{"id":42017,"date":"2018-12-05T07:58:48","date_gmt":"2018-12-05T06:58:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=42017"},"modified":"2022-07-14T19:01:48","modified_gmt":"2022-07-14T17:01:48","slug":"ergaenzender-wettbewerbsrechtlicher-leistungsschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/ergaenzender-wettbewerbsrechtlicher-leistungsschutz\/","title":{"rendered":"Unlautere Nachahmung: wettbewerbsrechtlicher Leistungsschutz"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_42022\" aria-describedby=\"caption-attachment-42022\" style=\"width: 473px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-42022\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Fotolia_186460529_S.jpg\" alt=\"\" width=\"473\" height=\"316\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Fotolia_186460529_S.jpg 848w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Fotolia_186460529_S-90x60.jpg 90w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Fotolia_186460529_S-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Fotolia_186460529_S-620x414.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 473px) 100vw, 473px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-42022\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Ferenc &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Beim erg\u00e4nzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutz handelt es sich um eine Beschr\u00e4nkung des Grundsatzes der <\/em><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/erfolgreiches-produkt-das-mache-ich-nach\"><em>Nachahmungsfreiheit<\/em><\/a><em>.\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Das Anbieten einer Nachahmung kann nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/4.html\">\u00a7\u00a04\u00a0Nr. 3 UWG<\/a> wettbewerbswidrig sein, wenn das nachgeahmte Produkt wettbewerbliche Eigenart aufweist und besondere Umst\u00e4nde<\/em><em> (z.B. eine vermeidbare Herkunftst\u00e4uschung oder eine unangemessene Beeintr\u00e4chtigung der Wertsch\u00e4tzung)\u00a0hinzutreten\u00a0(OLG Frankfurt a.M., Urt. v. 04.10.2018 &#8211; Az.: <\/em><a href=\"https:\/\/www.jurion.de\/urteile\/olg-frankfurt_am_main\/2018-10-04\/6-u-179_17\/\"><em>6 U 179\/17<\/em><\/a><em>).<\/em><\/p>\n<h2>Grundsatz der Nachahmungsfreiheit und seine Grenzen<\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\">Grunds\u00e4tzlich gilt im Interesse der\u00a0Wettbewerbsfreiheit<strong>\u00a0<\/strong> das Prinzip der <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/erfolgreiches-produkt-das-mache-ich-nach\">Nachahmungsfreiheit<\/a>. Seine Grenzen findet dieser Grundsatz\u00a0 in den Schutzbestimmungen der Spezialgesetze (z.B <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/taetigkeitsfelder\/markenrecht\">MarkenG<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/urheber-und-designrecht-2\">UrhG<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anspr\u00fcche aus wettbewerbsrechtlichem Leistungsschutz wegen der Verwertung eines fremden Leistungsergebnisses k\u00f6nnen jedoch ausnahmsweise unabh\u00e4ngig von Anspr\u00fcchen aus einem Schutzrecht bestehen, wenn das nachgeahmte Produkt wettbewerbliche Eigenart aufweist und besondere Umst\u00e4nde (z.B. eine vermeidbare Herkunftst\u00e4uschung oder eine unangemessene Beeintr\u00e4chtigung der Wertsch\u00e4tzung)\u00a0hinzutreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein lauterkeitsrechtlicher Leistungsschutz kommt nach dem BGH auch dann in Betracht, wenn ein vorheriger Patentschutz abgelaufen ist (vgl. BGH, Urt. v. 15.12.2016, Az.\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20197\/15\">I ZR 197\/15<\/a>\u00a0\u2013 Bodend\u00fcbel).<\/p>\n<h2>Streit vor dem OLG Frankfurt<\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\">So verhielt es sich im Fall vor dem Oberlandesgericht Frankfurt. Die Parteien stritten \u00fcber Anspr\u00fcche im Zusammenhang mit angeblich nachgeahmten Stecktechnikprodukten. Die Kl\u00e4gerin stellt her und vertreibt seit mehr als 30 Jahren sog. Steckd\u00fcbel, die der Befestigung von Kunststoffrohren und Leitungen f\u00fcr die Elektroinstallation dienen. Die spezifische Art der Befestigung wird durch besonders geformte Spreizelemente \u2013 Exzenterz\u00e4hne \u2013 an der Au\u00dfenseite der Steckelemente erm\u00f6glicht, die bis zum Jahr 2004 durch ein Patent gesch\u00fctzt waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Kl\u00e4gerin verlangte von den Beklagten Unterlassung, Auskunft und Schadensersatz. Es ging um die Frage, welche Voraussetzungen f\u00fcr einen Anspruch\u00a0aus dem erg\u00e4nzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutz vorliegen m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>Voraussetzungen des erg\u00e4nzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutzes<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Gew\u00e4hrung eines erg\u00e4nzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutzes, m\u00fcssen die folgenden Voraussetzungen erf\u00fcllt sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Der urspr\u00fcngliche Erbringer der Leistung und der Anbieter der Nachahmung m\u00fcssen in einem Wettbewerbsverh\u00e4ltnis stehen.<\/li>\n<li>Es handelt sich um ein Angebot von Waren oder Dienstleistungen, die eine\u00a0wettbewerbliche Eigenart\u00a0aufweisen.<\/li>\n<li>Das Anbieten der Nachahmung muss\u00a0unlauter\u00a0sein. Dies ist der Fall ist, wenn einer der Tatbest\u00e4nde des\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/4.html\" title=\"&sect; 4 UWG: Mitbewerberschutz\">\u00a7 4 Nr. 3 UWG<\/a>\u00a0erf\u00fcllt ist.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wechselwirkung der Tatbestandsmerkmale<\/h2>\n<p>Zu ber\u00fccksichtigen ist dabei die Wechselwirkung zwischen dem Grad der wettbewerblichen Eigenart, der Art und Weise und der Intensit\u00e4t der \u00dcbernahme sowie den besonderen wettbewerblichen Umst\u00e4nden. Je gr\u00f6\u00dfer die wettbewerbliche Eigenart und je h\u00f6her der Grad der \u00dcbernahme sind, desto geringere Anforderungen sind an die besonderen Umst\u00e4nde zu stellen, die die Unlauterkeit der Nachahmung begr\u00fcnden und umgekehrt.<\/p>\n<h2>Wettbewerbliche Eigenart<\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine wettbewerbliche Eigenart liegt vor, wenn die konkrete Ausgestaltung oder bestimmte Merkmale des Erzeugnisses geeignet sind, die interessierten Verkehrskreise auf die betriebliche Herkunft oder die Besonderheit des Herkunftserzeugnisses hinzuweisen (vgl. BGH, Urt. v. 16.11.2017, Az.\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2091\/16\" title=\"BGH, 16.11.2017 - I ZR 91\/16: Handfugenpistole - Wettbewerbsrechtlicher Leistungsschutz: Anford...\">I ZR 91\/16<\/a>\u00a0\u2013 Handfugenpistole). Alltagsgegenst\u00e4nde k\u00f6nnen demnach keine Eigenart aufweisen, da sie in der Regel keine spezifischen Merkmale haben, die auf die betriebliche Herkunft hindeuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Technisch notwendige Merkmale \u2013 also solche, die bei gleichartigen Erzeugnissen aus technischen Gr\u00fcnden zwingend vorgegeben sind, k\u00f6nnen ebenso keine wettbewerbliche Eigenart begr\u00fcnden.<\/p>\n<h2>Wettbewerbswidrigkeit im Streitfall<\/h2>\n<ul>\n<li>\n<h3>Wettbewerbsrechtliche Eigenart<\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im vorliegenden Fall bejahte das Gericht eine besondere wettbewerbsrechtliche Eigenart, da die Ausgestaltung des Produkts keine technikbedingte Funktion aufweise, sondern auf einer individuellen Gestaltung des Herstellers beruhe.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3>Grad der Nachahmung<\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da nahezu alle wesentlichen Merkmale bei den Befestigungselementen \u00fcbernommen wurden, ging das Gericht von einem hohen Grad an Nachahmung.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3>Vermeidbarkeit der Herkunftst\u00e4uschung<\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Herkunftst\u00e4uschung sei auch durch geeignete und zumutbare Ma\u00dfnahmen vermeidbar gewesen, z.B. durch erkennbare Einpr\u00e4gungen oder eine auff\u00e4llige F\u00e4rbung.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3>Wechselwirkung im Ergebnis<\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Gesamtabw\u00e4gung war aufgrund eines durchschnittlichen Grades an wettbewerblicher Eigenart, eines hohen Nachahmungsgrades und der Gefahr der Herkunftst\u00e4uschung von der Unlauterkeit auszugehen.<\/p>\n<h2>Anspr\u00fcche gegen den Verletzer<\/h2>\n<p>Eine Verletzung des\u00a0erg\u00e4nzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutzes stellt eine unlautere Handlung im Sinne des\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/3.html\" title=\"&sect; 3 UWG: Verbot unlauterer gesch&auml;ftlicher Handlungen\">\u00a7 3 Abs. 1 UWG<\/a>\u00a0dar, die die Rechtsfolgen der\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7\u00a7 8 ff. UWG<\/a>\u00a0ausl\u00f6st.\u00a0Verst\u00f6\u00dft ein\u00a0Mitbewerber\u00a0gegen den erg\u00e4nzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutz, stehen dem Betroffenen Beseitigungs-, Unterlassungs-, Auskunfts- und Schadensersatzanspr\u00fcche gegen den Verletzer zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim erg\u00e4nzenden wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutz handelt es sich um eine Beschr\u00e4nkung des Grundsatzes der Nachahmungsfreiheit.\u00a0 Das Anbieten einer Nachahmung kann nach \u00a7\u00a04\u00a0Nr. 3 UWG wettbewerbswidrig sein, wenn das nachgeahmte Produkt wettbewerbliche Eigenart aufweist und besondere Umst\u00e4nde (z.B. eine vermeidbare Herkunftst\u00e4uschung oder eine unangemessene Beeintr\u00e4chtigung der Wertsch\u00e4tzung)\u00a0hinzutreten\u00a0(OLG Frankfurt a.M., Urt. v. 04.10.2018 &#8211; Az.: 6 U 179\/17). [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":42022,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[15],"tags":[300,3015,1193,17597],"class_list":["post-42017","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wettbewerbsrecht-kartellrecht","tag-nachahmung","tag-wettbewerbsrecht","tag-herkunftstauschung","tag-ergaenzender-leistungsschutz"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42017"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42017\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":62331,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42017\/revisions\/62331"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/42022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}