{"id":56328,"date":"2020-12-21T08:13:35","date_gmt":"2020-12-21T06:13:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=56328"},"modified":"2020-12-19T19:14:25","modified_gmt":"2020-12-19T17:14:25","slug":"dsgvo-namensnennung-in-onlinebewertungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/datenschutzrecht\/dsgvo-namensnennung-in-onlinebewertungen\/","title":{"rendered":"Beim Namen genannt \u2013 Nicht jede Namensangabe begr\u00fcndet eine Datenschutzverletzung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_56332\" aria-describedby=\"caption-attachment-56332\" style=\"width: 561px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-56332 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/dsgvo-online-bewertungen-namensnennung-621x414.jpg\" alt=\"DSGVO Online-Bewertung Namensnennung\" width=\"561\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/dsgvo-online-bewertungen-namensnennung-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/dsgvo-online-bewertungen-namensnennung-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/dsgvo-online-bewertungen-namensnennung-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/dsgvo-online-bewertungen-namensnennung-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/dsgvo-online-bewertungen-namensnennung.jpg 1701w\" sizes=\"(max-width: 561px) 100vw, 561px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56332\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Jon Tyson on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Eine B\u00e4ckerei verklagte Google auf L\u00f6schung eines Mitarbeiternamens, der in einer ung\u00fcnstigen Bewertung auftauchte, und auf Zahlung eines Schmerzensgelds nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 DSGVO<\/a> in H\u00f6he von 500 Euro. <\/em><\/p>\n<p><em>Das LG Essen wies die Klage ab (LG Essen, Urteil v. 29.10.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20O%209\/20\" title=\"4 O 9\/20 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">4 O 9\/20<\/a>).<\/em><\/p>\n<h2>Kritik am Verhalten rechtfertigt Namensnennung<\/h2>\n<p>Nach Ansicht der Richter fehle es bereits an einem Anspruch auf L\u00f6schung, denn die namentliche Nennung sei durch das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung gedeckt, wie es in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/17.html\" title=\"Art. 17 DSGVO: Recht auf L&ouml;schung (&quot;Recht auf Vergessenwerden&quot;)\">Art. 17 Abs. 3 a DSGVO<\/a> verbrieft ist.<\/p>\n<p>Dem Datenschutzrecht steht es nicht entgegen, in einer Bewertung den Nachnamen der Mitarbeiterin (oder des Mitarbeiters) zu nennen, deren bzw. dessen Verhalten man besonders kritikw\u00fcrdig empfand, ja, weswegen man \u00fcberhaupt nur zu einer negativen Bewertung der Leistung des Unternehmens kommt.<\/p>\n<h2>Informationelle Selbstbestimmung versus Meinungsfreiheit und Informationsinteresse<\/h2>\n<p>Das LG Essen kl\u00e4rt auf:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eObwohl ein Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung der Kl\u00e4gerin durch die Namensangabe unstreitig vorliegt, begr\u00fcndet dieser noch keine Verletzung der Pers\u00f6nlichkeitsrechte oder eine Datenschutzverletzung\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Denn:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNicht jede Namensangabe begr\u00fcndet eine Datenschutzverletzung und einen ungerechtfertigten Eingriff in die Pers\u00f6nlichkeitsrechte des Betroffenen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die entscheidenden Gegengewichte bilden die bereits angesprochene \u201eMeinungsfreiheit der Nutzerin\u201c einerseits sowie die \u201eInformationsinteressen des Arbeitgebers und der Kunden\u201c andererseits.<\/p>\n<h2>Nur der Nachname \u2013 halb so wild<\/h2>\n<p>Dies abw\u00e4gend kamen die Richter zu der Entscheidung, dass die Namensl\u00f6schung dieses Recht auf Meinungsfreiheit und das Informationsinteresse weit erheblicher einschr\u00e4nke als die Nennung des Namens das informationelle Selbstbestimmungsrecht seiner Tr\u00e4gerin. Zumal in der Bewertung auch nur der Nachname genannt worden war, den die breite \u00d6ffentlichkeit nicht so ohne weiteres der Person zuordnen kann.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine B\u00e4ckerei verklagte Google auf L\u00f6schung eines Mitarbeiternamens, der in einer ung\u00fcnstigen Bewertung auftauchte, und auf Zahlung eines Schmerzensgelds nach Art. 82 DSGVO in H\u00f6he von 500 Euro. 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