{"id":54960,"date":"2020-09-07T07:11:57","date_gmt":"2020-09-07T05:11:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=54960"},"modified":"2020-09-04T16:14:18","modified_gmt":"2020-09-04T14:14:18","slug":"muesli-und-milch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/lebensmittelrecht-arzneimittelrecht\/muesli-und-milch\/","title":{"rendered":"M\u00fcsli. Und Milch"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_54967\" aria-describedby=\"caption-attachment-54967\" style=\"width: 542px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-54967\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/julian-hochgesang-mfKjqdSIZDM-unsplash-scaled.jpg\" alt=\"Kalorienangabe M\u00fcsli\" width=\"542\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/julian-hochgesang-mfKjqdSIZDM-unsplash-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/julian-hochgesang-mfKjqdSIZDM-unsplash-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/julian-hochgesang-mfKjqdSIZDM-unsplash-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/julian-hochgesang-mfKjqdSIZDM-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/julian-hochgesang-mfKjqdSIZDM-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/julian-hochgesang-mfKjqdSIZDM-unsplash-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 542px) 100vw, 542px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-54967\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Julian Hochgesang on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Es gibt die perfekten kulinarischen Kombinationen. Pommes und Majo. Fish &#8216;n&#8217; Chips. Curry und Wurst. Nicht erst seit der j\u00fcngsten Veggie- und Gesundheitswelle ist Deutschland das Land, in dem Milch und M\u00fcsli zusammenflie\u00dfen. M\u00fcsli und Milch \u2013 die perfekte Kombination.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Dachte sich auch Dr. Oetker und gab die Kalorien einer verzehrfertigen 100g-Portion seines Knusperm\u00fcslis unter Ber\u00fccksichtigung einer entsprechenden Menge Milch an. Halt!, meinte der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverb\u00e4nde: Der M\u00fcsli-Magnat m\u00f6ge \u201ezus\u00e4tzlich den Brennwert, bezogen auf 100 Gramm des Produkts zum Zeitpunkt des Verkaufs, das hei\u00dft des nicht zubereiteten Produkts\u201c angeben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<h2>M\u00fcsli mit Milch, oder?<\/h2>\n<p>In der Tat kann man auch anders auf die 100g verzehrbereite Fr\u00fchst\u00fccks- oder Zwischenmahlzeit kommen. Indem man etwa das M\u00fcsli in Erdbeerjoghurt gibt. Daraus resultiert freilich ein v\u00f6llig anderer N\u00e4hrwert und entsprechend \u00e4ndert sich die Zahl der Kalorien. Korrekt w\u00e4re es also wirklich, das reine M\u00fcsli zu bemessen.<\/p>\n<p>Andererseits isst (fast) niemand sein M\u00fcsli trocken, so dass eine lebensfremde Angabe im Raum st\u00fcnde, spr\u00e4che man von der Kalorienzahl, die allein das gepresste oder gecrunchte Korn in sich tr\u00e4gt. Und am Ende stimmt die Rechnung beim Verbraucher nicht, der m\u00f6glicherweise aus medizinischen Gr\u00fcnde eine exakte Angabe braucht und dem Wert als \u201eBemessungsgrundlage\u201c vertraut, obwohl dieser tats\u00e4chlich am Ende \u2013 zumal mit gezuckertem Joghurt \u2013 deutlich h\u00f6her liegt.<\/p>\n<h2>Eine europ\u00e4ische Frage<\/h2>\n<p>Komplizierte Angelegenheit, die der Bundesgerichtshof zu entscheiden hat. Die Frage lautet: \u201eDarf sich die Kalorienangabe auf der Vorderseite einer M\u00fcsliverpackung auf eine Mischportion von Milch und M\u00fcsli beziehen oder ist die Kalorienangabe f\u00fcr eine reine Portion des M\u00fcslis anzugeben?\u201c Der BGH kapitulierte einstweilen vor dieser Frage und legte die Sache dem EuGH vor (BGH, Beschluss v. 23.7.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20143\/19\" title=\"I ZR 143\/19 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">I ZR 143\/19<\/a>).<\/p>\n<p>Denn es geht dabei um die Auslegung einer europ\u00e4ischen Norm, n\u00e4mlich um Art. 31 Abs. 3 Unterabs. 2 der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/die-lebensmittelinformations-verordnung-lmiv\/\">Lebensmittelinformationsverordnung<\/a> (LMIV). Dort hei\u00dft es, die N\u00e4hrwertangaben k\u00f6nnten sich auch \u201eauf das zubereitete Lebensmittel beziehen, sofern ausreichend genaue Angaben \u00fcber die Zubereitungsweise gemacht werden und sich die Informationen auf das verbrauchsfertige Lebensmittel beziehen\u201c. Die Frage lautet demnach pr\u00e4zisiert: \u201eIst Art. 31 Abs. 3 Unterabs. 2 LMIV dahin auszulegen, dass diese Regelung allein f\u00fcr Lebensmittel gilt, bei denen eine Zubereitung erforderlich und die Zubereitungsweise vorgegeben ist?\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Zu kl\u00e4ren: Korrekte N\u00e4hrwertangabe f\u00fcr M\u00fcsli nach der LMIV<\/h2>\n<p>Falls ja, w\u00e4re die Norm auf M\u00fcsli nicht anwendbar, denn dass eine Zubereitung erforderlich und die Zubereitungsweise vorgegeben ist, ist f\u00fcr M\u00fcsli gerade nicht der Fall (man kann es mit Milch, Joghurt oder auch was anderem verzehren). Falls nein, soll der EuGH entscheiden, wie dann die Angabe \u201eje 100 g\u201c in Art. 33 Abs. 2 Unterabs. 2 LMIV (\u201eSind die N\u00e4hrstoffmengen gem\u00e4\u00df Unterabsatz 1 lediglich je Portion oder je Verzehreinheit ausgedr\u00fcckt, wird der Brennwert je 100 g oder je 100 ml und je Portion oder je Verzehreinheit ausgedr\u00fcckt.\u201c) im Falle von Knusperm\u00fcsli zu interpretieren ist: 100 Gramm des Produkts zum Zeitpunkt des Verkaufs oder aber &#8211; zumindest auch &#8211; 100 Gramm des zubereiteten <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/lebensmittelrecht\/\">Lebensmittels<\/a>?<\/p>\n<p>Das Verfahren ist bis zur Antwort aus Luxemburg ausgesetzt. Zeit f\u00fcr ein M\u00fcsli. Oder eine Currywurst.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt die perfekten kulinarischen Kombinationen. Pommes und Majo. Fish &#8216;n&#8217; Chips. Curry und Wurst. Nicht erst seit der j\u00fcngsten Veggie- und Gesundheitswelle ist Deutschland das Land, in dem Milch und M\u00fcsli zusammenflie\u00dfen. 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