{"id":43881,"date":"2019-03-05T07:17:13","date_gmt":"2019-03-05T06:17:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=43881"},"modified":"2019-03-13T14:37:44","modified_gmt":"2019-03-13T13:37:44","slug":"tattoos-und-urheberrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/tattoos-und-urheberrecht\/","title":{"rendered":"Tattoos und Urheberrecht: Wem geh\u00f6rt die K\u00f6rperkunst?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_43922\" aria-describedby=\"caption-attachment-43922\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-43922 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Fotolia_179942236_XS.jpg\" alt=\"Tattoos und Urheberrecht\" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Fotolia_179942236_XS.jpg 424w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Fotolia_179942236_XS-90x60.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-43922\" class=\"wp-caption-text\">@ Grafvision &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>In den USA sind mehrere <a href=\"https:\/\/jolt.richmond.edu\/2016\/11\/26\/skin-is-in-narrow-copyright-protection-of-tattoos-featured-in-video-games\/\">Verfahren<\/a> anh\u00e4ngig, die Profisportler wie <a href=\"https:\/\/law.justia.com\/cases\/federal\/district-courts\/new-york\/nysdce\/1:2016cv00724\/452890\/117\/\">Eric Bledsoe<\/a>, <a href=\"https:\/\/law.justia.com\/cases\/federal\/district-courts\/new-york\/nysdce\/1:2016cv00724\/452890\/117\/\">LeBron James<\/a>\u00a0und der T\u00e4towierer von <a href=\"https:\/\/dockets.justia.com\/docket\/missouri\/moedce\/4:2011cv00752\/113287\">Mike Tyson<\/a> mit Sportartikelherstellern und Medienunternehmen <\/em><em>aufgrund von unbefugter Vervielf\u00e4ltigung ihrer <\/em><em>T\u00e4towierungen f\u00fchren. <\/em><\/p>\n<p><em>Es soll gekl\u00e4rt werden, wer das Urheberrecht an den Tattoos von bekannten Sportlern besitzt, wenn diese in Filmen oder Videospielen vorkommen.\u00a0<\/em><em>Wie w\u00e4re\u00a0die Lage nach deutschem Recht zu beurteilen? <\/em><em>Dar\u00fcber, ob die <\/em><em>auf Haut verewigten <\/em><em>Motive selbst\u00a0<\/em><em><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/6-dinge-die-man-ueber-das-urheberrecht-wissen-muss\">urheberrechtlich<\/a> gesch\u00fctzt<\/em><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><em>sind und wer Rechteinhaber ist, kl\u00e4rt der vorliegende Beitrag auf.<\/em><\/p>\n<h2>Gerichtsverfahren in den USA<\/h2>\n<p>Seit 2016 streiten die Athleten und die T\u00e4towierer vor einem Bundesgericht in New York dar\u00fcber, wem das Urheberrecht an den T\u00e4towierungen der Athleten geh\u00f6rt, wenn sie in Computerspielen wie \u00abNBA 2K\u00bb, \u00abFifa\u00bb oder \u00abMadden\u00bb vorkommen. <a href=\"https:\/\/jolt.richmond.edu\/2016\/11\/26\/skin-is-in-narrow-copyright-protection-of-tattoos-featured-in-video-games\/\">Das berichtet das Richmond Journal of Law and Technology in einem Artikel aus dem Jahr 2016.<\/a><\/p>\n<p>Das amerikanische Unternehmen Solid Oak Sketches kaufte von den Tattoo-K\u00fcnstlern die Rechte an verschiedenen T\u00e4towierungen von NBA-Stars. Diese Rechte will die Firma gegen\u00fcber dem Hersteller der Videospiele verwerten. Als einer der betroffenen Athleten widersprach der NBA-Star LeBron James der Auffassung von Solid Oak Sketches in Bezug auf den Anspruch auf die kommerzielle Verwertung seiner Tattoos: \u00abMeine T\u00e4towierungen sind Teil meiner Identit\u00e4t. Wenn man mich ohne sie abbilden w\u00fcrde, w\u00e4re das keine echte Darstellung meiner Person\u00bb.<\/p>\n<h2>Urheberschutz am Tattoo<\/h2>\n<p>Nach deutschem Recht besteht f\u00fcr T\u00e4towierungen in der Regel ein urheberrechtlicher Schutz gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">\u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG<\/a> als Werk der bildenden Kunst. Daher stehen dem T\u00e4towierer grunds\u00e4tzlich die ausschlie\u00dflichen Nutzungsrechte an diesem Werk zu.<\/p>\n<h2>Stillschweigende Einr\u00e4umung von Nutzungsrechten<\/h2>\n<p>In\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/60.html\" title=\"&sect; 60 UrhG: Bildnisse\">\u00a7 60 UrhG<\/a>\u00a0ist geregelt, dass der Besteller eines Werkes dieses zumindest\u00a0unentgeltlich und nicht zu gewerblichen Zwecken\u00a0als Lichtbild beliebig oft vervielf\u00e4ltigen und verwerten darf.<\/p>\n<p>\u00dcber diese gesetzliche Regelung hinausgehende schriftliche Vereinbarungen zwischen T\u00e4towierer und Kunde werden in der Regel nicht getroffen. Bleibt f\u00fcr eine konkludente Regelung kein Raum, ist im Weg einer erg\u00e4nzenden Vertragsauslegung darauf abzustellen, was die Parteien hypothetisch geregelt h\u00e4tten. Da eine T\u00e4towierung eine permanente, sichtbare Ver\u00e4nderung des Erscheinungsbildes ist, kann kaum angenommen werden, dass der T\u00e4towierte dauerhaft auf die M\u00f6glichkeit zur Verwertung dieses Erscheinungsbildes verzichten will.<\/p>\n<p>Im Rahmen der erg\u00e4nzenden Vertragsauslegung\u00a0wird man also zu dem Schluss kommen m\u00fcssen, dass dem Kunden\u00a0stillschweigend ein sehr weitgehendes Nutzungs- und Verwertungsrecht\u00a0einger\u00e4umt wird. Dies l\u00e4sst sich auch damit begr\u00fcnden, dass sonst die\u00a0grundgesetzlich gesch\u00fctzte Autonomie \u00fcber den eigenen K\u00f6rper\u00a0eingeschr\u00e4nkt werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt dazu, dass der Kunde sein Tattoo umfassend nutzen und z.B.\u00a0Bilder und Filmaufnahmen davon ver\u00f6ffentlichen und verbreiten\u00a0darf. Der Kunde darf sich grds. auch gegen Bezahlung ablichten lassen.\u00a0Tattoo-Models\u00a0k\u00f6nnen also in der Regel ohne Probleme ihrem Beruf nachgehen, wobei der\u00a0Urheber\u00a0gem.\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/13.html\" title=\"&sect; 13 UrhG: Anerkennung der Urheberschaft\">\u00a7 13 UrhG<\/a>\u00a0seine\u00a0Nennung\u00a0verlangen kann.\u201c<\/p>\n<p>Hierbei gilt es festzuhalten, dass nach der allgemein anerkannten Rechtsprechung des\u00a0Bundesgerichtshofs\u00a0auch die sogenannte\u00a0\u201ekleine M\u00fcnze\u201c\u00a0gesch\u00fctzt ist. Hierbei handelt es sich um solche Werke, die gerade noch die nach\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">\u00a7 2 Abs. 2 UrhG<\/a>\u00a0notwendige\u00a0Sch\u00f6pfungsh\u00f6he\u00a0erreichen. Da an die Sch\u00f6pfungsh\u00f6he sehr geringe Anforderungen gestellt werden, d\u00fcrfte jedes Tattoo urheberrechtlich gesch\u00fctzt sein.<\/p>\n<h3><strong>Tattoo als alleinstehendes Werk<\/strong><\/h3>\n<p>Anders d\u00fcrfte die Frage nach den Nutzungs- und Verwertungsrechten dann zu beurteilen sein, wenn nur das Tattoo selbst fotografiert wird und der K\u00f6rper des Kunden nicht mehr zu erkennen ist. Zumindest die gewerbliche Nutzung des Werkes d\u00fcrfte in diesen F\u00e4llen wohl ausgeschlossen sein, da die Belange des T\u00e4towierten an seiner k\u00f6rperlichen Autonomie hinter die Rechte des T\u00e4towierers zur\u00fccktreten d\u00fcrften. So w\u00e4re daher die Abbildung des Tattoos alleine ohne Einwilligung des T\u00e4towierers wohl nicht zul\u00e4ssig.<\/p>\n<h3>Nutzung im Videospiel ohne eigene Lizenz<\/h3>\n<p>Wie ist die Rechtslage, wenn Dritte, z.B. Medienunternehmen Tattoos von bekannten Sportlern in Filmen oder Videospielen abbilden? Wie bereits festgestellt, obliegen die Rechte an dem Tattoo ausschlie\u00dflich dem T\u00e4towierer, sofern zwischen dem T\u00e4towierten und dem T\u00e4towierer nichts anderes vereinbart ist.<\/p>\n<h3>Unwesentliches Beiwerk i.S.d. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/57.html\" title=\"&sect; 57 UrhG: Unwesentliches Beiwerk\">\u00a7 57 UrhG<\/a><\/h3>\n<p>Eine Abbildung des Tattoos im Videospiel kann aber unter Umst\u00e4nden auch ohne Zustimmung des T\u00e4towierers m\u00f6glich sein, z.B. im Rahmen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/57.html\" title=\"&sect; 57 UrhG: Unwesentliches Beiwerk\">\u00a7 57 UrhG<\/a> als ein \u201cunwesentliches\u201d Beiwerk eines anderen Darstellungsgegenstandes (in diesem Fall eines Videospiels). Das Tattoo ist dann unwesentliches Beiwerk, wenn es weggelassen oder ausgetauscht werden kann, ohne dass dies dem durchschnittlichen Betrachter auff\u00e4llt oder die Gesamtwirkung des Hauptgegenstandes in irgendeiner Weise beeinflusst wird. Hier kommt es auf den Einzelfall an. Handelt es sich um eine auff\u00e4llige T\u00e4towierung, insbesondere an dauernd sichtbaren K\u00f6rperstellen wie etwa im Gesicht, und beeinflusst sie den Charakter des Bildes erheblich, kann nicht mehr von einem unwesentlichen Beiwerk ausgegangen werden. Hingegen kann ein Tattoo, das nur fl\u00fcchtig oder nur teilweise sichtbar ist,\u00a0 als Beiwerk angesehen werden.<\/p>\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n<p>Tattoos sind in der Regel urheberrechtlich gesch\u00fctzt. Wird zwischen T\u00e4towiertem und T\u00e4towierer keine ausdr\u00fcckliche Regelung zu Nutzungs- und Verwertungsrechten getroffen, sind diese anhand der erg\u00e4nzenden Vertragsauslegung zu ermitteln. Dabei wird man zu dem Schluss kommen, dass dem T\u00e4towierten sehr weitgehende Rechte einger\u00e4umt werden. So d\u00fcrfen Grundrechte und das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht des T\u00e4towierten aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" title=\"Art. 1 GG\">Art.\u00a01\u00a0GG<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" title=\"Art. 2 GG\">Art.\u00a02\u00a0GG<\/a> nicht au\u00dfer Acht gelassen werden.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sind T\u00e4towierungen fast immer auch ein Ausdruck der Pers\u00f6nlichkeit und des Selbstbestimmungsrechts des T\u00e4towierten. Demgegen\u00fcber stehen jedoch die Rechte des Sch\u00f6pers aus Urheberrecht.\u00a0Deshalb ist stets eine Abw\u00e4gung der rechtlichen Interessen im Einzelfall vorzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den USA sind mehrere Verfahren anh\u00e4ngig, die Profisportler wie Eric Bledsoe, LeBron James\u00a0und der T\u00e4towierer von Mike Tyson mit Sportartikelherstellern und Medienunternehmen aufgrund von unbefugter Vervielf\u00e4ltigung ihrer T\u00e4towierungen f\u00fchren. Es soll gekl\u00e4rt werden, wer das Urheberrecht an den Tattoos von bekannten Sportlern besitzt, wenn diese in Filmen oder Videospielen vorkommen.\u00a0Wie w\u00e4re\u00a0die Lage nach deutschem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":43922,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[1246,17731,17732],"class_list":["post-43881","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-urheber-designrecht","tag-nutzungsrechte","tag-vertragsauslegung","tag-tattoo"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43881","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43881"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43881\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/43922"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43881"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43881"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43881"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}