{"id":50868,"date":"2019-12-31T06:40:11","date_gmt":"2019-12-31T05:40:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=50868"},"modified":"2022-07-14T19:02:08","modified_gmt":"2022-07-14T17:02:08","slug":"frueher-war-mehr-lametta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/frueher-war-mehr-lametta\/","title":{"rendered":"Fr\u00fcher war mehr Lametta"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_50869\" aria-describedby=\"caption-attachment-50869\" style=\"width: 355px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-50869 \" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Photo-by-Andy-Holmes-on-Unsplash-620x413.jpg\" alt=\"Loriot Urheberrecht\" width=\"355\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Photo-by-Andy-Holmes-on-Unsplash-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Photo-by-Andy-Holmes-on-Unsplash-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Photo-by-Andy-Holmes-on-Unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Photo-by-Andy-Holmes-on-Unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Photo-by-Andy-Holmes-on-Unsplash-scaled.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-50869\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Andy Holmes on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eEr ist leicht \u00fcberheblich, \u00fcbt gern Kritik, auch an Vorgesetzten. Bestimmend f\u00fcr sein Wesen ist seine ausgesprochen mimische und darstellerische Begabung. Er ist geistig beweglich und verf\u00fcgt \u00fcber eine gute Auffassungsgabe.\u201c<\/p>\n<p>Diese Beurteilung des \u201eLeutnant von B\u00fclow, Bernhard-Viktor\u201c vom 5. April 1945 findet sich in den Akten der Wehrmacht und beschreibt jenen Menschen recht treffend, der weniger als Soldat denn als Humorist bekannt wurde \u2013 und dann auch unter seinem K\u00fcnstlernamen: \u201eLoriot\u201c.<\/p>\n<h2>Komische Kommunikationsanalyse<\/h2>\n<p>Ein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/markenrecht\">Markenzeichen<\/a> Loriots ist das souver\u00e4ne Spiel mit unterschiedlichen Sprachniveaus. In seinen Sketchen kritisiert er d\u00fcnkelhafte Status- und Fachsprachen in ihrer ausschlie\u00dfenden Wirkung, vor allem aber in ihrer unsinnigen Gestelztheit, die in dieser Weise wohl nur im Deutschen zur vollen Entfaltung kommen kann.<\/p>\n<p>Die Kunst der positiven Umschreibung an sich banaler, oftmals auch unangenehmer Sachverhalte, wie sie in Politik und Werbung immer neue Varianten erf\u00e4hrt, wird bei ihm ins Absurde \u00fcbersteigert: Ein \u201eDoppelbett\u201c wird zum \u201eklassischen Horizontalensemble\u201c, die Landung eines aus dem Weltraum auf die Erde knallenden Bunkers gilt als \u201esportlich\u201c und eine viel zu lange Hose wird mit der beruhigenden Bemerkung sch\u00f6ngef\u00e4rbt, man trage heute \u201edas Beinkleid etwas reichlich\u201c. Loriots ber\u00fchmte Bundestagsrede, die ausschlie\u00dflich Phrasen enth\u00e4lt, l\u00e4sst sich von manchem Politiker-Statement kaum unterscheiden.<\/p>\n<p>Loriot hat mit scharfem Sinn die Schw\u00e4chen der Kommunikation durchschaut, zwischen Politesse und Autofahrer, zwischen Verk\u00e4ufer und Kunde, zwischen Mann und Frau. Umgekehrt pr\u00e4gt er mit seinen \u00fcberzogen positiven Formulierungen die Sprache der Freunde feiner Ironie. Bekommt man zu wenig auf den Teller, beschwert man sich nicht, sondern sagt mit Loriot: \u201eDas ist&#8230; \u00fcbersichtlich!\u201c Zweifelt man den Wert eines der inflation\u00e4r angebotenen Abendschul-Abschl\u00fcsse an, dann nennt man ihn \u201eJodel-Diplom\u201c. Da wei\u00df jeder, was gemeint ist. Und wenn einem die Worte fehlen: \u201eDa regt mich ja schon die Frage auf!\u201c Wer h\u00e4tte noch nicht die Erfahrung gemacht: Ein Loriot-Zitat \u2013 und die Situation ist gerettet.<\/p>\n<h2>Ein Beschluss, ein Beschluss!<\/h2>\n<p>Es ist die hohe Kunst des vielleicht gr\u00f6\u00dften deutschen Humoristen aller Zeiten, das Belanglose immer wieder in etwas Besonderes verwandelt zu haben. Rein rechtlich ist damit das so entstandene Besondere als etwas Belangloses zu bewerten. Das hat zumindest das Oberlandesgericht M\u00fcnchen j\u00fcngst in einem Urteil festgestellt (OLG M\u00fcnchen, Beschluss v. 14.8.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20W%20927\/19\" title=\"OLG M&uuml;nchen, 14.08.2019 - 6 W 927\/19: Fr&uuml;her war mehr Lametta - kein Urheberschutz f&uuml;r Loriot-Z...\">6 W 927\/19<\/a>), in dem es um den Satz<\/p>\n<blockquote><p>Fr\u00fcher war mehr Lametta<\/p><\/blockquote>\n<p>ging<em>.<\/em><\/p>\n<p>Diesem Satz fehlt nach Auffassung der 33. Zivilkammer bei der ma\u00dfgeblichen isolierten Betrachtung die hinreichende <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheber-und-designrecht-2\">Sch\u00f6pfungsh\u00f6he f\u00fcr einen Schutz<\/a> nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">\u00a7 2 UrhG<\/a>: Seine Besonderheit und Originalit\u00e4t erfahre dieser Satz durch die Einbettung in den Loriot-Sketch \u201eWeihnachten bei Hoppenstedts\u201c und die Situationskomik. Blende man dies aus, handele es sich um einen eher allt\u00e4glichen und belanglosen Satz, der entweder schlicht zum Ausdruck bringe, dass fr\u00fcher mehr Lametta benutzt wurde, oder \u2013 unter Verwendung des Wortes \u201eLametta\u201c als Metapher \u2013 dass fr\u00fcher mehr Schmuck, Glanz, festliche Stimmung oder \u00c4hnliches war.<\/p>\n<h2>Das Besondere und das Belanglose<\/h2>\n<p>In der Tat: Das ist fein beobachtet. Loriot selbst h\u00e4tte dieses Urteil wohl sehr gefallen, beschreibt es doch \u00e4u\u00dferst treffend das Geheimnis der Komik seiner Sketche und Filme: Belangloses wird so geschickt arrangiert, dass daraus Besonderes entsteht. Allzu Allt\u00e4gliches wird einfach nur ein wenig weitergedacht und dadurch in dezente Zeit- und Kulturkritik transformiert, die auf urkomische Weise unsere Gewohn- und Gepflogenheiten aufs Korn nimmt. Nun also das: ein Beschluss, ein Beschluss!<\/p>\n<p>Kommentieren kann man diesen wohl am besten auch mit einem Loriot-Zitat: \u201eAch, was?!\u201c<\/p>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEr ist leicht \u00fcberheblich, \u00fcbt gern Kritik, auch an Vorgesetzten. Bestimmend f\u00fcr sein Wesen ist seine ausgesprochen mimische und darstellerische Begabung. Er ist geistig beweglich und verf\u00fcgt \u00fcber eine gute Auffassungsgabe.\u201c Diese Beurteilung des \u201eLeutnant von B\u00fclow, Bernhard-Viktor\u201c vom 5. 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