{"id":42778,"date":"2019-01-16T19:18:34","date_gmt":"2019-01-16T18:18:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=42778"},"modified":"2020-04-10T00:53:10","modified_gmt":"2020-04-09T23:53:10","slug":"dann-geh-doch-zu-netto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/urheber-designrecht\/dann-geh-doch-zu-netto\/","title":{"rendered":"\u201cDann geh\u00b4 doch zu Netto!\u201d \u2013 Wer hat&#8217;s erfunden?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_42779\" aria-describedby=\"caption-attachment-42779\" style=\"width: 447px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-42779 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dann-geh-doch-zu-netto.jpg\" alt=\"\" width=\"447\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dann-geh-doch-zu-netto.jpg 447w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dann-geh-doch-zu-netto-90x54.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-42779\" class=\"wp-caption-text\">@ BillionPhotos.com &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Der Slogan \u201cDann geh\u00b4 doch zu Netto!\u201d ist mittlerweile\u00a0<\/em><i>deutschlandweit und sogar international bekannt. <\/i><\/p>\n<p><i>Die\u00a0entsprechende Werbekampagne ist lustig,\u00a0sympathisch und \u00fcberzeugte offenbar auch fachlich: Sie\u00a0schaffte es in das internationale Branchenranking \u201cFeelMore50&#8243; 2017 und bekam 2018 sogar den Branchenpreis \u201cBronze GWA Effie\u201d.\u00a0<\/i><em>So weit, so werbewirksam. <\/em><\/p>\n<p><i>Interessantes Detail: Der Spruch stammt\u00a0urspr\u00fcnglich\u00a0nicht aus der Feder hochdotierter Werber, sondern von einer beim Dreh anwesenden Mutter, deren Kind in einer der Werbespots mitwirkt.<\/i><\/p>\n<h2>\u201cDann geh\u00b4 doch zu Netto!\u201d \u2013 Eine Erfolgsgeschichte<\/h2>\n<p>Ende 2016\/Anfang 2017 produzierte Jung von Matt\/Saga zusammen mit der Produktionsfirma Markenfilm den (Fernseh-)Werbespot \u201cKaufmannsladen\u201d, in dem zwei Kinder im Kindergarten, wie der Name bereits sagt, Kaufladen spielen. Dem einkaufenden Jungen sind die Waren jedoch viel zu teuer und er verleiht seinem \u00c4rger dar\u00fcber deutlich Ausdruck: \u201cAbzocker!\u201d. Dar\u00fcber ist das verkaufenden M\u00e4dchen nat\u00fcrlich nicht gl\u00fccklich und f\u00e4ngt an zu weinen. Schlusspunkt des Spots, im Fachjargon \u201cPeak-End Rule\u201d genannt, bildet das emp\u00f6rt vorgetragene, nun allseits bekannte \u201c<i>Dann geh\u00b4 doch zu Netto!<\/i>\u201d:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">https:\/\/youtu.be\/sg7kkyGvaSw<\/p>\n<p>Mittlerweile haben die Werbekampagne und der genannte Spruch als deren zentrales Element nationale und sogar internationale Bekanntheit erlangt. Der erste Werbespot \u201cKaufmannsladen\u201d<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>schaffte es sowohl in das internationale Branchenranking \u201cFeelMore50&#8243; 2017 und bekam 2018 den \u201cBronze GWA Effie\u201d. Vor dem Hintergrund dieses Erfolgs wurden in der Folgezeit weitere, \u00e4hnliche Werbespots produziert, die ebenfalls ihre Pointe in dem Slogan \u201c<i>Dann geh\u00b4 doch zu Netto!<\/i>\u201d haben. Die Videos im YouTube-Kanal \u201c<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCb3t_sgxSGJJxzBTJ2rZsmA\">nettotv<\/a>\u201d haben Millionen von Aufrufen.<\/p>\n<h2>Alles nur geklaut?<\/h2>\n<p>Kurz vor Weihnachten 2018 erreichte unsere Kanzlei eine Beratungsanfrage.\u00a0Es meldete sich die \u201cErfinderin\u201d des Werbeslogans \u201c<i>Dann geh\u00b4 doch zu Netto!<\/i>\u201d, mit dem der deutsche Verbraucher mittlerweile seit zwei Jahren von Kindern, quengelnden M\u00fcttern und sogar vom Weihnachtsmann im Fernsehen, Radio und sogar in Gestalt eines Handy-Klingeltons aufgefordert wird, seine Lebensmitteleink\u00e4ufe in einem ganz bestimmten Gesch\u00e4ft zu erledigen.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr unsere Beauftragung entscheidende Umstand war, dass Sch\u00f6pferin des Spruchs \u201c<i>Dann geh\u00b4 doch zu Netto!<\/i>\u201d die Mutter eines im Spot auftretenden Kindes ist. Aber nicht nur das. Sie hat diesen in Absprache mit der f\u00fcr die Kreation verantwortlichen Person an Ort und Stelle noch w\u00e4hrend der Dreharbeiten in das Drehbuch f\u00fcr den Spot \u201cKaufmannsladen\u201d eingebracht und dort mit umgesetzt. W\u00e4hrend der Dreharbeiten zum ersten Spot \u201eKaufmannsladen\u201c war die Aufnahmeleitung unzufrieden mit den ersten Ergebnissen und nahm die Idee daher dankbar an.<\/p>\n<h2>Wie ist die Rechtslage?<\/h2>\n<p>Der Fall ist juristisch nicht einfach zu bewerten, wenn es auch nach dem gesunden Menschenverstand klar scheint, dass die Sch\u00f6pferin irgendwie honoriert werden m\u00fcsste. Denn der Spruch ist elementarer Bestandteil der Aktion. Dessen Erfinderin soll aber daf\u00fcr nicht honoriert werden, obwohl der durch ihre Mitwirkung generierte Mehrwert auf der Hand liegt?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ob der Slogan als solcher rechtlich zum Beispiel nach dem Urheberrecht gesch\u00fctzt sein k\u00f6nnte, ist aufgrund seiner K\u00fcrze zweifelhaft. Darauf kommt es aber auch nicht an. Der konkrete Sachverhalt unterscheidet sich aufgrund der konkreten Mitwirkung an der Planung und Ausf\u00fchrung des Werbespots unter Verwendung des Slogans von Ort von den F\u00e4llen, in denen ein separat geschaffener, f\u00fcr sich genommen nicht urheberrechtlich schutzf\u00e4higer Slogan schlicht in ein Werk \u00fcbernommen wird (wie zum Beispiel in dem vom OLG Hamburg zu entscheidenen Fall, Urteil v. 9.11.2000, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=3%20U%2079\/99\" title=\"3 U 79\/99 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">3 U 79\/99<\/a> \u2013 &#8220;DEA &#8211; hier tanken Sie auf\u201d).<\/p>\n<p>Rechtlicher Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr Anspr\u00fcche ist somit auch nicht der Spruch als solcher, sondern das dem Werbespot zugrundeliegende Drehbuch. Dabei handelt es sich um ein gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/1.html\" title=\"&sect; 1 UrhG: Allgemeines\">\u00a7\u00a7 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG<\/a> gesch\u00fctztes Werk. Das darauf basierende Filmwerk ist gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/1.html\" title=\"&sect; 1 UrhG: Allgemeines\">\u00a7\u00a7 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UrhG: Gesch&uuml;tzte Werke\">2 Abs. 1 Nr. 6 UrhG<\/a> urheberrechtlich gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Durch den Beitrag der f\u00fcr den Werbespot entscheidenden Pointe \u201c<i>Dann geh\u00b4 doch zu Netto!<\/i>\u201c ist die Mutter \u2013 unabh\u00e4ngig von der Frage der isolierten urheberrechtlichen Schutzf\u00e4higkeit des Slogans \u2013 gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UrhG: Miturheber\">\u00a7 8 UrhG<\/a> als Miturheberin am Drehbuch bzw. des Werbespots anzusehen.<\/p>\n<p>Die Wendung des Spots war laut Mitteilung der Jury von \u201cFeelMore50\u201d sogar einer der ausschlaggebenden Gr\u00fcnde f\u00fcr die Aufnahme in die dortigen \u201cTOP50\u201d. Trotz der Tatsache, dass die Mutter sich offenbar nahezu alleine f\u00fcr den entscheidenden Beitrag einer mittlerweile international bekannten und erfolgreichen Werbekampagne f\u00fcr die Einzelhandelskette \u201cNetto\u201d \u2013 jedenfalls mit \u2013 verantwortlich zeichnet, hat sie bisher daf\u00fcr keinerlei Anerkennung, geschweige denn Verg\u00fctung erhalten.<\/p>\n<p>Dieser Umstand ist nicht nur auf tats\u00e4chlicher Ebene suboptimal, da das entscheidende kreative Element der geschuldeten Werbekampagne in Wirklichkeit entgegen des \u00f6ffentlich erweckten Eindrucks nicht von der dazu beauftragen Werbeagentur, sondern von jemand ganz anderem<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>stammt, sondern hat auch rechtliche Konsequenzen. Denn dem (Mit-)urheber eines Werks stehen gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/32a.html\" title=\"&sect; 32a UrhG: Weitere Beteiligung des Urhebers\">\u00a7 32a Abs. 1 UrhG<\/a> bzw. \u00a7 32a Abs. 2, \u00a7 97 Abs. 1 UrhG n\u00e4mlich Anspr\u00fcche auf angemessene Beteiligung zu.<\/p>\n<h2>\u201cDann geh\u00b4 doch vor\u00a0Gericht!\u201c<\/h2>\n<p>Der au\u00dfergerichtlichen Bitte an die Beteiligten um Erteilung einer Auskunft \u00fcber Art und Umfang der Verwendung der auf der Idee \u201c<i>Dann geh\u00b4 doch zu Netto!<\/i>\u201c beruhenden Werbespots wurde leider nicht entsprochen.<\/p>\n<p>Anstatt das Thema elegant, zum Beispiel mit dem Angebot einer vern\u00fcnftigen Entsch\u00e4digung, zu l\u00f6sen, verwiesen sie die Mutter auf den Klageweg. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass sie diesen mangels finanzieller Ressourcen nicht beschreiten wird. Wir gehen davon aus, dass sie dies auf unseren Rat hin trotz der wirtschaftlichen &#8220;David gegen Goliath&#8221;-Situation tun wird.<\/p>\n<p>Es sei denn, Netto h\u00e4tte doch noch ein Einsehen.<\/p>\n<p><i>Das Thema ist bereits in dem folgenden Medien\u00a0aufgegriffen worden:<\/i><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.verbraucherschutz.tv\/2019\/01\/13\/dann-geh-doch-zu-netto-alles-nur-geklaut\">13.1.2019, verbraucherschutz.tv \u2013\u00a0\u201eDann geh doch zu Netto\u201d \u2013 Alles nur geklaut?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.onlinehaendler-news.de\/e-recht\/rechtsfragen\/130364-hat-netto-erfolgsslogan-geklaut\">18.1.2019, Onlineh\u00e4ndler-News \u2013 Hat Netto seinen Erfolgsslogan geklaut?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.wuv.de\/agenturen\/jung_von_matt_droht_rechtsstreit_wegen_netto\">21.1.2019, W&amp;V \u2013\u00a0Jung von Matt droht Rechtsstreit wegen Netto<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nw.de\/nachrichten\/wirtschaft\/22360512_Dann-geh-doch-zu-Netto-Streit-um-Werbeslogan-eskaliert.html\">22.1.2019, Neue Westf\u00e4lische \u2013\u00a0\u201cDann geh doch zu Netto!\u201d \u2013 Werbeslogan entfacht Rechtsstreit<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lebensmittelzeitung.net\/politik\/Urheberrechtstreit-Discounter-Netto-droht-eine-Klage--139183\">25.1.2019, Lebensmittelzeitung (kostenpflichtig) \u2013\u00a0Urheberrechtstreit: Discounter Netto droht eine Klage<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>UPDATE 25.1.2019:<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/nettogate-jung-von-matt-droht-mit-klage\">#Nettogate: Jung von Matt droht mit Klage gegen Mutter<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>UPDATE 15.3.2019:<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/nettogate-jung-von-matt-klage-liegt-vor\">#Nettogate cont\u2019d: Jung von Matt verklagt Mutter vor dem LG Hamburg, Streitwert 100.000 \u20ac<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>UPDATE 9.4.2020:<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheber-designrecht\/jung-von-matt-einigt-sich-mit-mutter\">#Nettogate: Jung von Matt einigt sich mit Mutter<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\"><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Slogan \u201cDann geh\u00b4 doch zu Netto!\u201d ist mittlerweile\u00a0deutschlandweit und sogar international bekannt. 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