{"id":44422,"date":"2019-03-21T06:42:24","date_gmt":"2019-03-21T05:42:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=44422"},"modified":"2022-07-14T19:01:53","modified_gmt":"2022-07-14T17:01:53","slug":"kunsthalle-muss-schadensersatz-fuer-entfernung-von-kunst-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/kunsthalle-muss-schadensersatz-fuer-entfernung-von-kunst-zahlen\/","title":{"rendered":"Die Vernichtung von Kunst: Unter Umst\u00e4nden erlaubt &#8211; aber um welchen Preis?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_44423\" aria-describedby=\"caption-attachment-44423\" style=\"width: 425px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-44423\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/federica-campanaro-27450-unsplash.jpg\" alt=\"Kunsthalle muss Schadensersatz f\u00fcr Entfernung von Kunst zahlen\" width=\"425\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/federica-campanaro-27450-unsplash.jpg 2560w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/federica-campanaro-27450-unsplash-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/federica-campanaro-27450-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/federica-campanaro-27450-unsplash-620x413.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-44423\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Federica Campanaro on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Man k\u00f6nnte meinen, mit seinem Eigentum d\u00fcrfe man ohne Konsequenzen machen, was man m\u00f6chte. Und damit auch mit Kunstwerken, die einem geh\u00f6ren. <\/em><\/p>\n<p><i>Der Bundesgerichtshof hat jedoch in im Fall einer Kunstinstallation in der Mannheimer Kunsthalle entschieden, dass K\u00fcnstler zwar nicht immer\u00a0verhindern k\u00f6nnen, dass ihre Kunstwerke vom Eigent\u00fcmer entfernt oder vernichtet werden. Sie k\u00f6nnen jedoch\u00a0daf\u00fcr\u00a0ggfls. Schadensersatz verlangen.<\/i><\/p>\n<h2>Entfernung des Werkes aufgrund von Umbauma\u00dfnahmen<\/h2>\n<p>Bei dem in dem Verfahren vor dem BGH betroffenen Kunstwerk handelte es sich zum einen um eine ab 2006 erschaffene Rauminstallation &#8220;HHole (for Mannheim)&#8221;. Sie pr\u00e4sentierte sich als Loch, das verschiedene Teile durch mehrere Stockwerke der Kunsthalle Mannheim miteinander verband. Zum anderen drehte es sich um die Lichtinstallation \u201ePHaradise\u201c in dem Dach- und Kuppelbereich eines anderen Geb\u00e4udeteils. (BGH, Urteile v. 21.2.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2098\/17\" title=\"BGH, 21.02.2019 - I ZR 98\/17: HHole (for Mannheim) - Zur Zul&auml;ssigkeit der Entfernung von Kunsti...\">I ZR 98\/17<\/a> &#8211; HHole (for Mannheim) &#8211; und Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2099\/17\" title=\"I ZR 99\/17 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">I ZR 99\/17<\/a>).<\/p>\n<p>Keine kleinen Projekte und bei einer Entkernung des einen und einer Dachsanierung des anderen Geb\u00e4udeteils schwierig zu erhalten. Zumal das \u201eMannheimer Loch\u201c, wie das Werk auch genannt wurde, aus Brandschutzgr\u00fcnden permanent unter Beobachtung stehen musste.<\/p>\n<h2>Schadenersatz von bis zu 66.000 Euro m\u00f6glich<\/h2>\n<p>Nicht verwunderlich also, dass die Kuratoren des Museums dachten, es sei <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/bgh-urteil-zerstoerung-eines-kunstwerkes-faellt-unter-%C2%A7-14-urhg\">allen am Besten damit geholfen, die Installationen ganz zu entfernen<\/a>. Die K\u00fcnstlerin Nathalie Braun Barends, die sich in ihrem <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheber-und-designrecht-2\">Urheberrecht<\/a> verletzt sah, und der Bundesgerichtshof belehrten sie nun eines Besseren. Die Verpflichtung zur Schadensersatzzahlung d\u00fcrfte das Museum reichlich schmerzen, wenn sie auch unter der begehrten Verg\u00fctung der K\u00fcnstlerin lag.<\/p>\n<p>Diese verlangte neben dem Erhalt bzw. Wiederherstellung der Installationen hilfsweise, Schadensersatz von nicht unter 90.000 Euro f\u00fcr die Lichtinstallation und nicht unter 220.000 Euro f\u00fcr das \u201eMannheimer Loch&#8221;. Nun muss das Museum zumindest f\u00fcr letzteres mit einem Schadensersatz von bis zu 66.000 Euro rechnen. Der Bundesgerichtshof hat die Entscheidung zur endg\u00fcltigen Kl\u00e4rung der H\u00f6he, an die Berufungsinstanz, dem Oberlandesgericht Karlsruhe, zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n<p>Somit gewannen und verloren beide Parteien. Au\u00dferdem fiel eine Interessensabw\u00e4gung, die laut Bundesgerichtshof bei der Vernichtung eines urheberrechtlich gesch\u00fctzten Kunstwerkes vorzunehmen sei, in hiesigem Falle f\u00fcr das Beseitigungsinteresse des Eigent\u00fcmers des Werkes aus. Die Vernichtung des Kunstwerkes war insoweit rechtm\u00e4\u00dfig und das Erhaltungsinteresse der K\u00fcnstlerin musste zur\u00fcckstehen. Siehe zu dem Thema auch den folgenden Artikel:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/bgh-urteil-zerstoerung-eines-kunstwerkes-faellt-unter-%c2%a7-14-urhg\">Sch\u00fctzt das Urheberrecht Kunstwerke vor Zerst\u00f6rung? \u2013 Der BGH hat entschieden<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Zerst\u00f6rung nicht zwingend rechtswidrig, aber eventuell teuer<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/vernichtung-werkstueck-entstellung\">In Zukunft wird die Frage, welche Kunst erhalten werden soll und wann das Interesse des K\u00fcnstlers das des Eigent\u00fcmers \u00fcberwiegt, die Gerichte wohl h\u00e4ufiger besch\u00e4ftigen<\/a>. Dies ist vor allem bei Kunstwerken, die mit einem Geb\u00e4ude oder einem Platz verankert sind, von Bedeutung.<\/p>\n<p>In jedem Fall gilt:\u00a0Unabh\u00e4ngig davon, ob Eigent\u00fcmer der Kunst staatlicher Natur ist, es sich um ein Museum handelt oder der private Kunstliebhaber sich an einem Werk satt gesehen hat, welches in seinem Besitz liegt &#8211; die Zerst\u00f6rung oder Entfernung desselben muss wohl \u00fcberlegt sein. Zwar ist die Vernichtung nicht zwingend rechtswidrig, doch sollte man ein paar Euro beiseitegelegt haben, um einen etwaigen Verg\u00fctungsanspruch des K\u00fcnstlers stemmen zu k\u00f6nnen. Denn dieser wird ihn im Zweifel gerichtlich durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man k\u00f6nnte meinen, mit seinem Eigentum d\u00fcrfe man ohne Konsequenzen machen, was man m\u00f6chte. Und damit auch mit Kunstwerken, die einem geh\u00f6ren. 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