{"id":48328,"date":"2019-10-14T06:43:05","date_gmt":"2019-10-14T05:43:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=48328"},"modified":"2022-08-10T23:30:27","modified_gmt":"2022-08-10T21:30:27","slug":"esportler-bin-ich-arbeitnehmer-oder-freelancer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/e-sportrecht\/esportler-bin-ich-arbeitnehmer-oder-freelancer\/","title":{"rendered":"E-Sportler: &#8220;Bin ich Arbeitnehmer oder Freelancer?&#8221;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_48331\" aria-describedby=\"caption-attachment-48331\" style=\"width: 394px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-48331\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/mark-cruz-VW2oU66mwbc-unsplash-708x358.jpg\" alt=\"Esportler: &quot;Bin ich Arbeitnehmer oder Freelancer?&quot;\" width=\"394\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/mark-cruz-VW2oU66mwbc-unsplash-708x358.jpg 708w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/mark-cruz-VW2oU66mwbc-unsplash-768x388.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/mark-cruz-VW2oU66mwbc-unsplash-620x313.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-48331\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Mark Cruz on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Gestern noch als Hobby unter Freunden, heute schon beim Profi-Team unter Vertrag. Einige Turniere gewonnen, Sponsoren auf sich aufmerksam gemacht, Matches auf Twitch gestreamt und schon ist man dem Profi-Bereich des E-S<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/sportrecht\/esport\">ports<\/a> so nah wie noch nie. Gerade in dieser Phase der Euphorie vergessen einige Spieler, dass sie Rechte und Pflichten haben. Insbesondere dann, wenn es nicht mehr nur um Spa\u00df geht und E-Sport dem Lebensunterhalt dient. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Ist der E-Sportler an dieser Stelle angekommen, sollte er sich die Frage stellen: Bin ich Arbeitnehmer oder Freelancer (freier Mitarbeiter)?<\/em><\/p>\n<h2>Stellung als Arbeitnehmer<\/h2>\n<p>Arbeitnehmer ist, wer auf Grund eines privatrechtlichen Vertrags im Dienste eines anderen weisungsgebundene, fremdbestimmte Arbeit in pers\u00f6nlicher Abh\u00e4ngigkeit verrichtet, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/611a.html\" title=\"&sect; 611a BGB: Arbeitsvertrag\">\u00a7 611a Abs. 1 S. 1 BGB<\/a>. Diese ist insbesondere durch das Weisungsrecht des Arbeitgebers gepr\u00e4gt und betrifft in der Regel Inhalt, Art, Zeit, Dauer und Ort der T\u00e4tigkeit, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GewO\/106.html\" title=\"&sect; 106 GewO: Weisungsrecht des Arbeitgebers\">\u00a7 106 Gewerbeordnung (GewO<\/a>). Ob eine Arbeitnehmereigenschaft vorliegt, richtet sich einzig nach den tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnissen und nicht etwa &#8211; wie von Laien oft angenommen &#8211; nach der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/arbeitsrecht-geschaeftsgeheimnisse-know-how\">Vertragsbezeichnung<\/a> und seiner Ausgestaltung.<\/p>\n<p>Arbeitgeber ist derjenige, der mit dem Arbeitnehmer den <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/arbeitsrecht-geschaeftsgeheimnisse-know-how\">Arbeitsvertrag<\/a> geschlossen hat, so dass er kraft Arbeitsvertrags die Arbeitsleistung verlangen kann und zur Zahlung der Verg\u00fctung verpflichtet ist. Im Bereich des E-Sports ist es in der Regel das Team selbst, welches sich zuvor in einer Rechtsform (z.B. GmbH, e.V.) zusammen findet und sodann als Rechtstr\u00e4ger im gesch\u00e4ftlichen Verkehr auftretten und selbstst\u00e4ndig Vertr\u00e4ge schlie\u00dfen kann. In diesem Fall werden Rechte und Pflichten des Spielers gegen\u00fcber dem Team festgelegt.<\/p>\n<h2>Stellung als Freelancer<\/h2>\n<p>Demgegen\u00fcber stehen die sog. Freelancer, die nach dem Arbeitsrecht selbstst\u00e4ndige Arbeitskr\u00e4fte darstellen. Als freie Mitarbeiten f\u00fchren sie selbstst\u00e4ndig und pers\u00f6nlich freie Auftr\u00e4ge in Rahmen von Dienst &#8211; oder Werkvertr\u00e4ge aus. Sie sind dabei weder weisungsgebunden, in eine betriebliche Organisation eingegliedert noch in pers\u00f6nlicher Abh\u00e4ngigkeit t\u00e4tig. Auch hier sind es in der Regel die Teams selbst, die im Rechtsverkehr als Auftraggeber t\u00e4tig werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Folgende wesentlichen Merkmale werden zur Unterscheidung von Arbeitnehmer und Freelancer herangezogen:<\/p>\n<table style=\"height: 1397px;\" width=\"736\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><\/td>\n<td valign=\"top\"><b>Arbeitnehmer<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\"><b>Freelancer<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><b>Weisungsgebundenheit \u00a0<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\">\n<ul>\n<li>Festgelegtes T\u00e4tigkeitsfeld (z.B. auf ein einziges Spiel begrenzt)<\/li>\n<li>Feste Trainingszeiten und Spielpl\u00e4ne (Teilnahme an bestimmten Turnieren und Ligen)<\/li>\n<li>Fester Trainingsort (kann auch virtuell sein!)<\/li>\n<li>Klare Strukturen<\/li>\n<li>Weisungen m\u00fcssen in der Regel in Person des Spielers ausgef\u00fchrt werden<\/li>\n<li>Treuepflicht gegen\u00fcber dem Arbeitgeber<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<ul>\n<li>Bestimmt frei dar\u00fcber, f\u00fcr wen, in welchen Ma\u00dfen, wann, wo und im welchem Umfang er t\u00e4tig wird<\/li>\n<li>Kann mehrere Auftraggeber (parallel) haben<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/li>\n<li>Kann seinen Auftrag auf Dritte delegieren, wenn nichts anderes vereinbart<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><b>Eingliederung in eine betriebliche Organisation<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\">\n<ul>\n<li>Professionelles Management (z.B.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Homepage, Kontaktdaten)<\/li>\n<li>Bereitstellen von Material, R\u00e4umen, Trainern, Betreuern etc.<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<ul>\n<li>Betreibt eigenst\u00e4ndiges Management mit eigener Ausstattung<\/li>\n<li>Keine betriebliche Eingliederung oder Organisation<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><b>Pers\u00f6nliche Abh\u00e4ngigkeit<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\">\n<ul>\n<li>Wirtschaftlich abh\u00e4ngig (feste Gehaltszahlung vertraglich vereinbart; aufgrund des Einbindung besteht keine M\u00f6glichkeit mehr, f\u00fcr andere t\u00e4tig zu werden)<\/li>\n<li>Soziale Schutzbed\u00fcrftigkeit (in Krankheitsf\u00e4llen\/Ausf\u00e4llen greift Sozialschutz- und die gesetzliche Unfall- und Krankenversicherung)<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<ul>\n<li>Keine auf Dauer angelegte T\u00e4tigkeit, aus der wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit erwachsen kann\u00a0= pers\u00f6nliche Unabh\u00e4ngigkeit<\/li>\n<li>Muss sich eigenst\u00e4ndig versichern sowie den Sozialversicherungspflichten (z.B. Zahlung von Steuern) nachkommen<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\"><b>Besonderheiten<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\">Arbeitnehmerschutz z.B. durch:<\/p>\n<ul>\n<li>K\u00fcndigungsschutz<\/li>\n<li>Zahlung von Mindestlohn<\/li>\n<li>Vorkehrungen gegen Gesundheitssch\u00e4den<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/esportrecht\/kevin-erst-raeumst-du-aber-mal-dein-zimmer-auf-der-urlaubsanspruch-im-e-sport\">Urlaubsanspruch<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Zus\u00e4tzliche vertragliche Regelungen m\u00f6glich:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\">Vermarktung von Pers\u00f6nlichkeitsrechten<\/a><\/li>\n<li>Umgang mit <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/category\/magazin\/social-media-recht\">Social Media<\/a><\/li>\n<li>Ausstiegsmodalit\u00e4ten<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/sportrecht\/was-ist-ein-ausruestervertrag\">Sponsoring-Klauseln<\/a><\/li>\n<li>Sperr- oder Konkurrenzklauseln<\/li>\n<li>Abl\u00f6sesummen<\/li>\n<li>Vertragsstrafen<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td valign=\"top\">\n<ul>\n<li>Kein Arbeitnehmerschutz<\/li>\n<li>Zus\u00e4tzliche Vereinbarungen m\u00f6glich, solange keine Arbeitnehmereigenschaft begr\u00fcndet wird<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Arbeitnehmerstellung ist vorteilhafter f\u00fcr E-Sportler<\/h2>\n<p>Schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass die Arbeitnehmerstellung f\u00fcr den E-Sportler mit wesentlich mehr Vorteilen verbunden ist als die des Freelancers. Jedoch ist es gar nicht so un\u00fcblich Freelancer einzusetzen, weil es den Auftraggebern mehr Flexibilit\u00e4t verspricht und sie auf Dauer keine hohen Fixkosten verursachen. Insbesondere werden sie h\u00e4ufig eingesetzt, wenn pl\u00f6tzlich Personalengp\u00e4sse bestehen oder lediglich ein Projekt auszuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Bei E-Sportlern kann es zum Beispiel die Teilnahme an einem bestimmten Liga- oder Turnierbetrieb sein. Dabei kann der Auftraggeber von den Erfahrungen, die der Spieler bereits in anderen Teams oder Organisationen gesammelt hat, profitieren. Doch Vorsicht! Denn dort, wo der Freelancer nicht mehr frei dar\u00fcber bestimmen kann, <em>Was<\/em> und <em>Bis Wann<\/em> er es ausf\u00fchrt, f\u00e4ngt die Grauzone der sog. \u201eScheinselbstst\u00e4ndigkeit\u201c an. Von dieser wird dann gesprochen, wenn ein Auftragsverh\u00e4ltnis zwischen Auftraggeber und dem freien Mitarbeiter \u00e4hnlich wie ein abh\u00e4ngiges Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis umgesetzt wird, aber die Sozialversicherungspflicht des Arbeitgebers umgangen wird.<\/p>\n<p>Welche Kriterien von den Beh\u00f6rden zur Abgrenzung der \u201eScheinselbst\u00e4ndigkeit\u201c herangezogen werden, ist bis heute nicht abschlie\u00dfend geregelt. Es kann schon ausreichen, wenn der Auftragsvertrag zu viele Details reguliert oder der E-Sportler an dem teameigenen Computer spielt, so dass Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung r\u00fcckwirkend vom Team abgef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Einzelfallentscheidung bei unklarer Indizienlage<\/h2>\n<p>Ist der E-Sportler sich nicht sicher, wie seine Stellung im Team rechtlich ausgestaltet ist, sollte er sich nicht scheuen, <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/sportrecht\/esport\">juristische Hilfe<\/a> in Anspruch zu nehmen und den Vertrag gegebenenfalls neu aufsetzen zu lassen. Ein pauschaler Rat, dass die vertragliche Ausgestaltung eines Freelancers f\u00fcr Anf\u00e4nger besonders ungeeignet ist, kann so nicht gegeben werden. Denn gerade viele namenhaften E-Sportler haben als \u201ekleine\u201c Freelancer angefangen und sind nun zu gro\u00dfen Stars erwachsen. Aber auch die schlichten Spielervertr\u00e4ge, die den E-Sportler als Arbeitnehmer behandeln, sind erfolgversprechend. Das zeigen beispielsweise die einzelnen Spieler der jeweiligen E-Sportabteilungen der Profi-Fu\u00dfballvereine.<\/p>\n<p>Fest steht, dass im Einzelfall dar\u00fcber entschieden werden muss, welche Vertragsausgestaltungen f\u00fcr den E-Sportler in seiner aktuellen Lage die bessere ist und welche Konsequenzen daraus erwachsen, wenn die Indizien unklar sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern noch als Hobby unter Freunden, heute schon beim Profi-Team unter Vertrag. Einige Turniere gewonnen, Sponsoren auf sich aufmerksam gemacht, Matches auf Twitch gestreamt und schon ist man dem Profi-Bereich des E-Sports so nah wie noch nie. Gerade in dieser Phase der Euphorie vergessen einige Spieler, dass sie Rechte und Pflichten haben. Insbesondere dann, wenn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":68,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[17994,17997,3173],"tags":[2167,17734,18020,18021],"class_list":["post-48328","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-e-sportrecht","category-arbeitsrecht-know-how-schutz-2","category-sportrecht","tag-arbeitnehmer","tag-esport","tag-freelancer","tag-esport-arbeitsrecht","topic_category-sportrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48328","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/68"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48328"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48328\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62711,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48328\/revisions\/62711"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}