{"id":52360,"date":"2020-04-06T17:54:52","date_gmt":"2020-04-06T16:54:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=52360"},"modified":"2020-04-06T18:02:25","modified_gmt":"2020-04-06T17:02:25","slug":"amazonhaendler-haften-nicht-fuer-rechtswidrige-bewertungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/amazonhaendler-haften-nicht-fuer-rechtswidrige-bewertungen\/","title":{"rendered":"Amazonh\u00e4ndler haften nicht f\u00fcr rechtswidrige Bewertungen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_52361\" aria-describedby=\"caption-attachment-52361\" style=\"width: 464px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-52361\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/christian-wiediger-rymh7EZPqRs-unsplash-621x414.jpg\" alt=\"Amazon Kundenbewertungen\" width=\"464\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/christian-wiediger-rymh7EZPqRs-unsplash-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/christian-wiediger-rymh7EZPqRs-unsplash-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/christian-wiediger-rymh7EZPqRs-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/christian-wiediger-rymh7EZPqRs-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/christian-wiediger-rymh7EZPqRs-unsplash-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-52361\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Christian Wiediger on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Der Anbieter eines Produkts auf Amazon haftet nicht f\u00fcr Kundenbewertungen, selbst wenn diese an sich irref\u00fchrend sind. <\/em><\/p>\n<p><em>Solange der Produktanbieter sie nicht veranlasst hat, trifft ihn auch keine Pflicht, sie zu verhindern. <\/em><\/p>\n<p><em>So scheidet ein Versto\u00df gegen das UWG aus. Das geht aus einer neueren Entscheidung des BGH hervor (BGH, Urteil v. 20.2.2020 , Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20193\/18\" title=\"BGH, 20.02.2020 - I ZR 193\/18: Zur Haftung f&uuml;r Kundenbewertungen bei Amazon\">I ZR 193\/18<\/a>).<\/em><\/p>\n<h2>Amazon weist Produkten Kundenbewertungen zu<\/h2>\n<p>F\u00fcr jedes auf der Online-Handelsplattform befindliche Produkt wird \u00fcber die EAN (European Article Number) eine diesem Produkt zugewiesene ASIN (Amazon-Standard-Identifikationsnummer) generiert, die sicherstellen soll, dass beim Aufruf eines bestimmten Produkts die Angebote s\u00e4mtlicher Anbieter dieses Produkts angezeigt werden. Bewerten sodann die Kunden das Produkt, weist Amazon ohne weitere Pr\u00fcfung die Bewertungen dem unter dem entsprechenden ASIN gef\u00fchrten Produkt zu. So sind unter einem Produkt s\u00e4mtliche Kundenbewertungen sichtbar, ohne etwa zu differenzieren, von welchem Verk\u00e4ufer es jeweils angeboten wird.<\/p>\n<h2>Kinesiologie-Tapes zur Schmerztherapie l\u00f6sten den Streit aus<\/h2>\n<p>Die Beklagte vertreibt Kinesiologie-Tapes. In der Vergangenheit hatte sie ihre <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/lebensmittelrecht\/arzneimittelrecht-werbung-fuer-arzneimittel\">Produkte damit beworben<\/a>, sie seien schmerzlindernd. Diese Eigenschaft war dennoch nicht medizinisch bewiesen, weshalb sie schon im Jahre 2013 gegen\u00fcber dem Kl\u00e4ger, einem eingetragenen Wettbewerbsverein, eine strafbewehrte Unterlassungserkl\u00e4rung abgegeben hatte.<\/p>\n<p>2017 erschienen unter dem Online-Angebot der Beklagten Kundenrezensionen, die die streitgegenst\u00e4ndlichen Kinesiologie-Tapes als zur Schmerzbehandlung geeignet bewerteten. Unter anderem &#8220;schmerzlinderndes Tape!&#8221;, &#8220;This product is perfect for pain\u2026&#8221;, &#8220;Schnell l\u00e4sst der Schmerz nach&#8221;, &#8220;Linderung der Schmerzen ist sp\u00fcrbar&#8221;, &#8220;Die Schmerzen gehen durch das Bekleben weg&#8221; und &#8220;Schmerzen lindern&#8221; waren dort zu sehen.<\/p>\n<p><!--HubSpot Call-to-Action Code --><\/p>\n<p><center><span id=\"hs-cta-wrapper-ce5cebe6-b7a5-4ba4-a565-83c76b09bdcd\" class=\"hs-cta-wrapper\"><span id=\"hs-cta-ce5cebe6-b7a5-4ba4-a565-83c76b09bdcd\" class=\"hs-cta-node hs-cta-ce5cebe6-b7a5-4ba4-a565-83c76b09bdcd\"><!-- [if lte IE 8]>\n\n\n<div id=\"hs-cta-ie-element\"><\/div>\n\n\n<![endif]--><a href=\"https:\/\/cta-redirect.hubspot.com\/cta\/redirect\/7036071\/ce5cebe6-b7a5-4ba4-a565-83c76b09bdcd\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" id=\"hs-cta-img-ce5cebe6-b7a5-4ba4-a565-83c76b09bdcd\" class=\"hs-cta-img\" style=\"border-width: 0px;\" src=\"https:\/\/no-cache.hubspot.com\/cta\/default\/7036071\/ce5cebe6-b7a5-4ba4-a565-83c76b09bdcd.png\" alt=\"Amazon-Bewertung l\u00f6schen lassen? Kostenloser Bewertungs-Schnelltest!\" \/><\/a><\/span><script charset=\"utf-8\" src=\"https:\/\/js.hscta.net\/cta\/current.js\"><\/script><script type=\"text\/javascript\"> hbspt.cta.load(7036071, 'ce5cebe6-b7a5-4ba4-a565-83c76b09bdcd', {}); <\/script><\/span><\/center><!-- end HubSpot Call-to-Action Code --><\/p>\n<h2>Irref\u00fchrende Kundenrezensionen gelten nicht zwingend als Werbung des Anbieters<\/h2>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\">Wettbewerbsverein<\/a> klagte sodann auf Zahlung der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/verfolgung-unlauterer-werbung\">Vertragsstrafe und Unterlassung<\/a>. Die Kundenrezensionen habe sich die Beklagte zu eigen gemacht, sie h\u00e4tte auf deren L\u00f6schung hinwirken m\u00fcssen. Einen Anspruch machte sie aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7\u00a7 8 Abs. 1, 3a UWG<\/a> in Verbindung mit \u00a7 11 Abs. 1 S. 1 Nr. 11 HWG geltend. Das Gesetz \u00fcber die Werbung auf dem Gebiet des Heilwesens (HWG) verbietet n\u00e4mlich die Werbung mit \u00c4u\u00dferungen Dritter, wenn diese in irref\u00fchrender Weise erfolgen.<\/p>\n<p>Dennoch blieb die Klage in allen Instanzen erfolglos. Die Kundenrezensionen enthielten zwar medizinisch unbewiesene Aussagen und seien damit irref\u00fchrend. Geworben hatte die Beklagte dennoch damit nicht. Um sich eine werbende Aussage eines Dritten zu eigen zu machen, bedarf es mehr als das blo\u00dfe Nichtl\u00f6schen auf einer Plattform wie Amazon. Die Beklagte habe weder die Verantwortung f\u00fcr die Richtigkeit der Bewertungen \u00fcbernommen, noch diese veranlasst; auch r\u00e4umlich erschienen die Kundenbewertungen getrennt von den jeweiligen Verk\u00e4uferangeboten und seien deshalb nur Amazon zuzurechnen.<\/p>\n<p>Auch treffe die Beklagte keine Rechtspflicht aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5.html\" title=\"&sect; 5 UWG: Irref&uuml;hrende gesch&auml;ftliche Handlungen\">\u00a7 5 Abs. 1 Satz 1<\/a> und 2 Fall 2 Nr. 1 UWG, die Rezensionen zu verhindern. Denn das Angebot auf Amazon begr\u00fcnde keine Garantenstellung des Verk\u00e4ufers.<\/p>\n<h2>Die Meinungs- und Informationsfreiheit der Kunden war ausschlaggebend f\u00fcr das Verfahren<\/h2>\n<p>Bei der rechtlichen Pr\u00fcfung, ob die Beklagte gegen das UWG versto\u00dfen hatte, war ausschlaggebend, dass die Abgabe und der Austausch von Kundenbewertungen auf Online-Marktpl\u00e4tzen von dem Grundrecht der Meinungs- und Informationsfreiheit gesch\u00fctzt sind. Dadurch, dass durch die betreffenden Produkte keine nachweisliche Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit ausgeht, war keine Abw\u00e4gung mit diesem Rechtsgut vonn\u00f6ten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anbieter eines Produkts auf Amazon haftet nicht f\u00fcr Kundenbewertungen, selbst wenn diese an sich irref\u00fchrend sind. Solange der Produktanbieter sie nicht veranlasst hat, trifft ihn auch keine Pflicht, sie zu verhindern. So scheidet ein Versto\u00df gegen das UWG aus. 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