{"id":46039,"date":"2019-06-17T06:24:29","date_gmt":"2019-06-17T05:24:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=46039"},"modified":"2019-06-17T17:43:12","modified_gmt":"2019-06-17T16:43:12","slug":"leihvertraege-im-fussball-wer-wechselt-wie-fuer-wie-viel-und-fuer-wie-lange-wohin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/sportrecht\/leihvertraege-im-fussball-wer-wechselt-wie-fuer-wie-viel-und-fuer-wie-lange-wohin\/","title":{"rendered":"Leihvertr\u00e4ge im Fu\u00dfball &#8211; wer wechselt wie, f\u00fcr wie viel und f\u00fcr wie lange wohin?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_46042\" aria-describedby=\"caption-attachment-46042\" style=\"width: 346px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-46042\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Fotolia_212118117_XS.jpg\" alt=\"Fu\u00dfball Leihe Vertrag\" width=\"346\" height=\"346\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-46042\" class=\"wp-caption-text\">@ fotomek &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Professioneller Fu\u00dfball geh\u00f6rt in Deutschland so sehr zum Samstagnachmittag wie die Ma\u00df zur Wiesn, und der Schinken nebst Kirschtorte zum Schwarzwald. <\/em><\/p>\n<p><em>Wer am Ende der Saison die Meisterschale in die H\u00f6he recken darf, und wer den bitteren Gang in die unteren Ligen antreten muss, entscheidet sich ma\u00dfgeblich an den unter Vertrag genommenen Spielern. <\/em><\/p>\n<p><em>Anstatt horrende Abl\u00f6sesummen zu zahlen, werden Edelkicker und Fliegenf\u00e4nger dabei h\u00e4ufig unter den Vereinen auf bestimmte Zeit verliehen. <\/em><\/p>\n<p><em>Wir kl\u00e4ren auf, wie dies aus rechtlicher Sicht im Einzelnen vonstatten geht.\u00a0<\/em><\/p>\n<h2>&#8220;Robbery&#8221; ad\u00e9, VFB oh weh, Videobeweis &#8211; och nee !<\/h2>\n<p>Die Saison im Oberhaus des deutschen Fu\u00dfballs ist seit dem 34. Spieltag am 18. Mai vorbei. Wieder einmal d\u00fcrfen die &#8220;Roten&#8221; aus den s\u00fcdlichen Freistaatlanden die begehrte Schale pr\u00e4sentieren. Im Pott gr\u00e4mt man sich angesichts der verpassten Meisterschaft, anderorts obsiegte eiserne Union \u00fcber schw\u00e4bische Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Der versierte &#8220;Comunio&#8221; oder &#8220;Kickbase&#8221;-Hobbymanager wei\u00df: Nun geht es in die Transferphase. Jovic zu Real, Kruse in die T\u00fcrkei oder San\u00e9 nach M\u00fcnchen? Die Ger\u00fcchtek\u00fcche brodelt.<\/p>\n<p>Geht es bei direkten Eink\u00e4ufen um inzwischen immer absurdere Abl\u00f6sesummen, greifen viele Vereine zur Alternative der Leihe eines oder mehrerer Akteure. Besonders beliebt ist das Modell des Ausborgens eines aufstrebenden Talents an einen unterklassigeren Verein. Befreit kann der Jungspund hier Erfahrungen (und Marktwert) sammeln, um zur rechten Zeit wieder an die urspr\u00fcngliche Wirkungsst\u00e4tte zur\u00fcckgeholt zu werden.<\/p>\n<p>Rein juristisch sind solche Absprachen mit einer Arbeitnehmer\u00fcberlassung (auch Leiharbeit oder &#8220;AN\u00dc&#8221; abgek\u00fcrzt) gleichzusetzen. Eine solche liegt grunds\u00e4tzlich dann vor, wenn der Arbeitnehmer (brasilianisches Talent mit zwei rechten F\u00fc\u00dfen oder aber Flasche leer) von einem Arbeitgeber (Nasewei\u00df Christoph Daum in besseren Tagen) einem Dritten als Entleiher (Teenie-Schw\u00e4rme Nagelsmann und Kohfeldt) gegen Entgelt f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum \u00fcberlassen wird.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend zwischen dem Verleiher und dem Entleiher ein solcher Arbeitnehmer\u00fcberlassungsvertrag geschlossen wird, einigen sich der vormalige Arbeitgeber und der Arbeitnehmer auf einen Arbeitsvertrag unter Anwendung eines Tarifvertrages. Das Gehalt des verliehenen Personals \u00fcbernimmt weiterhin der Arbeitgeber. Der Entleiher zahlt diesem einen festgesetzten Stundensatz, w\u00e4hrend der Arbeitnehmer dem neuen Chef(-trainer) seine Arbeitsleistung schuldet.<\/p>\n<p>Innerhalb dieser Vertr\u00e4ge existieren indes weitreichende Spielr\u00e4ume f\u00fcr individuelle Absprachen zwischen den Vereinen. Die im professionellen Fu\u00dfball g\u00e4ngigsten Varianten sind dabei neben der &#8220;normalen&#8221; Leihe die Leihe mit Kaufoption und die Leihe mit bedingter Kaufpflicht.<\/p>\n<h2>Variante 1: Die Leihe mit Kaufoption<\/h2>\n<p>Haben sich Gro\u00dfstadtclub und Vorortteam geeinigt, einen Spieler untereinander verleihen zu wollen, verpflichtet sich dieser, seine Arbeitsleistung nun f\u00fcr die neue Truppe zu erbringen. Eine solche Absprache kann mit einer Kaufoption verbunden werden. Dann hat die aufnehmende Sportvereinigung die M\u00f6glichkeit, bis zu einer vereinbarten Frist eine festgelegte Abl\u00f6sesumme zu zahlen, um den Spieler vollends in das eigene Arbeitsverh\u00e4ltnis einzubinden. In Folge dessen wird dann ein Arbeitsvertrag zwischen dem neuen Klub und dem Ballspezialisten abgeschlossen.<\/p>\n<p>Wie hoch der Kaufpreis des Spielers ist, richtet sich meist nach dessen Alter, F\u00e4higkeiten, Potential und der L\u00e4nge des Vertrages mit dem alten Verein. Freilich muss von dieser M\u00f6glichkeit kein Gebrauch gemacht werden. So scheint beispielsweise der FC Bayern im Falle von James Rodriguez die Kaufoption in H\u00f6he von 42 Millionen Euro an Real Madrid nicht ziehen zu wollen. Juristisch einwandfrei, d\u00fcrfte zumindest aus sportlicher Sicht der ein oder andere FCB-Fan die Stirn runzeln.<\/p>\n<p>Eine solche Kaufoption zwingt den verleihenden Verein indes auf der anderen Seite keineswegs dazu, den Spieler auch tats\u00e4chlich final abzugeben, wenn der &#8220;neue&#8221; Klub dies w\u00fcnscht. Mausert sich ein geborgter Kicker zu einem echten Top-Talent, lauern erfahrungsgem\u00e4\u00df alsbald weitere Interessenten auf dem Transfermarkt. Diese sind unter Umst\u00e4nden gewillt und in der Lage, weitaus h\u00f6here Summen f\u00fcr den Fl\u00fcgelflitzer von morgen auf den Tisch zu legen. Freilich besteht dann die M\u00f6glichkeit, den Spieler nach Ablauf der Leihe an eine g\u00e4nzlich neue Sportgemeinschaft abzugeben.<\/p>\n<h2>Variante 2: Die Leihe mit bedingter Kaufpflicht<\/h2>\n<p>Neben einer m\u00f6glichen Kaufoption schlie\u00dfen Vereine oftmals Vertr\u00e4ge mit einer Kaufpflicht, welche wiederum an bestimmte Bedingungen gekn\u00fcpft ist.<\/p>\n<p>G\u00e4ngige Praxis ist es so, dass eine solche Pflicht zur festen \u00dcbernahme des Spielers an bestimmte Leistungen des Akteurs gebunden ist. Kommt der Spieler beispielsweise in einem speziellen Wettbewerb (Champions League, Euroleague oder auch einfach in der nationalen Liga) auf eine bestimmte Anzahl von Eins\u00e4tzen, kann der \u00dcbernehmende per Vereinbarung dazu verpflichtet sein, diesen zu kaufen. Durchaus denkbar &#8211; und in der Praxis auch schon vorgekommen &#8211; ist hier, dass ein sich als unpassend herausstellender Spieler dann zum Ende der Saison nicht mehr in den Kader berufen wird. So mancher Rekordnationalspieler darf sich durchaus a little bit lucky f\u00fchlen, dass sprachliche Anforderungen eher selten ihren Weg in die Abkommen finden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden h\u00e4ufig Leihvertr\u00e4ge mit einer festgelegten Abl\u00f6sesumme geschlossen, wenn der ausleihende Klub aktuell nicht \u00fcber das n\u00f6tige Kleingeld f\u00fcr einen direkten Kauf verf\u00fcgt. Von dieser Option wird ebenso Gebrauch gemacht, wenn ein Verein im Rahmen des &#8220;Financial Fairplay&#8221; der UEFA keine weiteren Akteure mehr ins hauseigene Stadion locken darf. Oftmals kommt es in solchen F\u00e4llen zu Ratenzahlungen der \u00fcbernehmenden &#8220;Squadra&#8221;. Das &#8220;Financial Fairplay&#8221; ist ein Reglement der UEFA zur Lizenzierung aller Klubs f\u00fcr die Teilnahme an den europ\u00e4ischen Wettbewerben, im Einzelnen der Championsleague und der Euroleague. Die Vereine m\u00fcssen bestimmte sportliche, infrastrukturelle, rechtliche und finanzielle Kriterien erf\u00fcllen. Als Richtlinie gilt hier der Grundsatz, dass im Verlauf der jeweils vergangenen drei Jahre relevante Einnahmen die relevanten Ausgaben mindestens ausgleichen m\u00fcssen. Angesichts astronomischer Summen f\u00fcr Spieler von Format haben diverse Klubs allerdings anhaltende Schwierigkeiten, dies zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich erlaubt es die Vertragsfreiheit den Vereinen, bei den Leihvertr\u00e4gen eine Vielzahl von individuellen Absprachen zu treffen. An Bedingungen gekn\u00fcpfte Einigungen mit Kaufpflicht oder -option geh\u00f6ren zum t\u00e4glichen Gesch\u00e4ft. Gerade junge Sportler sollten bei der Ausarbeitung ihrer Spielervertr\u00e4ge sorgf\u00e4ltig vorgehen. Einen Wegweiser zur rechtlichen Beratung finden Sie hier:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/sportrecht\/beratung-von-profi-sportvereinen-und-profi-sportlern\">Beratung von Sportvereinen und Profi-Sportlern<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch f\u00fcr Sportvermittler und Spielerberater geh\u00f6ren Arbeitsvertr\u00e4ge ihrer Sch\u00fctzlinge mit Klubs und Vereinen zum Grundhandwerk:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/sportrecht\/beratung-von-spielervermittlern-und-sportmanagern\">Beratung von Spielervermittlern und Sportmanagern<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>In diesem Sinne darf man auf eine weitere, hoffentlich abwechslungsreiche Saison 2019\/20 hoffen. Mit dem 1. FC K\u00f6ln, Fortuna D\u00fcsseldorf, Schalke, Dortmund und zweimal Vereinen aus Berlin sind spannende Derbys in jedem Fall vorprogrammiert. Denn: &#8220;Es gibt nur eine M\u00f6glichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage&#8221; (Zitat vom Kaiser, ca. 2010).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professioneller Fu\u00dfball geh\u00f6rt in Deutschland so sehr zum Samstagnachmittag wie die Ma\u00df zur Wiesn, und der Schinken nebst Kirschtorte zum Schwarzwald. Wer am Ende der Saison die Meisterschale in die H\u00f6he recken darf, und wer den bitteren Gang in die unteren Ligen antreten muss, entscheidet sich ma\u00dfgeblich an den unter Vertrag genommenen Spielern. 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