{"id":44058,"date":"2019-02-27T18:02:31","date_gmt":"2019-02-27T17:02:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=44058"},"modified":"2019-04-08T23:10:57","modified_gmt":"2019-04-08T22:10:57","slug":"15-000-eur-schmerzensgeld-fuer-diffamierenden-twitter-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/15-000-eur-schmerzensgeld-fuer-diffamierenden-twitter-kommentar\/","title":{"rendered":"Rassistischer Tweet hat 15.000 EUR Schmerzensgeld zur Folge \u2013 mit Bestand?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_44061\" aria-describedby=\"caption-attachment-44061\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-44061\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marian-kroell-1217176-unsplash.jpg\" alt=\"15.000 EUR Schmerzensgeld f\u00fcr diffamierenden Twitter-Kommentar\" width=\"320\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marian-kroell-1217176-unsplash.jpg 2560w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marian-kroell-1217176-unsplash-90x60.jpg 90w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marian-kroell-1217176-unsplash-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marian-kroell-1217176-unsplash-620x414.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-44061\" class=\"wp-caption-text\">Photo by Marian Kroell on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>\u00dcber die \u00c4u\u00dferung \u201eKleiner Halbneger\u201c hatte das Landgericht Berlin am 15. Januar 2019 zu urteilen und entschied: 15.000 EUR Schmerzensgeld f\u00fcr den Betroffenen Noah Becker, Sohn der Tennis-Legende Boris Becker. <\/em><\/p>\n<p><em>Dieser hatte aufgrund des ehrverletzenden Twitter-Kommentars gegen den AfD-Politiker <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/maier-afd-rassistischer-tweet-lg-berlin\">Jens Maier<\/a> Klage erhoben. Ob die Entscheidung in zweiter Instanz Bestand haben wird, ist mit Blick auf die strengen Voraussetzungen bei der Festlegung von Geldentsch\u00e4digungen nicht sicher.<\/em><\/p>\n<p>Der von Maiers Twitter-Account ausgehende Kommentar diffamierte den dunkelh\u00e4utigen Becker als \u201ekleinen Halbneger\u201c. Dies stelle einen schwerwiegenden Eingriff in das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\">Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/a> des Klagenden dar, so das Gericht in seinem Urteil. (LG Berlin, Urteil v. 15.01.2019, Az. 27 O 265\/18).<\/p>\n<p>Laut \u201eSpiegel\u201c h\u00e4tten in der Urteilsbegr\u00fcndung die Vorbildfunktion des Bundestagsabgeordneten und die Einkommensverh\u00e4ltnisse der Beteiligten bei der Festsetzung der H\u00f6he des Schmerzensgeldes eine Rolle gespielt. Ausschlaggebend sei jedoch vor allem die enorme Au\u00dfenwirkung des Tweets, so die Pressemitteilung des Landgerichtes Berlin.<\/p>\n<h2>Keine Entlastungsm\u00f6glichkeit f\u00fcr Maier<\/h2>\n<p>Tats\u00e4chlich sorgte die vor einem Jahr ver\u00f6ffentlichte \u00c4u\u00dferung bundesweit f\u00fcr Aufsehen.<\/p>\n<p>Maier wies die Vorw\u00fcrfe eines unabh\u00e4ngig von der zivilrechtlichen Streitigkeit laufenden Strafverfahrens wegen Beleidigung von sich: Er behauptete, ein Mitarbeiter habe den Tweet ohne sein Wissen verfasst, was dieser sp\u00e4ter \u00f6ffentlich zugab. Von dieser Ausrede unbeeindruckt erlie\u00df das Landgericht Berlin bereits Anfang 2018 eine Unterlassungsverf\u00fcgung und verbot die \u00c4usserung.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/maier-afd-rassistischer-tweet-lg-berlin\">LG Berlin erl\u00e4sst einstweilige Verf\u00fcgung gegen AfD-Politiker Jens Maier wegen rassistischem Tweet<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch f\u00fcr die Klage auf Schmerzensgeld war irrelevant, wer den &#8220;Twitterknopf&#8221; gedr\u00fcckt hatte. Die vom Bundesgerichtshof entwickelten Grunds\u00e4tze f\u00fcr die Haftung von Verlegern und Herausgebern von Beitr\u00e4gen seien auf hiesigen Fall anwendbar. Maier m\u00fcsse sich deswegen das Verhalten seines Mitarbeiters als seinen Verrichtungsgehilfen im Sinne des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/831.html\" title=\"&sect; 831 BGB: Haftung f&uuml;r den Verrichtungsgehilfen\">\u00a7 831 BGB<\/a> zurechnen lassen, da er ihm laut eigenem Vorbringen den Auftrag erteilt habe, eigenverantwortlich Tweets abzusetzen, ohne dass Maier diese kontrollieren w\u00fcrde. Ein m\u00f6glicherweise weisungswidriges Verhalten des Verrichtungsgehilfen stelle hier keine Entlastungsm\u00f6glichkeit dar.<\/p>\n<h2>Restriktive Rechtsprechung bei Verletzung des Pers\u00f6nlichkeitsrechts<\/h2>\n<p>Fraglich ist, ob eine Berufung die Angelegenheit nicht noch anders sehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr Betroffene einer Verletzung des Pers\u00f6nlichkeitsrechts durch einen diffamierenden Beitrag steht grunds\u00e4tzlich Ersatz f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/schadensersatz-persoenlichkeitsrecht\">immaterielle Sch\u00e4den<\/a> zu. Allerdings war die Rechtsprechung in diesen F\u00e4llen bisher restriktiv. Der Bundesgerichtshof stellte in diversen Urteilen fest, dass es sich um schwerwiegende Beeintr\u00e4chtigungen des Pers\u00f6nlichkeitsrechts handeln m\u00fcsse. Ob eine \u00c4u\u00dferung wie \u201ekleiner Halbneger\u201c so schwerwiegend ist, diese Voraussetzungen anzunehmen, erscheint \u2013 abgesehen davon, dass sie auf zwischenmenschlicher Ebene nat\u00fcrlich eindeutig zu verurteilen ist, auf rechtlicher Ebene nicht eindeutig.<\/p>\n<p>Zudem muss aber ebenso der Ausgleich der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/medienrecht-persoenlichkeitsrecht\/presserecht\">Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzung<\/a> durch ein Unterlassungs-, ein Berichtigungs- oder ein Gegendarstellungsanspruch ausgeschlossen worden und ein Bed\u00fcrfnis nach Geldentsch\u00e4digung unabwendbar sein. Ob das Gericht der zweiten Instanz dies ebenso bejaht wie das Landgericht Berlin ist nicht mit Sicherheit zu sagen.<\/p>\n<p>Der Rechtsstreit k\u00f6nnte besonders mit Blick auf das Kriterium des Verschuldensgrades, welches unter anderem f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der H\u00f6he der Geldentsch\u00e4digung ber\u00fccksichtigt wird, anders entschieden werden. Mit 15.000 EUR f\u00e4llt diese n\u00e4mlich nicht zu knapp aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die \u00c4u\u00dferung \u201eKleiner Halbneger\u201c hatte das Landgericht Berlin am 15. Januar 2019 zu urteilen und entschied: 15.000 EUR Schmerzensgeld f\u00fcr den Betroffenen Noah Becker, Sohn der Tennis-Legende Boris Becker. Dieser hatte aufgrund des ehrverletzenden Twitter-Kommentars gegen den AfD-Politiker Jens Maier Klage erhoben. 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