{"id":48516,"date":"2019-10-07T06:56:34","date_gmt":"2019-10-07T05:56:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=48516"},"modified":"2022-07-14T18:37:12","modified_gmt":"2022-07-14T16:37:12","slug":"kater-ist-krankheit-olg-frankfurt-urteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/kater-ist-krankheit-olg-frankfurt-urteilt\/","title":{"rendered":"Kater ist Krankheit \u2013 OLG Frankfurt urteilt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_48517\" aria-describedby=\"caption-attachment-48517\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-48517\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Photo-by-Michael-Discenza-on-Unsplash-598x620.jpg\" alt=\"Kater Krankheit OLG Frankfurt \" width=\"330\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Photo-by-Michael-Discenza-on-Unsplash-598x620.jpg 598w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Photo-by-Michael-Discenza-on-Unsplash-399x414.jpg 399w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Photo-by-Michael-Discenza-on-Unsplash-768x797.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-48517\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Michael Discenza on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p>Pl\u00f6tzliche Magen-Darm-Grippe, Kind krank, Hund tot \u2013 gerade an Montagmorgen h\u00e4ufen sich die Krankmeldungen bei deutschen Arbeitgebern.<\/p>\n<p>Schuld ist nicht etwa die mysteri\u00f6s erh\u00f6hte Konzentration von Viren und Bakterien an Sams- und Sonntagen, sondern der Kater. Am Samstag Abend mit der Mannschaft oder dem Kegelclub einen gehoben, Sonntag geht\u2019s dir Hundeelend \u2013 man ist ja auch keine 21 mehr \u2013 und das einzige, was hilft, ist ein Konterbier. Oder Vier.<\/p>\n<p>Die \u00dcbelkeit ist wieder bet\u00e4ubt, der Appetit kommt wieder und wir legen uns mit wohlig, schwummrigem Gef\u00fchl ins Bett. Man wiegt sich in Sicherheit vor dem b\u00f6sen Hangover und sogar der bevorstehende Montag im B\u00fcro kommt einem kurzzeitig gar nicht so schlimm vor.<\/p>\n<p>Weit gefehlt. Wenn um 7 Uhr der Wecker klingelt, dr\u00f6hnt die Glocke im Kopf lauter als der K\u00f6lner Dom. So kann man unm\u00f6glich zur Arbeit. Aber was sagt man dem Chef? Ist die Zeit der Ausreden, vorget\u00e4uschten toten Omas und schwerkranken Haustieren endlich vorbei?<\/p>\n<h2>Das OLG Frankfurt best\u00e4tigt Entscheidung: Alkohol-Kater ist eine Krankheit<\/h2>\n<p>Juchee und Hoppsasa: Der hart erarbeitete Kater wird endlich als das akzeptiert, was er ist: Eine ernstzunehmende Krankheit, die es auszukurieren gilt. \u201eWer saufen kann, kann auch arbeiten\u201c ist nicht mehr. Wer saufen kann, kann sich auskurieren.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4rs, aber ganz so einfach ist es nicht.<\/p>\n<p>Im Verfahren vor dem OLG Frankfurt ging es nicht um die generelle Frage, ob der selbstverschuldete Rausch einen Grund f\u00fcr eine Krankschreibung darstellt, sondern um einen Nahrungserg\u00e4nzungsmittelhersteller, der ein P\u00fclverchen verkauft, das den Kater vorbeugen oder zumindest lindern soll. Ein Verein klagte gegen die Werbeaussagen des Anti-Hangover Drink Herstellers. Die Klage war erfolgreich.<\/p>\n<h2>Unzul\u00e4ssige Werbung oder korrekte Beschreibung?<\/h2>\n<p>Ob so ein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/lebensmittelrecht\/arzneimittelrecht-werbung-fuer-arzneimittel\">Werbeversprechen<\/a> &#8211; wie in diesem Fall &#8211; zul\u00e4ssig ist, h\u00e4ngt davon ab, ob der Kater eine Krankheit darstellt oder eben nicht.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eInformationen \u00fcber ein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/lebensmittelrecht-arzneimittelrecht\/\">Lebensmittel<\/a> d\u00fcrfen diesem keine Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit zuschreiben oder den Eindruck dieser Eigenschaft entstehen lassen\u201c, so das OLG.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei ist es unerheblich, ob bei der Krankheit eine \u00e4rztliche Behandlung notwendig ist oder nicht.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnter Krankheit ist jede, also auch eine geringf\u00fcgige oder vor\u00fcbergehende St\u00f6rung der normalen Beschaffenheit oder der normalen T\u00e4tigkeit des K\u00f6rpers zu verstehen\u201c. (OLG Frankfurt, Urteil v. 12.09.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20U%20114\/18\" title=\"6 U 114\/18 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">6 U 114\/18<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Der Beitrag stammt von unserer freien Autorin Katharina Reber. Er ist Teil unserer Reihe \u201cBerichte aus der Parallelwelt\u201d. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beitr\u00e4ge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeitr\u00e4ge Begebenheiten und Rechtsf\u00e4lle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem v\u00f6llig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser \u00fcberlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pl\u00f6tzliche Magen-Darm-Grippe, Kind krank, Hund tot \u2013 gerade an Montagmorgen h\u00e4ufen sich die Krankmeldungen bei deutschen Arbeitgebern. 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