{"id":52110,"date":"2020-03-27T06:45:10","date_gmt":"2020-03-27T05:45:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=52110"},"modified":"2020-03-31T16:04:59","modified_gmt":"2020-03-31T15:04:59","slug":"zum-verwechseln-aehnlich-lg-koeln-verbietet-tina-turner-plakat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/zum-verwechseln-aehnlich-lg-koeln-verbietet-tina-turner-plakat\/","title":{"rendered":"Zum Verwechseln \u00e4hnlich: LG K\u00f6ln verbietet &#8220;Tina Turner&#8221;-Plakat"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_52111\" aria-describedby=\"caption-attachment-52111\" style=\"width: 491px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-52111\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/matt-botsford-OKLqGsCT8qs-unsplash-scaled.jpg\" alt=\"Verwechslungsgefahr Tina Turner\" width=\"491\" height=\"276\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/matt-botsford-OKLqGsCT8qs-unsplash-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/matt-botsford-OKLqGsCT8qs-unsplash-708x398.jpg 708w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/matt-botsford-OKLqGsCT8qs-unsplash-620x349.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/matt-botsford-OKLqGsCT8qs-unsplash-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/matt-botsford-OKLqGsCT8qs-unsplash-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/matt-botsford-OKLqGsCT8qs-unsplash-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 491px) 100vw, 491px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-52111\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Matt Botsford on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Eines der gro\u00dfen rechtlichen Themen im Zusammenhang mit der Vermarktung von Waren und Dienstleistungen besteht in der Frage, ob der Konsument erkennen kann, um was es sich bei dem Angebot handelt &#8211; und um was nicht. Probleme gibt es immer dann, wenn man Angebote verwechseln k\u00f6nnte. Das ist vor allem dann problematisch, wenn diese in der Qualit\u00e4t stark voneinander abweichen.<\/em><\/p>\n<h2>Tina, oder doch nicht Tina?<\/h2>\n<p>Im vorliegenden Fall geht es um nichts weniger als die potentielle Verwechslung von Original und Imitat. Dabei geht es nicht um Uhren oder Sportartikel, sondern um S\u00e4ngerinnen. Das Original: Tina Turner. Das Imitat: ein 30-j\u00e4hriges Tina-Turner-Double namens Coco Fletcher. Ein Plakat, auf dem der Weltstar von der jungen &#8220;Doppelg\u00e4ngerin&#8221; dargestellt wird, d\u00fcrfe k\u00fcnftig nicht mehr verwendet werden, entschied das Landgericht K\u00f6ln (Urteil, vom 22.01.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=28%20O%20193\/19\" title=\"LG K&ouml;ln, 22.01.2020 - 28 O 193\/19: Verwendung des Namens und eines Bildes von Tina Turner auf P...\">28 O 193\/19<\/a>). Die Begr\u00fcndung: Verwechslungsgefahr. Man k\u00f6nnte meinen, dass Tina Turner selbst an dem Musical mitgewirkt hat oder h\u00f6chstpers\u00f6nlich auftritt. Das ist nicht der Fall. Es handelt sich lediglich um eine sogenannte &#8220;Tribute Show&#8221;, in der Tina Turner von Coco Fletcher verk\u00f6rpert wird.<\/p>\n<h2>LG K\u00f6ln sieht dreifache Verwechslungsgefahr<\/h2>\n<p>Offenbar merken das die Zuschauer schon vor dem Ticketkauf, schlie\u00dflich ist die &#8220;Tribute Show&#8221; schon mehr als 100 Mal in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz aufgef\u00fchrt worden, und noch nie habe sich ein Zuschauer anschlie\u00dfend dar\u00fcber beschwert, dass er nicht die echte Tina Turner gesehen habe. Dieser an und f\u00fcr sich \u00fcberzeugende Umstand reichte dem Landgericht K\u00f6ln aber nicht. Es sprach stattdessen von drei Argumenten f\u00fcr eine gegebene Verwechslungsgefahr: Erstens lebt Tina Turner noch, zweitens steht ihr Name gro\u00df auf dem Plakat und drittens ist auch noch ein Foto zu sehen, das zwar nicht Tina Turner zeigt, aber eben Coco Fletcher als ihr Double. Zusammengenommen sei das zu viel.<\/p>\n<h2>Der erstaunliche Fall des &#8220;K\u00f6lschen M\u00e4dchens&#8221; Tina Turner<\/h2>\n<p>Der Veranstalter kann noch gegen das Urteil Berufung einlegen, hat aber einstweilen die Verwechslungsgefahr nach Kr\u00e4ften abgeschw\u00e4cht: Das Plakat tr\u00e4gt jetzt den Zusatz &#8220;Starring Dorothea &#8216;Coco&#8217; Fletcher&#8221;. Vielleicht reicht das ja f\u00fcr den Rechtsfrieden.<\/p>\n<p>Man wei\u00df am Ende nicht, was erstaunlicher ist: Eine 80j\u00e4hrige, die man mit einer 30j\u00e4hrigen verwechseln kann, oder dass Tina Turner &#8211; im weitesten Sinne &#8211; ein &#8220;K\u00f6lsches M\u00e4dche&#8221; ist, denn die K\u00fcnstlerin hat mal in K\u00f6ln gewohnt. Wurde daher der erstaunliche Fall in K\u00f6ln verhandelt? Oder, weil die Pressekammer des LG K\u00f6ln im Ruf steht, es mit dem Rechtsschutz f\u00fcr Prominente besonders genau zu nehmen? Wie dem auch sei &#8211; f\u00fcr die Berufung gilt dann wohl das K\u00f6lsche Grundgesetz, Artikel 2: Et k\u00fctt wie et k\u00fctt!<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines der gro\u00dfen rechtlichen Themen im Zusammenhang mit der Vermarktung von Waren und Dienstleistungen besteht in der Frage, ob der Konsument erkennen kann, um was es sich bei dem Angebot handelt &#8211; und um was nicht. Probleme gibt es immer dann, wenn man Angebote verwechseln k\u00f6nnte. 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