{"id":44585,"date":"2019-03-29T06:32:23","date_gmt":"2019-03-29T05:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=44585"},"modified":"2019-03-29T04:35:27","modified_gmt":"2019-03-29T03:35:27","slug":"30-000-euro-fuer-einen-videoclip-mit-dali-werken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/30-000-euro-fuer-einen-videoclip-mit-dali-werken\/","title":{"rendered":"Museum muss 30.000 Euro f\u00fcr einen Videoclip mit Dal\u00ed-Werken zahlen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_44600\" aria-describedby=\"caption-attachment-44600\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-44600 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fotolia_142658122_XS.jpg\" alt=\"30.000 Euro f\u00fcr einen Videoclip mit Dali-Werken zahlen\" width=\"330\" height=\"364\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-44600\" class=\"wp-caption-text\">@matiasdelcarmine &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Die Nachlassverwalter Dal\u00eds, die Fundaci\u00f3n Gala-Salvador Dal\u00ed, hatten mindestens 200.000 Euro <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/glossar\/schadensersatz\">Schadenersatz<\/a> gefordert, weil das Berliner Museum <\/em><em>von Ende April 2011 bis Mitte M\u00e4rz 2015 mit einem 31-sek\u00fcndigen <\/em><em>Werbefilm <\/em><em>bei YouTube auf seine Ausstellung hingewiesen hat.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Darin wurden surrealistische Motive des spanischen K\u00fcnstlers mit Berliner Sehensw\u00fcrdigkeiten kombiniert<\/em><em>. Der Clip wurde rund 28.000 Mal angeklickt. Die Dal\u00ed-Stiftung sah darin eine unzul\u00e4ssige Nutzung der Werke des K\u00fcnstlers und klagte gegen das Museum auf Schadensersatz.<\/em><\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2>Museum bewarb Ausstellung mit Videoclip<\/h2>\n<p>Kl\u00e4gerin war die Stiftung Gala-Salvador Dal\u00ed, die vom Spanischen Staat als Universalerben des ber\u00fchmten K\u00fcnstlers unter anderem mit der Wahrung und Verteidigung der Immaterialg\u00fcterrechte von Dal\u00ed, insbesondere seinen Urheber-, Bildnis-, Marken- und Pers\u00f6nlichkeitsrechten beauftragt ist. Die Privatstiftung ging gegen die Betreiber des Museums &#8220;Dal\u00ed \u2013 Die Ausstellung am Potsdamer Platz&#8221; wegen diverser <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/glossar\/urheberrecht\">Urheberrechtsverletzungen<\/a> vor.<\/p>\n<p>Das Museum \u00abDal\u00ed &#8211; Die Ausstellung am Potsdamer Platz\u00bb zeigt seit rund zehn Jahren mehr als 450 Dal\u00ed-Exponate aus privaten Sammlungen.<\/p>\n<h2>31 teure Sekunden<\/h2>\n<p>In dem kurzen Videoclip, in dem das Museum auf seine Ausstellung hingewiesen hat, sind k\u00fcnstlerische Elemente, die mit dem Schaffen des K\u00fcnstlers in Zusammenhang stehen, mit Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt Berlin verbunden worden. Darin waren beispielsweise ein kubistischer Engel am Fernsehturm zu sehen, eine zerlaufende Uhr an der Ged\u00e4chtniskirche, ein Schmetterling vor der Berliner Mauer und ein Torero neben dem Brandenburger Tor.<\/p>\n<h2>Kl\u00e4gerin w\u00e4hlte M\u00fcnchen als Gerichtsstand<\/h2>\n<p>Dass ein M\u00fcnchner Gericht \u00fcber das Video des Berliner Museums verhandelte, liegt daran, dass das Video bundesweit auf YouTube abrufbar war. Deshalb konnte sich die Stiftung als Kl\u00e4gerin einen Gerichtsstand aussuchen.<\/p>\n<h2>LG M\u00fcnchen stellt mehrfache Urheberrechtsverletzungen fest<\/h2>\n<p>Schon das Landgericht M\u00fcnchen (LG M\u00fcnchen I, Teilurteil v. 18.07.2014, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=21%20O%2012546\/13\" title=\"LG M&uuml;nchen I, 18.07.2014 - 21 O 12546\/13: Anspruch auf Unterlassung der &ouml;ffentlichen Zug&auml;nglich...\">21 O 12546\/13<\/a>) hat deutlich gemacht, dass eine Urheberrechtsverletzung an bestimmten Werken des K\u00fcnstlers vorliege. Insgesamt 13 Dal\u00ed-Motive waren nach Gerichtsangaben zu sehen, in 6 davon erkannte das Oberlandesgericht eine Urheberrechtsverletzung. Es handele sich dabei um Werke der bildenden Kunst gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">\u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 UrhG<\/a>, da sie die individuelle Pers\u00f6nlichkeit des Surrealisten als eigene geistige Sch\u00f6pfung widerspiegeln w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Mit der Ver\u00f6ffentlichung in dem Video sei eine \u00f6ffentliche Wiedergabe nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/19a.html\" title=\"&sect; 19a UrhG: Recht der &ouml;ffentlichen Zug&auml;nglichmachung\">\u00a7 19a UrhG<\/a> erfolgt, da die dort wiedergegebenen Stilelemente, wie Kr\u00fccken, schmelzende Uhren, Schmetterlinge, Figuren mit Fl\u00fcgeln, schwarze Schattenfiguren, Elefanten mit langen Beinen, Schubladen, ein Kistenkreuz sowie N\u00e4gel, eine nahezu identische Gestaltung aufweisen. Es komme nicht darauf an, dass die Darstellung nur so schnell und kurzzeitig erfolge, dass eine Wahrnehmung f\u00fcr den Betrachter gar nicht richtig m\u00f6glich sei, zumal eine blo\u00dfe Verlangsamung oder ein Anhalten des Videos die Werkbetrachtung zulie\u00dfe.<\/p>\n<h2>Keine freie Benutzung<\/h2>\n<p>Der Museum kann sich auch nicht auf eine freie Benutzung im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/24.html\" title=\"&sect; 24 UrhG: (weggefallen)\">\u00a7 24 Abs. 1 UrhG<\/a> berufen, weil mit dem Video ein selbst\u00e4ndiges neues Werk in freier Benutzung eines anderen Werks geschaffen worden sei. Die eigenpers\u00f6nlichen Z\u00fcge der gesch\u00fctzten \u00e4lteren Werke verblassen nicht, da (teilweise) sogar individuelle Gestaltungselemente identisch \u00fcbernommen worden sind.<\/p>\n<p>Es handle sich mithin nicht um eigenst\u00e4ndige grafische Gestaltungen, die lediglich als Stilelemente von den kundigen angesprochenen Verkehrskreisen dem K\u00fcnstler Dal\u00ed zugeordnet werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ferner handle es sich bei dem Video um ein Werbevideo, das auf die Ausstellung des Museums aufmerksam machen und m\u00f6glichst viele Interessierte anlocken sollte. Der Argumentation, es handle sich nicht um Werbung, sondern eine Hommage an Dal\u00ed, folgte das Gericht nicht. Es liege keine \u201eselbstlose Ehrung\u201c eines gro\u00dfen K\u00fcnstlers vor.<\/p>\n<h2><strong>Lizenznachzahlung: 100 Euro pro Monat je Werknutzung \u201esehr, sehr g\u00fcnstig\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Bei einem Schadenersatz von 30.000 Euro insgesamt w\u00e4ren dies 1.250 Euro pro Werk und Jahr. Damit zahle das Museum rund 100 Euro im Monat f\u00fcr die Verwendung eines Dal\u00ed-Werkes. Dieser Betrag erscheine sehr g\u00fcnstig, so der Vorsitzende Richter. Er empfahl dem Museum, die Berufung zur\u00fcckzunehmen und die vom Landgericht M\u00fcnchen festgesetzten 30.000 Euro zu zahlen. Mit der R\u00fccknahme der Berufung ist das Urteil des Landgerichtes M\u00fcnchen nun auch rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nachlassverwalter Dal\u00eds, die Fundaci\u00f3n Gala-Salvador Dal\u00ed, hatten mindestens 200.000 Euro Schadenersatz gefordert, weil das Berliner Museum von Ende April 2011 bis Mitte M\u00e4rz 2015 mit einem 31-sek\u00fcndigen Werbefilm bei YouTube auf seine Ausstellung hingewiesen hat.\u00a0 Darin wurden surrealistische Motive des spanischen K\u00fcnstlers mit Berliner Sehensw\u00fcrdigkeiten kombiniert. Der Clip wurde rund 28.000 Mal angeklickt. 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