{"id":56058,"date":"2020-12-04T07:09:03","date_gmt":"2020-12-04T05:09:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=56058"},"modified":"2020-12-03T01:09:52","modified_gmt":"2020-12-02T23:09:52","slug":"schufa-service-checknow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/schufa-service-checknow\/","title":{"rendered":"Neuer Schufa-\u201eService\u201c: Chance durch \u201eCheckNow\u201c?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_56059\" aria-describedby=\"caption-attachment-56059\" style=\"width: 516px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-56059\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schufa-Check-Now.jpg\" alt=\"Schufa CheckNow\" width=\"516\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schufa-Check-Now.jpg 1701w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schufa-Check-Now-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schufa-Check-Now-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schufa-Check-Now-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schufa-Check-Now-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 516px) 100vw, 516px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56059\" class=\"wp-caption-text\">Photo by rupixen.com on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Die Schufa \u2013 ohne sie geht fast nichts in unserem Land. <\/em><\/p>\n<p><em>Dabei kommt sie weder im Grundgesetz vor noch wird sie von Einrichtungen unseres Gemeinwesens getragen. Sie ist \u201eeine privatwirtschaftliche Wirtschaftsauskunftei in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft\u201c \u2013 und als solche nicht anders zu behandeln als andere Privatunternehmen. <\/em><\/p>\n<p><em>Eigentlich.<\/em><\/p>\n<p><em>Denn ihre Macht ist weit gr\u00f6\u00dfer als die vergleichbarer Unternehmen des Mittelstands, die rund 1000 Personen besch\u00e4ftigen und 200 Millionen Euro pro Jahr umsetzen. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Schufa greift tief in den Alltag der Menschen ein. \u201eWir schaffen Vertrauen\u201c, bewirbt sich die Firma selbst, die \u201ekreditrelevante Informationen zu 66,3 Millionen Personen und 4,3 Millionen Unternehmen\u201c auf ihren Servern gebunkert hat. F\u00fcr viele schafft die Schufa damit jedoch vor allem eins: Probleme.<\/em><\/p>\n<h2>Entscheidend \u2013 und intransparent<\/h2>\n<p>Jetzt ist es freilich nicht die Schuld der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/reputationsmanagement\/creditreform-schufa-loeschen-lassen\/\">Schufa<\/a>, wenn Menschen Schulden haben. Und es ist sicher auch im Interesse der Privatwirtschaft, dass Rechnungen f\u00fcr erbrachte Leistungen bezahlt werden. Letztlich ist das auch im Interesse des Sozialstaats, der diejenigen auff\u00e4ngt, die dazu \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 zeitweilig nicht in der Lage sind. Kritik entz\u00fcndet sich auch gar nicht an der Pr\u00fcfung von Kreditw\u00fcrdigkeit als solcher, sondern an der als intransparent empfundenen Berechnung einer Kennzahl, die jedem Schufa-\u201eKunden\u201c zugeteilt wird: der Schufa-Score. Wer einen schlechten Score hat, bekommt oftmals keine Mietwohnung und keinen Kredit. Auch der neue Handyvertrag steht und f\u00e4llt mit dem omin\u00f6sen Score. Entscheidend und intransparent \u2013 eine brisante Mischung.<\/p>\n<h2>Neue Chance vorbei am \u201eScore\u201c?<\/h2>\n<p>Daher hat die Schufa sich nun etwas einfallen lassen. Wer mit seiner Bewertung nicht einverstanden ist, kann den Gegenbeweis antreten. Dazu muss sie oder er der Schufa Einblick aufs Bankkonto geben. Das neue Kontrollverfahren mit dem hippen Namen \u201eCheckNow\u201c bietet damit Personen mit negativer Bewertung die Chance, ihre Bonit\u00e4t durch Offenlegung der Kontobewegungen kurzfristig zu verbessern. Das ist die eine Seite der Medaille, die als verbraucherfreundlich angesehen werden kann.<\/p>\n<h2>\u201eCheckNow\u201c &#8211; and lost forever?<\/h2>\n<p>Andererseits gibt die betreffende Person \u2013 unter dem Druck des Scores und der damit verbundenen prek\u00e4ren Situation \u2013 hochsensible pers\u00f6nliche Daten aus der Hand, deren Nutzung zwar nach geltenden Datenschutzregeln erfolgen soll, doch die Selbstverpflichtung, dass sich alle Beteiligten immer daran halten, ist \u2013 bei aller guten Absicht \u2013 im Zweifel nicht viel wert. Zudem k\u00f6nnen auf dieser breiten Datenbasis Investitionsentscheidungen oder nur die Anschaffung langlebiger und kostspieliger Konsumg\u00fcter auch erschwert werden. M\u00f6glicherweise legt ja die Akut-\u00dcberpr\u00fcfung des Kontos nahe, dass eine weitere Ratenfinanzierung des Autos f\u00fcr den Verk\u00e4ufer Risiken birgt. Hier ist die Schufa in der Praxis ohnehin oft die letzte Instanz, die den Daumen heben oder senken kann. Nun sogar auf festerem Fundament? \u201eCheckNow\u201c k\u00f6nnte zum Bumerang werden.<\/p>\n<h2>Vom Regen in die Traufe?<\/h2>\n<p>Journalisten verschiedener \u00d6ffentlich-Rechtlicher Rundfunkanstalten und einer gro\u00dfen M\u00fcnchner Tageszeitung wollten es genauer wissen und forschten nach. Sie gelangten an interne Dokumente der Schufa, die belegen, dass die sensiblen Daten aus den Kontoausz\u00fcgen in Zukunft systematisch ausgewertet und weiterverarbeitet werden sollen. M\u00f6gliches Ziel: die Ermittlung eines Schufa-\u201eSuper-Scores\u201c. Denn die \u201eCheckNow\u201c-Daten sind f\u00fcr die Schufa Gold wert. Bisher wei\u00df die Firma lediglich, dass eine Person \u00fcber ein Konto verf\u00fcgt, in Zukunft \u2013 nach Erteilung der Einblickserlaubnis \u2013 auch noch, was auf dem Konto so alles passiert.<\/p>\n<h2>Gl\u00e4serner Verbraucher wider Willen<\/h2>\n<p>Zudem kennt sie, die Schufa, dann nicht nur die Zahlen, sondern erh\u00e4lt auch Einblick in die Lebensf\u00fchrung der Person. Nicht nur das Gehalt wird offenbar, sondern auch, wof\u00fcr es ausgeben wird. Damit werden nicht nur die Verpflichtungen, sondern auch die Vorlieben der Verbraucher erkennbar und k\u00f6nnen eigens bewertet werden. In einer Pr\u00e4sentation aus dem Jahr 2019 tr\u00e4umt die Schufa schon von \u201eAffinit\u00e4tsscores\u201c. Man sollte also sehr gut \u00fcberlegen, ob man bereit ist, sich mit der \u201efreiwilligen Datenspende\u201c vor der Schufa \u201ewirklich nackig\u201c (so der fr\u00fchere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar) zu machen.<\/p>\n<h2>Im Visier der Datensch\u00fctzer<\/h2>\n<p>Datensch\u00fctzer von Nord bis S\u00fcd sind jedenfalls schon alarmiert: Thilo Weichert, ehemals Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, findet \u201eCheckNow\u201c angesichts dieser Weiterungsoptionen \u201ehochproblematisch\u201c, das zust\u00e4ndige Bayerische Landesamt f\u00fcr Datenschutzaufsicht pr\u00fcft die rechtliche Zul\u00e4ssigkeit. Unabh\u00e4ngig vom Ergebnis muss jeder Verbraucherin und jedem Verbraucher klar sein: Erlaubt ist noch nicht lange nicht gut. Darum: Augen auf, bevor man Einblick gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schufa \u2013 ohne sie geht fast nichts in unserem Land. Dabei kommt sie weder im Grundgesetz vor noch wird sie von Einrichtungen unseres Gemeinwesens getragen. Sie ist \u201eeine privatwirtschaftliche Wirtschaftsauskunftei in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft\u201c \u2013 und als solche nicht anders zu behandeln als andere Privatunternehmen. Eigentlich. 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