{"id":55121,"date":"2020-09-14T11:31:51","date_gmt":"2020-09-14T09:31:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=55121"},"modified":"2020-09-14T11:31:51","modified_gmt":"2020-09-14T09:31:51","slug":"ehemaliger-bundesligaspieler-darf-von-beratungsfirma-auskunft-ueber-erhaltene-provision-verlangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/sportrecht\/ehemaliger-bundesligaspieler-darf-von-beratungsfirma-auskunft-ueber-erhaltene-provision-verlangen\/","title":{"rendered":"Ehemaliger Bundesligaspieler darf von Beratungsfirma Auskunft \u00fcber erhaltene Provision verlangen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_55123\" aria-describedby=\"caption-attachment-55123\" style=\"width: 465px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-55123 size-large\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/jason-charters-IorqsMssQH0-unsplash-465x620.jpg\" alt=\"\" width=\"465\" height=\"620\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/jason-charters-IorqsMssQH0-unsplash-465x620.jpg 465w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/jason-charters-IorqsMssQH0-unsplash-311x414.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/jason-charters-IorqsMssQH0-unsplash-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/jason-charters-IorqsMssQH0-unsplash-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/jason-charters-IorqsMssQH0-unsplash-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/jason-charters-IorqsMssQH0-unsplash-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-55123\" class=\"wp-caption-text\">Photo by jason charters on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/\"><em>Fu\u00dfball<\/em><\/a><em> ist ein Milliardengesch\u00e4ft. Durch die <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/arbeitsrecht-geschaeftsgeheimnisse-know-how\/coronavirus-faq-die-wichtigsten-fragen\/\">Corona-Krise<\/a> sind die Marktwerte der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/beratung-von-profi-sportvereinen-und-profi-sportlern\/\">Spieler<\/a> gesunken. Dies scheint allerdings kein Trend, sondern nur eine Momentaufnahme zur sein. <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/beratung-von-profi-sportvereinen-und-profi-sportlern\/\">Vereine<\/a> wie der FC Chelsea oder der FC Barcelona gaben auch in diesem Sommer horrende Summen f\u00fcr neue Spieler aus. Trotz der enormen <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/coronavirus-faq-fuer-onlinehaendler\/\">pandemiebedingten<\/a> Verm\u00f6genseinbu\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Geld regiert. Immer mehr Vereine werden von reichen \u00d6lkonzernen gef\u00fchrt. Die Ticketpreise steigen. Wer alle Spiele seines Lieblingsvereins live verfolgen m\u00f6chte, braucht mehrere kostspielige TV-Abonnements.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Profis kommen ohne professionelle Spielerberater nicht mehr aus. Konstantin Rausch wechselte Anfang des Jahres 2018 f\u00fcr die vergleichsweise geringe Summe von 1,5 Millionen Euro vom <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/vertragsrecht\/1-fc-koeln-muss-keine-provision-fuer-die-vermittlung-von-anthony-modeste-zahlen\/\">1. FC K\u00f6ln<\/a> zum russischen Verein FK Dynamo Moskau.<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Transfer besch\u00e4ftigte vor kurzem das K\u00f6lner Landgericht. Der deutsch-russische Linksverteidiger begehrte<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/auskunftsanspruch\/\"> Auskunft<\/a> \u00fcber die H\u00f6he der Provision, die seine Beratungsfirma f\u00fcr seine <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/sportrecht\/beratung-von-spielervermittlern-und-sportmanagern\/\">Vermittlung<\/a> erhalten hat. Die Zivilrichter gaben der Klage statt (LG K\u00f6ln, Urteil v. 04.08.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=21%20O%20315\/19\" title=\"21 O 315\/19 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">21 O 315\/19<\/a>).<\/em><\/p>\n<h2>Spielerberatungsagentur erhielt f\u00fcr Vermittlung hohe Provision von dritter Seite<\/h2>\n<p>Konstantin Rausch wechselte Anfang 2018 vom 1. FC K\u00f6ln zu Dynamo Moskau. Zuvor hatte er seinen Vertrag unter Beteiligung seiner Spielerberateragentur bis Juni 2021 verl\u00e4ngert. Die Agentur wirbt damit, dass sie sich intensiv um ihre Spieler k\u00fcmmert. Auf ihrer Internetseite wird der Kl\u00e4ger als betreuter Spieler aufgef\u00fchrt. F\u00fcr den Wechsel ins Ausland erhielt die Beratungsfirma eine hohe Provision von dritter Seite. Den Spieler setzte sie davon in Kenntnis.<\/p>\n<h2>Spieler verlangte vertragliche Auskunft \u00fcber H\u00f6he der erhaltenen Provision<\/h2>\n<p>Der heute 30-j\u00e4hrige verlangte Auskunft \u00fcber die H\u00f6he der erhaltenen Provision. Als Begr\u00fcndung f\u00fchrte er an, dass er der Beklagten den Auftrag erteilt habe, ihn nach Russland zu vermitteln. Die Beratungsfirma bestritt den Vertragsabschluss. Deshalb weigerte sie sich dem russischen Nationalspieler die begehrte Information herauszugeben.<\/p>\n<h2>LG K\u00f6ln bejaht Vertragsabschluss<\/h2>\n<p>Das Landgericht K\u00f6ln gab dem Kl\u00e4ger Recht. Die Parteien h\u00e4tten einen <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/vertragsrecht\/\">Vertrag<\/a> geschlossen. Daher d\u00fcrfe der Spieler auch wissen, welche Zahlungen die Beklagte f\u00fcr den Wechsel erhalten habe. Der Auftrag ergebe sich zwar nicht aus dem zwischen den Parteien bestehenden Rahmenvertrag. In diesem verpflichte sich die Beratungsfirma nur dazu, den Spieler in seinen Angelegenheiten zu betreuen, ihn zu beraten und im Bedarfsfall f\u00fcr ihn t\u00e4tig zu werden.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger habe sich jedoch f\u00fcr den konkreten Wechsel ausdr\u00fccklich mit einer WhatsApp an die Beklagte gewandt und ihr den Vermittlungsauftrag erteilt. In der Textnachricht habe der Profi seinen Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, nach Russland zu wechseln. Daraufhin habe die Beklagte ihre umfangreiche T\u00e4tigkeit f\u00fcr den Spieler aufgenommen. Diese habe mit viel Zeit- und Arbeitsaufwand nach erheblichen Verhandlungen mit den beiden Vereinen und intensiven Beratungen mit dem Kl\u00e4ger zu dem Wechsel ins Ausland gef\u00fchrt.<\/p>\n<h2>Fu\u00dfballer darf Beratungsfirma bei ihrer T\u00e4tigkeit kontrollieren<\/h2>\n<p>Interessant ist die Argumentation, mit der die K\u00f6lner Richter das Recht auf Auskunft aus dem geschlossenen <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheber-und-designrecht-2\/auftragsrecht\/\">Auftragsverh\u00e4ltnis<\/a> herleiteten. So f\u00fchrten sie aus, dass der Kl\u00e4ger als Auftraggeber ein Recht darauf habe, die Beraterfirma bei ihrer T\u00e4tigkeit f\u00fcr ihn zu kontrollieren und die notwendige Klarheit \u00fcber seine Rechtsstellung zu verschaffen. Auch wenn er selbst f\u00fcr diesen Auftrag nichts gezahlt habe.<\/p>\n<p>Ob dem Kl\u00e4ger auch ein konkreter Zahlungsanspruch gegen die Beklagte zusteht, lie\u00dfen die Richter offen. Dies sei nicht Gegenstand des Rechtsstreits und bleibe gegebenenfalls einer weiteren rechtlichen Auseinandersetzung vorbehalten.<\/p>\n<p>Das Gericht lie\u00df jedoch eine klare Tendenz zugunsten des Spielers erkennen: Der Auftraggeber k\u00f6nne von dem Beauftragten grunds\u00e4tzlich alles herausverlangen, was dieser durch den Auftrag erlangt habe. Auch die erhaltenen Provisionen, Geschenke und andere Vorteile. Es bestehe ansonsten grunds\u00e4tzlich die Gefahr, dass die Beauftragte \u2013 hier die Spielerberatungsfirma \u2013 ihre T\u00e4tigkeit nicht mehr allein an den Interessen ihres Auftraggebers ausrichte. Es k\u00f6nnten auch eigene Interessen im Spiel sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fu\u00dfball ist ein Milliardengesch\u00e4ft. Durch die Corona-Krise sind die Marktwerte der Spieler gesunken. Dies scheint allerdings kein Trend, sondern nur eine Momentaufnahme zur sein. 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