{"id":43352,"date":"2019-02-06T07:32:26","date_gmt":"2019-02-06T06:32:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=43352"},"modified":"2019-02-21T20:20:41","modified_gmt":"2019-02-21T19:20:41","slug":"bgh-zur-veroeffentlichung-von-fotografien-gemeinfreier-kunstwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/bgh-zur-veroeffentlichung-von-fotografien-gemeinfreier-kunstwerke\/","title":{"rendered":"BGH zur Ver\u00f6ffentlichung von Fotografien gemeinfreier Kunstwerke"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" width=\"346\" height=\"346\" class=\"wp-image-43361\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fotolia_199754428_XS.jpg\" alt=\"BGH zur Ver\u00f6ffentlichung von Fotografien gemeinfreier Kunstwerke\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fotolia_199754428_XS.jpg 346w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fotolia_199754428_XS-44x44.jpg 44w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Fotolia_199754428_XS-90x90.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/><figcaption>@ adrenalinapura &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<p><em>D\u00fcrfen Museen den digitalen Zugang zu urheberrechtsfreien historischen Kunstwerken beschneiden? Sind Fotos von gemeinfreien Gem\u00e4lden urheberrechtlich gesch\u00fctzt? Verst\u00f6\u00dft das Fotografieren im Museum gegen das Hausrecht?\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Diese Fragen hat der Bundesgerichtshof am 20. Dezember 2018 beantwortet und damit einen langen Rechtsstreit zwischen dem Tr\u00e4ger eines kommunalen Kunstmuseums und der Wikimedia Foundation beendet (BGH, Urteil v. 20.12.2018, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20104\/17\" title=\"BGH, 20.12.2018 - I ZR 104\/17: Zur Ver&ouml;ffentlichung von Fotografien gemeinfreier Kunstwerke\">I ZR 104\/17<\/a>). <\/em><\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bisher geschah<\/h2>\n<p>Das OLG Stuttgart bejahte mit seinem Urteil aus dem vergangenen Jahr (OLG Stuttgart, Urteil v. 31.5.2017, Az.\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20U%20204\/16\">4 U 204\/16<\/a>) den Anspruch auf Unterlassung des Mannheimer Museums gegen einen Museumsbesucher, der trotz geschlossenen Besichtigungsvertrags, der ein Fotografieverbot enthielt, Lichtbilder von Gem\u00e4lden bei einem Besuch im Museum anfertigte. Diese Bilder und dar\u00fcber hinaus auch Scans aus einem durch das Museum in Auftrag gegebenen Katalog, in welchem unter anderem Gem\u00e4lde aus dem Museum abgelichtet wurden, stellte der Beklagte in der Medien-Plattform \u201eWikimedia Commons\u201c zum \u00f6ffentlichen Abruf bereit.<\/p>\n<p>Das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/rechtsgebiete\/urheberrecht\">Urheberrecht der Gem\u00e4lde<\/a>, die zwischen den Jahren 1600 und 1900 entstanden sind, war bereits abgelaufen und die Gem\u00e4lde waren daher gemeinfrei (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/64.html\">\u00a7 64 UrhG<\/a>). Der Hobbyfotograf \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Wikipedia-Streit-um-gemeinfreie-Bilder-geht-zum-BGH-3739497.html\">mit Unterst\u00fctzung des Vereins Wikimedia Deutschland<\/a>\u00a0\u2013 legte Revision beim BGH (BGH, Urteil v. 20.12.2018, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20104\/17\" title=\"BGH, 20.12.2018 - I ZR 104\/17: Zur Ver&ouml;ffentlichung von Fotografien gemeinfreier Kunstwerke\">I ZR 104\/17<\/a>) ein. Wir berichten im folgenden Beitrag:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/fotografieren-museum-hausrecht-lichtbildschutz\">Verst\u00f6\u00dft das Fotografieren im Museum gegen das Hausrecht? Sind Fotos von gemeinfreien Gem\u00e4lden urheberrechtlich gesch\u00fctzt?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lichtbildschutz f\u00fcr Fotografien von (gemeinfreien) Gem\u00e4lden<\/h2>\n<p>Der Bundesgerichtshof wies die Revision des Beklagten zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der vom Beklagten eingescannten Gem\u00e4ldefotografien aus dem Ausstellungskatalog st\u00fctzte sich die Kl\u00e4gerin auf Urheber- und Leistungsschutzrechte.\u00a0Das Hochladen der eingescannten Bilder aus der Publikation der Kl\u00e4gerin verletze das der Kl\u00e4gerin vom Fotografen \u00fcbertragene Recht, die Lichtbilder \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zu machen (<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/97.html\">\u00a7 97 Abs. 1 Satz 1 UrhG<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/72.html\">\u00a7 72 Abs. 1 UrhG<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/19a.html\">\u00a7 19a UrhG<\/a>).\u00a0Bei der Anfertigung habe der Fotograf Entscheidungen \u00fcber eine Reihe von gestalterischen Umst\u00e4nden zu treffen, sodass eine eigene pers\u00f6nliche geistige Leistung vorliege, die ihrerseits gesch\u00fctzt wird.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Versto\u00df gegen vertraglich vereinbartes Fotografierverbot<\/h2>\n<p>Au\u00dferdem greife das Hausrecht der Museen. Museen d\u00fcrfen kontrollieren, wer in ihren R\u00e4umen Fotos ihrer Gem\u00e4lde macht, auch von Werken, die gemeinfrei sind. Mit der Anfertigung eigener Fotografien habe der Beklagte gegen das vertraglich vereinbarte Fotografierverbot versto\u00dfen. Die entsprechende Vorschrift in der Benutzungsordnung und aush\u00e4ngende Piktogramme mit einem durchgestrichenen Fotoapparat stellten wirksame Allgemeine Gesch\u00e4ftsbedingungen (AGB) dar.<\/p>\n<p>Nach einem Versto\u00df gegen das Fotografierverbot k\u00f6nne die Betreiberin des Museums als <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/glossar\/schadensersatz\">Schadensersatz<\/a> wegen der Vertragsverletzung gem\u00e4\u00df\u00a0<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/280.html\">\u00a7 280 Abs. 1<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/249.html\">\u00a7 249 Abs. 1 BGB<\/a>\u00a0verlangen, dass der Beklagte es unterl\u00e4sst, die Bildaufnahmen durch Hochladen im Internet \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Auswirkungen hat das Urteil auf die Praxis?<\/h2>\n<p>1. Der BGH stellt in seiner Entscheidung klar, dass es verboten ist, Fotos von Kunstwerken aus Museumskatalogen oder Publikationen zu vervielf\u00e4ltigen und zu ver\u00f6ffentlichen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kunstwerke selbst noch urheberrechtlich gesch\u00fctzt sind.<\/p>\n<p>2. Grunds\u00e4tzlich d\u00fcrfen gemeinfreie (urheberrechtsfreie) Gem\u00e4lde von jedermann fotografiert und diese eigenen Fotos auch im Internet verwendet werden. Hat das Museum jedoch ein generelles Fotografieverbot in den Allgemeinen Gesch\u00e4ftsbedingungen festgeschrieben, d\u00fcrfen Besucher keine Bilder von Gem\u00e4lden im Museum anfertigen und diese ins Internet stellen.<\/p>\n<p>Dieses Verbot wird auch nicht dadurch aufgehoben, dass das betreffende Kunstwerk nicht mehr urheberrechtlich gesch\u00fctzt ist. Besteht im Museum ein Fotografieverbot, muss dieses unbedingt beachtet werden.\u00a0Im Zweifel sollte man sich zu Beginn des Besuchs beim Museum erkundigen, ob Fotos erlaubt sind.<\/p>\n<p>Dies ist auch sinnvoll. Denn dadurch wird den Museen die M\u00f6glichkeit gegeben, ihre Kunstwerke kommerziell zu verwerten, da so nur sie Abbildungen erstellen und mit dem Verkauf der Fotos bzw. Publikationen Einnahmen erzielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wikimedia Deutschland will sich trotz des ergangenen Urteils weiter f\u00fcr eine Neuregelung der entsprechenden Vorschriften des Urheberrechts einsetzen.<\/p>\n<p>In einem\u00a0<a href=\"https:\/\/blog.wikimedia.de\/2018\/12\/20\/urteil-zu-gemeinfreier-kunst-kulturerbe-fuer-alle-aber-nicht-im-netz\/\">Blog-Eintrag vom 20.12.2018<\/a> bekr\u00e4ftigt man\u00a0seinen Standpunkt: Als staatlich-gef\u00f6rderte Institutionen haben Museen einen \u00f6ffentlichen Auftrag, der Allgemeinheit m\u00f6glichst einfachen Zugang zu Kulturg\u00fctern zu schaffen, es d\u00fcrfe mithin nicht vom guten Willen jedes einzelnen Museums abh\u00e4ngen, ob die geistigen Sch\u00f6pfungen fr\u00fcherer Jahrhunderte auch im Digitalen zu Allgemeingut werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcrfen Museen den digitalen Zugang zu urheberrechtsfreien historischen Kunstwerken beschneiden? 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