u00e4ndige VI. Zivilsenat des BGH lie\u00df die Revision zu, wies die Klage jetzt jedoch rechtskr\u00e4ftig ab.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des BGH kann der Kl\u00e4ger kann sein Unterlassungsbegehren nicht auf sein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\/recht-am-eigenen-bild\/\">Recht am eigenen Bild<\/a> st\u00fctzen. Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/KunstUrhG\/22.html\" title=\"&sect; 22 KunstUrhG\">\u00a7 22 S. 1 KUG<\/a> d\u00fcrfen Bildnisse \u201enur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder \u00f6ffentlich zur Schau gestellt werden\u201c. Eine als solche erkennbare blo\u00dfe Darstellung einer realen Person durch einen Schauspieler in einem Spielfilm stelle kein Bildnis der dargestellten Person im Sinne dieser Vorschrift dar. Die nun vom VI. BGH-Senat entschiedene Rechtsfrage ist in Rechtsprechung und Literatur umstritten.<\/p>\n<h2>Schutz nur bei t\u00e4uschend echter Darstellung<\/h2>\n<p>Im Falle einer auch als solchen erkennbaren Darstellung einer Person durch einen Schauspieler, stehe der Schutz des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/KunstUrhG\/22.html\" title=\"&sect; 22 KunstUrhG\">\u00a7 22 KUG<\/a> dem Schauspieler zu. Dieser bleibe im konkreten Fall auch in seiner Rolle noch \u201eeigenpers\u00f6nlich\u201c und damit als er selbst erkennbar, so der BGH weiter. Ein echtes Bildnis einer dargestellten Person gelte eine Darstellung erst dann, \u201ewenn der t\u00e4uschend echte Eindruck erweckt wird, es handele sich um die dargestellte Person selbst\u201c. Dies k\u00f6nne etwa beim Einsatz eines Doppelg\u00e4ngers oder einer nachgestellten ber\u00fchmten Szene oder Fotographie der Fall sein.<\/p>\n<h2>\u201eSuggestive Kraft eines Spielfilms\u201c<\/h2>\n<p>Der BGH entschied, dass dem Kl\u00e4ger auch kein Anspruch aus dem allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrecht nach den \u00a7\u00a7 1004 Abs. 1 Satz 2 analog, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/823.html\" title=\"&sect; 823 BGB: Schadensersatzpflicht\">\u00a7 823 Abs. 1 BGB<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" title=\"Art. 2 GG\">Art. 2 Abs. 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" title=\"Art. 1 GG\">Art. 1 Abs. 1 GG<\/a> zusteht. Zwar sei der Kl\u00e4ger durch ausgepr\u00e4gten \u00dcbereinstimmungen zwischen seinen Erlebnissen und der Darstellung der zentralen Filmfigur in seinem Pers\u00f6nlichkeitsrecht betroffen. Dies werde auch durch die in der besonderen Intensit\u00e4t der visuellen Darstellung liegende suggestive Kraft eines Spielfilms verst\u00e4rkt. Doch wiege diese Betroffenheit im Ergebnis und unter Ber\u00fccksichtigung der von dem Kl\u00e4ger in der Vergangenheit praktizierten Selbst\u00f6ffnung nicht so schwer, dass die Kunst- und Filmfreiheit der Beklagten zur\u00fccktreten m\u00fcsse.<\/p>\n<h2>Subjektive Faktoren entscheidend<\/h2>\n<p>Das BGH-Urteil, das noch nicht ausformuliert vorliegt, schlie\u00dft eine L\u00fccke in der Rechtsprechung im Kunsturheberrecht. Problematisch k\u00f6nnte im Einzelfall die Feststellung sein, wann ein \u201et\u00e4uschend echter Eindruck\u201c erweckt wird, dass es sich bei der dargestellten um eine bestimmte Person handelt, denn dies h\u00e4ngt nicht unwesentlich auch vom Vorstellungsbild und der Wahrnehmung des Empf\u00e4ngers, mithin von sehr subjektiven Faktoren sowie von inneren Tatsachen, die dem Beweise nicht zug\u00e4nglich sind, ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Film \u201eDie Auserw\u00e4hlten\u201c, in dem es um Missbrauch an der Odenwaldschule geht, verst\u00f6\u00dft nicht gegen Pers\u00f6nlichkeitsrechte. Der BGH wies die Klage eines Betroffenen ab (BGH, Urteil v. 18.05.2021, Az. VI ZR 441\/19). Der Kl\u00e4ger war Sch\u00fcler der Odenwaldschule, wo er \u00fcber mehrere Jahre sexuell missbraucht wurde. Er machte seit Jahren auf das Missbrauchsgeschehen aufmerksam [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":86,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[12,1128,19066],"class_list":["post-58368","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","tag-personlichkeitsrecht","tag-recht-am-eigenen-bild","tag-film-die-auserwaehlten","topic_category-medienrecht-persoenlichkeitsrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/86"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=58368"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58368\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=58368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=58368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=58368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}