{"id":46250,"date":"2019-06-18T06:00:37","date_gmt":"2019-06-18T05:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=46250"},"modified":"2019-06-18T05:07:19","modified_gmt":"2019-06-18T04:07:19","slug":"olg-stuttgart-amtsblaetter-duerfen-kein-aequivalent-zu-privaten-zeitungen-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/olg-stuttgart-amtsblaetter-duerfen-kein-aequivalent-zu-privaten-zeitungen-sein\/","title":{"rendered":"OLG Stuttgart: Amtsbl\u00e4tter d\u00fcrfen kein \u00c4quivalent zu privaten Zeitungen sein"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_46263\" aria-describedby=\"caption-attachment-46263\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-46263\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Fotolia_188298101_XS.jpg\" alt=\"Staatsferne der Presse Amtsbl\u00e4tter Pressefreiheit\" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Fotolia_188298101_XS.jpg 424w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Fotolia_188298101_XS-310x207.jpg 310w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-46263\" class=\"wp-caption-text\">@ Gina Sanders &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Das OLG Stuttgart hat in einem aktuellen Urteil best\u00e4tigt, dass kommunale Amtsbl\u00e4tter grunds\u00e4tzlich &#8220;pressefern&#8221; sein m\u00fcssen. <\/em><\/p>\n<p><em>Wie der BGH bereits in einem \u00e4lteren Urteil festgestellt hat, d\u00fcrfen die Zeitungen demnach hinsichtlich der Aufmachung und Gestaltung keinen privaten Presserzeugnissen \u00e4hneln. Begr\u00fcndet wird dies mit dem aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/5.html\" title=\"Art. 5 GG\">Art. 5<\/a> des Grundgesetzes folgernden Gebot der Staatsferne der Presse.<\/em><\/p>\n<h2>Verlagsunternehmen contra Kleinstadt<\/h2>\n<p>Ausgangspunkt des Urteils war ein bereits 2016 ver\u00f6ffentlichter Artikel des Amtsblatts der Kreisstadt Crailsheim gewesen. In diesem berichtete das Blatt unter anderem \u00fcber den aktuellen Stand diverse Verwaltungst\u00e4tigkeiten zur Fl\u00fcchtlingssituation.<\/p>\n<p>Einem ortsans\u00e4ssigen Verlagsunternehmen, das unter anderem das &#8220;Hohenloher Tagblatt&#8221; herausgibt, war dies ein Dorn im Auge. Die Zeitung war der Auffassung, das Amtsblatt habe den Grundsatz der Staatsferne der Presse nicht beachtet.<\/p>\n<p>Die Staatsferne der Presse wird aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/5.html\" title=\"Art. 5 GG\">Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG<\/a> hergeleitet. Prim\u00e4r soll diese eine Meinungsbildung durch den Staat &#8220;von oben nach unten&#8221; verhindern, welche andernfalls der Institution der freien Presse entgegenlaufen w\u00fcrde. Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs darf eine Berichterstattung durch kostenlose kommunale Amtsbl\u00e4tter der Leserschaft keine zu gro\u00dfe Menge an solchen Informationen bieten, die den Kauf einer &#8220;regul\u00e4ren&#8221; Zeitung entbehrlich machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zul\u00e4ssig sind demnach grunds\u00e4tzlich nur Sachinformationen und Bekanntgaben zu Angelegenheiten der Verwaltung. Entscheiden sei indes aber immer eine Gesamtbetrachtung im individuellen Einzelfall (BGH, Urteil v. 20.12.2018, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20112\/17\" title=\"I ZR 112\/17 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">I ZR 112\/17<\/a>). Wir berichteten:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht\/bgh-erweitertes-amtsblatt\">Wenn der Staat der Presse nicht mehr fern genug ist: Zur Zul\u00e4ssigkeit eines kostenlosen Amtsblatt mit redaktionellem Teil<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>OLG Stuttgart: Amtsblatt als Gesamtpaket kein \u00c4quivalent zur Lokalpresse<\/h2>\n<p>Die Klage blieb indes im Ergebnis ohne Erfolg. Das Berufungsgericht gab der Stadt Recht, da die beanstandete Ausgabe von 2016 nur an einigen wenigen Stellen nicht den vom Bundesgerichtshof aufgestellten Standards erf\u00fclle (OLG Stuttgart, Urteil v. 29.5.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20U%20180\/17\" title=\"OLG Stuttgart, 29.05.2019 - 4 U 180\/17: Wettbewerbsversto&szlig;: Unterlassungsanspruch eines private...\">4 U 180\/17<\/a>).<\/p>\n<p>In Betracht kam hier ein Versto\u00df gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), da es sich bei dem Grundsatz der Staatsferne um eine Marktverhaltensregel gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/3a.html\" title=\"&sect; 3a UWG: Rechtsbruch\">\u00a7 3 a) UWG<\/a> handelt. Ob gegen dieses Gebot tats\u00e4chlich versto\u00dfen wird, richtet sich gem\u00e4\u00df der BGH-Rechtsprechung nach dem Gesamtbild des Amtsblatts. Hierzu geh\u00f6ren die optische Gestaltung, die redaktionellen Elemente wie Kommentare oder Interviews, sowie die Frequenz des Vertriebs. Entscheidend sei, dass das Blatt keinen ad\u00e4quaten Ersatz zu einer regul\u00e4ren Zeitung darstellt. Grunds\u00e4tzlich immer \u00fcberschritten sei die Grenze dann, wenn das Druckerzeugnis nicht mehr als staatliche Publikation zu erkennen ist.<\/p>\n<p>Dies sei jedoch im Falle der Ausgabe von 2016 des Crailsheimer Amtsblattes nach Ansicht des OLG Stuttgart gerade nicht der Fall gewesen. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung liege kein Versto\u00df gegen die Staatsferne vor, da das Blatt auch \u00fcber Themen wie St\u00e4dtepartnerschaften, Kirchennachrichten und Veranstaltungen der Volkshochschule berichtet hatte.<\/p>\n<p>Die Ausgabe als Ganzes bilde insofern keinen ad\u00e4quaten Ersatz zu einer privaten Zeitschrift. Auch nach Ansicht des BGH begr\u00fcnden einzelne, die Grenzen des Grundsatzes \u00fcberschreitende Beitr\u00e4ge noch keine Unzul\u00e4ssigkeit der gesamten Ausgabe. Im Ergebnis sprachen die Richter in Stuttgart dem klagenden Verlag daher keinen Unterlassungsanspruch zu.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich stellt die Staatsferne der Presse einen sinnvollen und wichtigen Grundsatz in der Rechtsordnung dar. Private Verleger d\u00fcrfen den durch Steuergelder finanzierten, und f\u00fcr die Leser kostenlosen Amtsbl\u00e4ttern nicht schutzlos gegen\u00fcberstehen. Die gemeindliche \u00d6ffentlichkeitsarbeit muss hinsichtlich der Aufmachung des Blatts deutlich erkennbar sein, und sich auf blo\u00dfe Sachinformationen, wie Vorhaben der kommunalen Verwaltung und des Gemeinderats, beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Gerade nicht berichtet werden darf \u00fcber das gesellschaftliche Leben in der Kommune, da ansonsten die Artikel der lokalen Zeitschriften f\u00fcr den Leser entbehrlich w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Freilich sind Nachrichten, die \u00fcber blo\u00dfe Bekanntmachungen der Verwaltungst\u00e4tigkeiten hinausgehen solche, die die Leserschaft anlocken. Die eher &#8220;trockenen&#8221; Amtsbl\u00e4tter d\u00fcrften es daher angesichts der Rechtsprechung des BGH schwer haben, h\u00f6here Absatzzahlen zu erreichen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite wird allerdings je nach individuellem Einzelfall entschieden. Wie das Urteil zeigt, kann eine Gesamtbewertung dann auch zugunsten des Amtsblatts ausfallen. Schlie\u00dflich stellt die Pressefreiheit und der Schutz der privaten Verleger auf der anderen Seite ein Rechtsgut von Verfassungsrang dar. Die Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr Amtsbl\u00e4tter sind demnach im Ergebnis durchaus hinnehmbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG Stuttgart hat in einem aktuellen Urteil best\u00e4tigt, dass kommunale Amtsbl\u00e4tter grunds\u00e4tzlich &#8220;pressefern&#8221; sein m\u00fcssen. Wie der BGH bereits in einem \u00e4lteren Urteil festgestellt hat, d\u00fcrfen die Zeitungen demnach hinsichtlich der Aufmachung und Gestaltung keinen privaten Presserzeugnissen \u00e4hneln. Begr\u00fcndet wird dies mit dem aus Art. 5 des Grundgesetzes folgernden Gebot der Staatsferne der Presse. 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