{"id":52951,"date":"2020-04-27T15:33:22","date_gmt":"2020-04-27T14:33:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=52951"},"modified":"2020-08-25T17:00:12","modified_gmt":"2020-08-25T15:00:12","slug":"katy-perry-beat-zu-einfach-plagiatsvorwurf-nicht-bestaetigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/katy-perry-beat-zu-einfach-plagiatsvorwurf-nicht-bestaetigt\/","title":{"rendered":"Katy-Perry-Beat zu einfach – Plagiatsvorwurf nicht best\u00e4tigt"},"content":{"rendered":"
\"Katy
Photo by Kenny Webster on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n

Ein Raunen und Staunen ging im M\u00e4rz 2020 durch die amerikanische Musikindustrie. Katy Perrys Musik wurde von einem Gericht als nicht einzigartig genug bezeichnet, um in einem Plagiatsstreit gegen die Klage eines christlichen Musikers zu verlieren.<\/em><\/p>\n

Wow. Der sa\u00df. Nicht einzigartig genug? Zu gew\u00f6hnlich? Zu basic? KATY PERRY?<\/em><\/p>\n

Aber fangen wir von vorne an.<\/em><\/p>\n

2,8 Millionen Dollar Strafe<\/h2>\n

Im Juli 2019 wurden Katy Perry und ihre Produzenten f\u00fcr schuldig befunden, einen christlichen Rap-Song aus dem Jahr 2009 namens \u201eJoyful Noise\u201c (eine Ironie an sich) vom K\u00fcnstler Marcus Gray alias Flame kopiert zu haben. Gray schrieb das Lied anno dazumal mit zwei anderen Autoren, die Katy Perry gemeinsam beschuldigten, die \u201eHook\u201c des Songs geklaut zu haben. Das Gericht sah diese Schuld als bewiesen an und verurteile Perry und Co. zu 2.8 Millionen Dollar Strafe.<\/p>\n

\u00c4hnlichkeit zwischen beiden Songs eindeutig<\/h2>\n

Tats\u00e4chlich lassen sich die \u00c4hnlichkeiten zwischen “Dark Horse\u201c und \u201eJoyful Noise\u201c nicht abstreiten. Wenn man die Noten \u00fcbereinander legt, dann f\u00e4llt einem auf, dass – und Achtung, jetzt wird es etwas musikwissenschaftlich – die Intervalle zwischen den einzelnen Noten identisch und\/oder sehr \u00e4hnlich sind. Fakt ist aber auch, dass diese Intervalle und Notenreihen auch ich als ehemalige Musikstudentin schon im 1. Semester mit wenig Kreativit\u00e4t so in der Kompositionsklausur h\u00e4tte niederschreiben k\u00f6nnen. C-C-C-C H-H-H-A C-C-C-C H-H-H-E. Das ist in etwa so varianzreich wie der \u201eBierkapit\u00e4n\u201c, ein hoch gesch\u00e4tzter Mallorca-Song.<\/p>\n

Das Urteil sorgte aufgrund seiner H\u00f6he f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen in 2019. 2,8 Millionen US-Dollar f\u00fcr ein Plagiat – Dieter Bohlen w\u00e4re nach 6-8 solcher Verfahren pleite. Und die Angst vieler Produzenten durch dieses Urteil wuchs tats\u00e4chlich, denn wer kann sich vor unbeabsichtigten Plagiaten wirklich 100% sch\u00fctzen? Musik wird oft unterbewusst wahrgenommen und gespeichert und wenn ein Komponist dann zuf\u00e4llig solche unterbewussten Einfl\u00fcsse in seine Musik aufbaut, ist das sicher nicht immer mutwillig.<\/p>\n

Urteil aufgehoben – gew\u00f6hnliche Melodie nicht plagiiert<\/h2>\n

Eine Richterin in Kalifornien hat der Entscheidung der Geschworenen aus 2019 nun aber einen Riegel vorgeschoben und das Urteil aufgehoben. Die Noten der \u201eHook\u201c, die bei beiden Songs \u00e4hnlich sind, seien \u201enicht originell genug\u201c, um als Plagiat oder Kopie gewertet werden zu k\u00f6nnen. Nun fragt man sich, ob jemand mit einem Verm\u00f6gen wie Katy Perry lieber die 2,8 Millionen Dollar Strafe zahlt und sich im Gegenzug nicht nachsagen lassen muss, die eigene Musik sei zu gew\u00f6hnlich und einfach, um als Plagiat durchzugehen. Vielleicht rettet das gleiche Argument seit Jahren auch Dieter Bohlen. Wenn man sich den Abgleich von Dieter Bohlen \u201eJoyrider\u201c zu David Guettas \u201eWithout you\u201c anschaut, kann man sich nur fragen, wieso dieses Plagiat nie vor Gericht gelandet ist. Aber wahrscheinlich kennt ein David Guetta keinen Dieter Bohlen. Auch Karl Lagerfeld kennt keinen Dieter Bohlen.<\/p>\n

Der Beitrag stammt von unserer freien Autorin Katharina Reber. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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