{"id":42251,"date":"2018-12-18T06:33:09","date_gmt":"2018-12-18T05:33:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=42251"},"modified":"2018-12-18T16:56:06","modified_gmt":"2018-12-18T15:56:06","slug":"negative-google-bewertung-eilbeduerftigkeit-im-einstweiligen-verfuegungsverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/negative-google-bewertung-eilbeduerftigkeit-im-einstweiligen-verfuegungsverfahren\/","title":{"rendered":"Negative Google-Bewertungen: Unternehmen m\u00fcssen sich beeilen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_41040\" aria-describedby=\"caption-attachment-41040\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-41040\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fotolia_77307581_XS.jpg\" alt=\"\" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fotolia_77307581_XS.jpg 424w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Fotolia_77307581_XS-90x60.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41040\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Robert Kneschke &#8211; fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Ein Unternehmen, das im Wege des<\/i><i> <\/i><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/glossar\/einstweilige-verfuegung\"><i>einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahrens<\/i><\/a><i> <\/i><i>gegen eine negative\u00a0Google-Bewertung vorgehen will, muss dies in der Regel binnen eines Monats tun. Ein Zuwarten mit der Einreichung des Antrages von mehr als einem Monat kann zu dessen Unzul\u00e4ssigkeit f\u00fchren (OLG N\u00fcrnberg, Beschluss v.\u00a013.11.2018, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=3%20W%202064\/18\" title=\"OLG N&uuml;rnberg, 13.11.2018 - 3 W 2064\/18: Einstweilige Verf&uuml;gung gegen Bewertung auf Google\">3 W 2064\/18<\/a>).<\/i><\/p>\n<h2><b>Unbefriedigende Theodizee<\/b><\/h2>\n<p>Der Betreiber einer Physiotherapie-Praxis wurde bei Google durch einen seiner Patienten negativ bewertet:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8220;F\u00fcr die 117,00 \u20ac die er verlangt, hat er zudem versucht, mich von Gott zu \u00fcberzeugen\u2026 Zudem hat er mir Melantonin mitgegeben (nat\u00fcrlich zus\u00e4tzliche Bezahlung) die mir absolut nicht gut getan haben\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Betreiber der Praxis mahnte daraufhin au\u00dfergerichtlich den Kunden Mitte August 2018 ab. Ende August 2018 meldete sich ein Anrufer, der sich als Bruder des Antragsgegners ausgab. Der Praxisbetreiber und der Anrufer einigten sich darauf, dass die Bewertung vollst\u00e4ndig gel\u00f6scht, eine <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/vertragsstrafe-nach-einer-unterlassungserklaerung\">strafbewehrte Unterlassungserkl\u00e4rung<\/a> abgegeben und ein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/glossar\/schadensersatz\">Schadensersatz<\/a> in H\u00f6he von 200, &#8211; EUR bezahlt werden sollte.<\/p>\n<p>Zu der Umsetzung der telefonisch vereinbarten Pflichten kam es in der Folgezeit nicht. Anfang Oktober 2018 begehrte der Praxisbetreiber beim Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth den Erlass einer einstweiligen Verf\u00fcgung in Bezug auf die L\u00f6schung der streitgegenst\u00e4ndlichen Bewertungen.<\/p>\n<h2><b>OLG N\u00fcrnberg: Keine Eilbed\u00fcrftigkeit<\/b><\/h2>\n<p>Das OLG N\u00fcrnberg wies den Antrag bereits aus formalen Gr\u00fcnden zur\u00fcck. Da der Antragsteller l\u00e4nger als einem Monat nach Kenntniserlangung von der Verletzungshandlung zugewartet habe, fehle es f\u00fcr die Zul\u00e4ssigkeit des Antrages bereits an der erforderlichen Eilbed\u00fcrftigkeit.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich seien Anspr\u00fcche im Wege des einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahrens <b>innerhalb eines Monats<\/b> gerichtlich geltend zu machen. Ein Abwarten von mehr als einem Monat sei dringlichkeitssch\u00e4dlich. Diese Frist, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr Streitigkeiten im Wettbewerbs- und Pressenrecht entwickelt worden sei, k\u00f6nne auch auf Anspr\u00fcche aus Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzungen \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p>Nach dem Telefonat mit einem ihm unbekannten Anrufer habe der Antragsteller \u00fcber einen Monat lang zugewartet, ob die vereinbarten Pflichten eingehalten w\u00fcrden.\u00a0Dies entspr\u00e4che nicht den Anforderungen an ein z\u00fcgiges Betreiben des Verfahrens:<\/p>\n<blockquote><p><i>\u201e<\/i>Der Verf\u00fcgungsgrund fehlt wegen Selbstwiderlegung, wenn die Antragstellerpartei nach Eintritt der Gef\u00e4hrdung mit einem Antrag zuwartet oder das Verfahren nicht z\u00fcgig betreibt und damit durch ihr Verhalten selbst zu erkennen gegeben hat, dass es ihr nicht eilig ist.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<h2><b>Praxistipp: Bei Internetbewertungen ist Schnelligkeit gefragt<\/b><\/h2>\n<p>Der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/glossar\/beschluss\">Beschluss<\/a>\u00a0des OLG N\u00fcrnberg zeigt: wer mit Hilfe einer gerichtlichen Eilma\u00dfnahme gegen eine negative Internetbewertung vorgehen will, sollte stets z\u00fcgig agieren. Die von den zust\u00e4ndigen Oberlandesgerichten als angemessen erachteten Dringlichkeitsfristen (<b>in der Regel 4 Wochen bzw. 1 Monat<\/b>) sollten unbedingt eingehalten werden.<\/p>\n<p>Etwas anderes kann zum Beispiel dann gelten, wenn der Antragsgegner seinen Sitz im Ausland hat oder der Fall h\u00f6chstrichterlich noch nicht gekl\u00e4rte Rechtsfragen zum Gegenstand hat (OLG M\u00fcnchen, Beschluss v. 17.7. 2018, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=18%20W%20858\/18\" title=\"OLG M&uuml;nchen, 17.07.2018 - 18 W 858\/18: Untersagung eines in Social Media geposteten Textbeitrag...\">18 W 858\/18<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Unternehmen, das im Wege des einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahrens gegen eine negative\u00a0Google-Bewertung vorgehen will, muss dies in der Regel binnen eines Monats tun. 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