{"id":55250,"date":"2020-10-02T07:32:14","date_gmt":"2020-10-02T05:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=55250"},"modified":"2020-09-29T20:33:11","modified_gmt":"2020-09-29T18:33:11","slug":"falsche-fahndungsfotos-bank-haftet-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/falsche-fahndungsfotos-bank-haftet-nicht\/","title":{"rendered":"Falsche Fahndungsfotos: Bank haftet nicht"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_55252\" aria-describedby=\"caption-attachment-55252\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-55252 size-medium\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/noe-araujo-ChY016PARQY-unsplash-594x414.jpg\" alt=\"falsche Fahndungsfotos Schadensersatz\" width=\"594\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/noe-araujo-ChY016PARQY-unsplash-594x414.jpg 594w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/noe-araujo-ChY016PARQY-unsplash-620x432.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/noe-araujo-ChY016PARQY-unsplash-768x536.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/noe-araujo-ChY016PARQY-unsplash-1536x1071.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/noe-araujo-ChY016PARQY-unsplash-2048x1428.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 594px) 100vw, 594px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-55252\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Noe Araujo on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Es ist ein Alptraum: Aufgrund falscher Fahndungsfotos wird man als Straft\u00e4ter gesucht. <\/em><\/p>\n<p><em>Nach dem Aufwachen darf man allerdings nicht auf Schadensersatz hoffen \u2013 jedenfalls nicht von der Bank.<\/em><\/p>\n<h2>Wie im schlechten Film: Verwechslung f\u00fchrt zur Fahndung<\/h2>\n<p>Man kennt es aus dem Krimi: Die ermittelnden Beamten verlangen die Herausgabe von Videoaufzeichnungen, die das Geschehen am Tatort zur Tatzeit festgehalten haben. Der Film wird dann im B\u00fcro ausgewertet und f\u00fchrt oft auf die Spur des T\u00e4ters. Dass es dabei auch zu Verwechslungen kommen kann, ist nicht nur im Fiktiven m\u00f6glicher Teil der Dramaturgie. Einem Bankkunden aus Lingen passierte so etwas im echten Leben.<\/p>\n<p>Der Mann hatte 2017 just an dem Tag eine Bankfiliale besucht, an dem dort ein anderer Mann mit gef\u00e4lschten Papieren ein Konto er\u00f6ffnen wollte. Die Bank zeigte diese Straftat an, die Polizei lie\u00df sich die Videoaufzeichnungen aush\u00e4ndigen, identifizierte f\u00e4lschlicherweise den unschuldigen Kunden mit dem mutma\u00dflichen Straft\u00e4ter und lie\u00df \u00fcber die Medien nach ihm suchen. So wurde das Bild des Mannes in der \u00f6rtlichen Tageszeitung ver\u00f6ffentlicht. Nachdem sich der Irrtum kurz darauf aufgekl\u00e4rt hatte, wurde der Fahndungsaufruf nach 24 Stunden zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<h2>LG Osnabr\u00fcck: Kein Fehler der Bank<\/h2>\n<p>Der zu Unrecht in den Fokus der Ermittlungen geratene Mann verklagte daraufhin die Bank auf Schmerzensgeld und Schadensersatz in H\u00f6he von 500.000 Euro. Er war n\u00e4mlich der Ansicht, die Bank h\u00e4tte das Material vor der \u00dcbergabe an die Polizei sichten, die \u201enormalen\u201c Kunden benennen und somit ausschlie\u00dfen m\u00fcssen. Die Bank wies das jedoch von sich. Sie habe die Videoaufzeichnungen lediglich aufgrund der beh\u00f6rdlichen Anordnung herausgegeben und sei nicht f\u00fcr deren Auswertung verantwortlich.<\/p>\n<p>Stimmt, meint das LG Osnabr\u00fcck (LG Osnabr\u00fcck, Urteil v. 7.7.2020, Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20O%203406\/19\" title=\"LG Osnabr&uuml;ck, 07.07.2020 - 4 O 3406\/19: Schadensersatzanspr&uuml;che wegen Herausgabe von Lichtbilde...\">4 O 3406\/19<\/a>). Denn die Ermittlungsarbeit \u2013 einschlie\u00dflich der dabei entstehenden Fehler \u2013 ist Sache der Polizei, nicht der Bank als Erstatterin der Anzeige. Der Mann habe schlicht den Falschen verklagt. Nach der Verwechslung als Anlass der Klage nun also die \u201eVerwechslung\u201c der Beklagten \u2013 eine tragische Pointe.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Alptraum: Aufgrund falscher Fahndungsfotos wird man als Straft\u00e4ter gesucht. Nach dem Aufwachen darf man allerdings nicht auf Schadensersatz hoffen \u2013 jedenfalls nicht von der Bank. 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