{"id":55808,"date":"2020-11-13T20:11:03","date_gmt":"2020-11-13T18:11:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=55808"},"modified":"2020-11-13T20:12:00","modified_gmt":"2020-11-13T18:12:00","slug":"werbung-ist-werbung-ist-werbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/social-media-recht\/werbung-ist-werbung-ist-werbung\/","title":{"rendered":"Werbung ist Werbung ist Werbung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_55810\" aria-describedby=\"caption-attachment-55810\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-55810 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mateus-campos-felipe-sztWS6R3UlA-unsplash-708x398.jpg\" alt=\"Influencer Werbung bei Verlinkung von Produkten\" width=\"550\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mateus-campos-felipe-sztWS6R3UlA-unsplash-708x398.jpg 708w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mateus-campos-felipe-sztWS6R3UlA-unsplash-620x349.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mateus-campos-felipe-sztWS6R3UlA-unsplash-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mateus-campos-felipe-sztWS6R3UlA-unsplash-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mateus-campos-felipe-sztWS6R3UlA-unsplash-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-55810\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Mateus Campos Felipe on<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Immer wieder geht es in den letzten Monaten und Jahren vor Gericht darum, dass so genannte Influencerinnen und Influencer ihre Werbelinks nicht auch als Werbung kennzeichnen. <\/i><\/p>\n<p><i>In der Regel ist das vorgeschrieben. Es gibt aber auch Ausnahmen: Wenn ohnehin klar ist, dass es sich bei dem gesamten Auftritt um ein werbliches Angebot handelt, muss das nicht bei jedem Link erw\u00e4hnt werden. <\/i><\/p>\n<p><i>Das entschied das Oberlandesgericht Hamburg in einem Berufungsverfahren.<\/i><\/p>\n<p>Das OLG Hamburg sah \u2013 im Gegensatz zum LG Hamburg \u2013 bei einer <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/schleichwerbung-influencer\/\">Influencerin<\/a> keinen Versto\u00df gegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a7 5 a VI UWG<\/a>, soweit diese im Rahmen ihres zu kommerziellen Zwecken errichteten Instagram-Nutzeraccounts Hinweise auf Produkte postet (OLG Hamburg, Urteil v. 2.7.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=15%20U%20142\/19\" title=\"OLG Hamburg, 02.07.2020 - 15 U 142\/19: Influencer Postings: Keine Kennzeichnungspflicht bei off...\">15 U 142\/19<\/a>). Sie tat dies, indem sie in Beitr\u00e4gen zu <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/moderecht\/\">Mode<\/a>&#8211; und Lifestylethemen auf die Seiten der Hersteller der erw\u00e4hnten bzw. abgebildeten Produkte verlinkte \u2013 und dies nicht als Werbung deklarierte. Das Landgericht sah darin noch unlauteren Wettbewerb, das OLG unter diesen Umst\u00e4nden nicht.<\/p>\n<h2>Bekanntheit und Selbstverst\u00e4ndnis zeigen: Offensichtliches Influencer-Marketing<\/h2>\n<p>Welche Umst\u00e4nde sind das? Das OLG verweist in seiner Entscheidungsbegr\u00fcndung darauf, dass die Influencerin einen \u201everifizierten\u201c Nutzeraccount betreibt, den Instagram bekannten bzw. followerstarken Nutzern vorbehalte. Insoweit ist davon auszugehen, dass sie tats\u00e4chlich \u00fcber Reichweite verf\u00fcgt und die \u00d6ffentlichkeit bewusst sucht. Ihre Follower wiederum, so das OLG, w\u00fcssten dies und seien \u00fcberwiegend medienkompetent, so dass sie in der Summe selbst zu der Einsch\u00e4tzung kommen d\u00fcrften, dass ein derart reichweitenstarker und von Instagram protegierter Account kommerzieller Natur ist. Wem das durch diese Art der Pr\u00e4sentation nicht klar sei, dem werde durch das Selbstverst\u00e4ndnis der Accountbetreiberin als \u201eInfluencerin\u201c auf die Spr\u00fcnge geholfen.<\/p>\n<h2>M\u00fcndiger Verbraucher, informierter User?<\/h2>\n<p>Ist dieses Urteil ein R\u00fcckschlag f\u00fcr den Verbraucherschutz? Insgesamt nimmt die Entscheidung den Verbraucher in die Pflicht, im Netz mit offen Augen und Ohren unterwegs zu sein. Der m\u00fcndige User muss dem OLG-Beschluss gem\u00e4\u00df erkennen oder lernen zu erkennen, dass Werbung nun mal Werbung ist, auch wenn es nicht explizit draufsteht. Damit weicht das Urteil von anderen Entscheidungen zu \u00e4hnlichen Sachverhalten ab, die auf Kennzeichung pochten, vgl. etwa <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/social-media-recht\/schleichender-einfluss\/\">LG K\u00f6ln<\/a>\u00a0(LG K\u00f6ln, Beschluss v. 17.3.2020, Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=31%20O%20352\/18\" title=\"31 O 352\/18 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">31 O 352\/18<\/a> SH I)\u00a0oder <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/social-media-recht\/influencer-werbende-hinweise-sind-zu-kennzeichnen\/\">OLG Karlsruhe<\/a>\u00a0(OLG Karlsruhe, Urteil v. 9.9.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20U%2038\/19\" title=\"6 U 38\/19 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">6 U 38\/19<\/a>).<\/p>\n<h2>Influencer \u2013 das bekannte unbekannte Wesen<\/h2>\n<p>Schlie\u00dflich stellt sich bei all dem die Frage: Wer oder was ist das eigentlich \u2013 der \u201eInfluencer\u201c? Reicht die Selbstbezeichnung oder braucht es nachpr\u00fcfbare Kriterien? Wenn es auf die Eigenschaft eines Social-Media-Aktivisten, \u201eInfluencer\u201c zu sein, ankommt, sollte man das schwammige Merkmal des \u201eEinflussaus\u00fcbens\u201c bzw. \u201eEinflussaus\u00fcbenwollens\u201c einmal klarer definieren bzw. orientierende Kriterien benennen, bevor weitere sich widersprechende Urteile die Disharmonie in der Rechtsprechung verstetigen und am Ende zur v\u00f6lligen Verunsicherung aller Beteiligten f\u00fchren.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder geht es in den letzten Monaten und Jahren vor Gericht darum, dass so genannte Influencerinnen und Influencer ihre Werbelinks nicht auch als Werbung kennzeichnen. In der Regel ist das vorgeschrieben. 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