{"id":45354,"date":"2019-05-07T06:27:11","date_gmt":"2019-05-07T05:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=45354"},"modified":"2022-07-14T18:53:37","modified_gmt":"2022-07-14T16:53:37","slug":"persoenlich-adressierte-werbung-trotz-widerspruch-stellt-verstoss-dar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/persoenlich-adressierte-werbung-trotz-widerspruch-stellt-verstoss-dar\/","title":{"rendered":"LG Frankfurt: Adressierte Werbung trotz Widerspruch stellt Versto\u00df dar"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_45355\" aria-describedby=\"caption-attachment-45355\" style=\"width: 403px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-45355\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Fotolia_258041552_XS.jpg\" alt=\"Pers\u00f6nlich adressierte Werbung trotz Widerspruch stellt Versto\u00df dar\" width=\"403\" height=\"237\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Fotolia_258041552_XS.jpg 452w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Fotolia_258041552_XS-354x207.jpg 354w\" sizes=\"(max-width: 403px) 100vw, 403px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45355\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 blende11.photo \u2013 Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Werbeprospekte &#8211; jeder kennt sie und oft wandern sie ungelesen und unverz\u00fcglich in die Tonne. <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/aufkleber-keine-werbung-gilt-nicht-fur-kostenlose-zeitschriften-und-anzeigenblatter\">Ein am Briefkasten angebrachter Sperrvermerk in Form eines Aufklebers oder \u00c4hnlichem kann zumindest bei der sogenannten Briefkastenwerbung Abhilfe schaffen<\/a>. Doch was, wenn der Brief an einen pers\u00f6nlich adressiert ist?<\/em><\/p>\n<p><em>Wie das LG Frankfurt nun entschied, stellt pers\u00f6nlich adressierte Werbung zumindest dann einen Versto\u00df auf Seiten des Werbenden dar, wenn zuvor ein Widerspruch des Empf\u00e4ngers bei ihm eingegangen ist (LG Frankfurt, Urteil v. 28.2.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2-03%20O%20337\/18\" title=\"LG Frankfurt\/Main, 28.02.2019 - 3 O 337\/18: Versendung eines pers&ouml;nlich adressierten Werbeschre...\">2-03 O 337\/18<\/a>). Werbetreibende sollten einen solchen Werbewiderspruch somit keinesfalls ignorieren und sorgf\u00e4ltig damit umgehen.<\/em><\/p>\n<h2>Hintergr\u00fcnde des Falls<\/h2>\n<p>Bei dem Fall handelte es sich um eine Verbraucherin, die zun\u00e4chst bei einer Bankfiliale Interesse an Werbung ge\u00e4u\u00dfert und auch zu diesem Zweck ihre Anschrift hinterlassen hatte. Per E-Mail lie\u00df sie die Bank jedoch 2017 wissen, dass sie keine Werbung mehr erhalten wolle.<\/p>\n<p>Als daraufhin trotzdem ein an sie adressierter Werbebrief zur F\u00fchrung eines Girokontos im Briefkasten landete, schaltete sich der Verbraucherverein ein, der die Bank <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/schutz-vor-abmahnungen\/\">abmahnte<\/a>. Die von dem Verein geforderte Unterlassungserkl\u00e4rung gab die Bank zwar ab, beschr\u00e4nkte diese jedoch nur auf die betroffene Verbraucherin.<\/p>\n<h2>Unterlassungsanspruch des Verbrauchervereins bezieht sich auf alle Verbraucher<\/h2>\n<p>Das Gericht stellte in seinem Leitsatz indessen fest: Ein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/markenrecht\/mehr-ist-weniger-die-antragsfassung-beim-unterlassungsanspruch\">Unterlassungsanspruch<\/a>, der einer qualifizierten Einrichtung &#8211; wie dem Verbraucherverein &#8211; in einem solchen Fall gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 1 Satz 1 sowie<\/a> <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 1 Satz 2<\/a> des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) zusteht, kann sich jedoch auf alle Verbraucher beziehen.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/aktivlegitimation-von-verbaenden-nach-uwg-bzw-uklag\">N\u00e4heres zur Aktivlegitimation von Verb\u00e4nden kann auf dieser Themenseite nachgelesen werden.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Auch einmalige Zusendung trotz Widerspruch stellt unzumutbare Bel\u00e4stigung dar<\/h2>\n<p>Das Argument, es habe sich bei dem Adressieren an die Betroffene um einen einmaligen Bearbeitungsfehler gehandelt, spielt laut Gericht keine Rolle. Bereits die einmalige Zusendung von unerw\u00fcnschter Briefwerbung trotz Widerspruchs sei eine unzumutbare Bel\u00e4stigung im Sinne des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 1 Satz 2 UWG<\/a>. Dabei werde die Unzumutbarkeit durch den Widerspruch indiziert.<\/p>\n<p>Auch handele es sich um keinen \u201eAusrei\u00dfer\u201c, der bei der sogenannten Briefkastenwerbung zu tolerieren sei, bei der Werbung, die nicht- oder teiladressiert ist (z.B. &#8220;an alle Bewohner der Stra\u00dfe x&#8221;), in die Briefk\u00e4sten der Empf\u00e4nger eingeworfen wird.<\/p>\n<p>Anders als bei dieser, k\u00f6nne der Werbende n\u00e4mlich bei der individuell adressierten Briefwerbung Vorkehrungen treffen, damit entsprechende Werbung nicht an solche Empf\u00e4nger adressiert und versendet wird, die dem Erhalt von Werbung widersprochen haben.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Der Fall zeigt somit: Widerspr\u00fcche von Kunden gegen Werbema\u00dfnahmen sollten in jedem Fall beachtet werden. Auch aus datenschutzrechtlichen Gr\u00fcnden kann beispielsweise eine Bestandsaufnahme des Daten- und Adressenpools n\u00fctzlich sein, wenn basierend auf diesem, Werbung verschickt werden soll. Somit k\u00f6nnen rechtliche Vorgaben von vornherein \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Denn wie das Gericht herausstellte, sind alle technischen Vorkehrungen zu treffen, damit das Versenden von ausdr\u00fccklich unerw\u00fcnschter Werbung verhindert wird. Dies k\u00f6nne beispielsweise auch durch eine elektronische bzw. automatisiert maschinelle Erfassung geschehen. Andernfalls k\u00f6nnten ein T\u00e4tigwerden von <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/datenschutzrecht\">Datenschutzbeh\u00f6rden<\/a> und teure Abmahnungen die Folge sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werbeprospekte &#8211; jeder kennt sie und oft wandern sie ungelesen und unverz\u00fcglich in die Tonne. Ein am Briefkasten angebrachter Sperrvermerk in Form eines Aufklebers oder \u00c4hnlichem kann zumindest bei der sogenannten Briefkastenwerbung Abhilfe schaffen. Doch was, wenn der Brief an einen pers\u00f6nlich adressiert ist? 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