{"id":4393,"date":"2009-04-07T01:53:11","date_gmt":"2009-04-06T23:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/?p=720"},"modified":"2017-03-12T21:26:22","modified_gmt":"2017-03-12T20:26:22","slug":"sind-alle-personen-suchmaschinen-rechtswidrig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/sind-alle-personen-suchmaschinen-rechtswidrig\/","title":{"rendered":"Sind alle Personen-Suchmaschinen rechtswidrig?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Ich w\u00fcrde sagen ja. Aber mich fragt ja mal wieder keiner. Das Landgericht K\u00f6ln hat jedenfalls Bedenken, was die Abbildungen von Personen auf den Seiten angeht&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Reihe nach:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Personen-Suchmaschinen schie\u00dfen zurzeit wie Pilze aus dem Boden. Sie hei\u00dfen yasni.de oder 123people.de. Wie der Name schon sagt, kann\u00a0man dort Namen von Personen eingeben und erh\u00e4lt dann eine darauf zugeschnittene Suchergebnisseite. \u00a0123people.de preist seine kostenlosen Dienste zum Beispiel wie folgt an:<\/p>\n<blockquote style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#8220;123people.de ist eine deutschsprachige Personen-Suchmaschine, die kostenlos \u00f6ffentliche, im Internet frei verf\u00fcgbare Information \u00fcber Personen findet. (&#8230;) Im Suchergebnis sieht der Anwender verschiedene Daten der gesuchten Person auf einen Blick: Bilder und Fotos, Videos, Adresse, Telefonnummern, E-Mail Adressen, Wikipedia Resultate und mehr. Suche auf Facebook, Xing, LinkedIn, Netlog und in anderen Social Networks nach Freunden und Gesch\u00e4ftskontakten.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine tolle Sache. Das Gesch\u00e4ftsmodell ist idiotensicher, da man ausser einer Internetseite nur noch einen Algorythmus braucht, der sich bereits bestehende Plattformen und Suchmaschinen zu Nutze macht. Der Suchende bekommt alles, was er zu einer Person im Internet sucht. Der Gesuchte hat auch keinen Grund, sich zu beschweren; sind doch alle Informationen, die die Suchmaschine zeigt, ohnehin bereits \u00f6ffentlich. Da das Ganze auch noch kostenlos ist, kann man, auch wenn jemanden etwas st\u00f6ren sollte, keinem B\u00f6se sein. Wir sollten froh sein, dass es noch Menschen gibt, die anderen aus reinem Altruismus helfen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Oder gibt es nicht doch einen Haken? Nicht nur einen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erstens sind die Betreiber der Seiten keine Menschen, die nur Gutes tun wollen. Es geht nat\u00fcrlich ums Geld,\u00a0welches man mit Werbung auf der Seite verdient\u00a0bzw. dadurch hofft, in der Zukunft verdienen zu k\u00f6nnen, indem man die Suchenden aufordert, sich &#8211; zun\u00e4chst kostenfrei &#8211; zu registrieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch, wenn das den Meisten noch klar sein d\u00fcrfte &#8211; es gibt Grund f\u00fcr weitere Kritik. Denn das Gesch\u00e4ftsmodell geht \u00fcber das der Suchmaschine Google, die eigentlich auch nur von der geistigen Leistung Dritter lebt und damit Milliarden macht\u00a0(und daf\u00fcr unverst\u00e4ndlicherweise auch noch dauernd zu Lasten der Urheber gepriesen und gefeiert wird), weit hinaus. Die hier beschreibenen Personensuchmaschinen beschr\u00e4nken sich n\u00e4mlich nicht darauf, einzelne Suchergebnisse zu bestimmten Suchbegriffen liefern und diese nach Relevanz zu ordnen. Vielmehr wird hier eine regelrechte Datenbank aus einzelnen Fundst\u00fccken zusammengestellt, die sogar noch mit Lichtbildern und Beziehungen zu anderen Personen garniert wird. Den Lichtbildern kommt dabei eine hohe Bedeutung zu. Denn dass reine Textseiten ohne bunte Bildchen weniger ansprechend sind, weiss man nicht erst seit Erfindung der BILD-Zeitung. W\u00e4hrend fr\u00fcher bestimmte Daten lediglich punktuell und auch zeitlich begenzt \u00f6ffentlich wurden, indem man sie in der Zeitung lesen oder im Fernsehen sehen konnte, bekommt das Ganze so eine ganz andere Dimension. Nach Erscheinen des Artikels oder der Ausstrahlung der Fernsehsendung musste man sich fr\u00fcher ohne Internet die M\u00fche machen, einzelne Archive nach Informationen zu einer Person zu durchforsten. Jetzt nimmt einem das Internet durch Google die Suche und mit der Personensuchmaschine auch noch die Arbeit ab, die verschiedenen Suchergebnisse miteinander zu verkn\u00fcpfen. Die Suchmaschine erstellt sozusagen eine Art tagesaktuelle Facebookseite, ohne Zutun des Betroffenen, allerdings auch ohne dessen Einwilligung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Einem unserer Madanten war denn der Service von 123people.de auch des Guten zuviel und er\u00a0klagte vor dem Landgericht K\u00f6ln darauf, wenigstens die Einblendung seiner Bilder in den Suchergebnissen zu unterlassen. Nachdem die Suchmaschine ihr dreistes Vorgehen aussergerichtlich und schrifts\u00e4tzlich noch vollmundig verteidigt hatte, gab man nach entsprechenden Hinweisen der Urheberrechts- und Pressekammer des Landgerichts K\u00f6ln eine Unterlassungserkl\u00e4rung ab. Wie borniert und selbstherrlich die scheinbar treusorgenden Datensammler wirklich sind, konnte dabei den Ausf\u00fchrungen entnommen werden, mit denen die Verwendung fremden Bildmaterials auf der Webseite allen Ernstes verteidigt werden sollte: Man speichere die Bilder ja gar nicht selbst auf\u00a0den eigenen Servern, sondern verlinke lediglich auf das Material. Mit anderen Worten, man begehe den Datendiebstahl bzw. die Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzungen tats\u00e4chlich auch noch auf Kosten des Rechteinhabers, dessen Servertraffic man dazu benutze, die eigene Seite auf rechtswidrige Weise aufzuwerten.\u00a0Zu solchem Unsinn f\u00e4llt einem schlicht nichts mehr ein, aber auch das Landgericht war nicht beeindruckt. Auch nach Abgabe der Unterlassungserkl\u00e4rung waren Bilder unseres Mandanten auf der Internetseite zu finden. Der Streit d\u00fcrfte damit trotz Unterlassungserkl\u00e4rung weitergehen. Wir werden hier dar\u00fcber berichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nur weil Bilder oder Daten \u00fcber eine Person an einer bestimmten Stelle bereits \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind, bedeutet das nicht, dass diese an beliebiger Stelle beliebig oft weiter verbreitet werden d\u00fcrfen. F\u00fcr Abbildungen von Personen wird diesbz\u00fcglich ein ganz besonders strenger Ma\u00dfstab angelegt. Man kann daher nur jedem raten, sich eine solche Kommerzialisierung der eigenen Person zu verbitten und n\u00f6tigenfalls auf Unterlassung zu klagen.\u00a0\u00a0F\u00fcr die Kosten der Verfolgung von solchen Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzungen kommt \u00fcbrigens die Rechtsschutzversicherung auf. (la)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich w\u00fcrde sagen ja. Aber mich fragt ja mal wieder keiner. Das Landgericht K\u00f6ln hat jedenfalls Bedenken, was die Abbildungen von Personen auf den Seiten angeht&#8230; Der Reihe nach: Personen-Suchmaschinen schie\u00dfen zurzeit wie Pilze aus dem Boden. Sie hei\u00dfen yasni.de oder 123people.de. 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